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Auguste oo Salomon Isaak Auerbacher, Bergstraße 4, Kippenheim

Biografie von Auguste Auerbacher geb. Rosenfeld und Salomon Auerbacher

Verlegung der Stolpersteine am 13.01.2005

Salomon Isaak Auerbacher-Rosenfeld betrieb einen Stoffhandel sowie einen Gemischtwarenhandel in der Bergstraße 4. Um nicht mit seinem Cousin Salomon Auerbacher (Momo) aus der Bergstraße 10 verwechselt zu werden, kombinierte er seinen Familiennamen mit dem seiner Ehefrau Auguste. In den 1920er Jahren stellte er sich zur Wahl für das Amt eines Gemeindeverordneten, auch sonst beteiligte er sich am gesellschaftlichen und politischen Leben seines Heimatortes, was ihm bei Juden wie bei Christen großen Respekt einbrachte.
Als nach ihrer Machtübernahme 1933 die Nationalsozialisten den Druck auf die jüdische Bevölkerung stetig erhöhten, erlaubten die Eheleute Auerbacher 1936 ihrem 16jährigen Sohn Leopold nach Palästina auszuwandern – trotz großer Bedenken. Salomon Auerbacher war kein Zionist, aber es war ihm wichtig, dass ein Mitglied seiner Familie in Palästina Fuß fasste, um Familienmitglieder aufnehmen zu können, sollte sich die Lage für die deutschen Juden noch weiter verschlechtern. Das Ehepaar dachte nicht ans Auswandern, Auguste Auerbacher wollte ihre in Eichstetten lebende Mutter nicht allein zurücklassen. Während des Novemberpogroms (10.11.1938) brachten die Nationalsozialisten Salomon Auerbacher-Rosenfeld, wie auch die anderen jüdischen Männer Kippenheims, in das KZ Dachau. Das badische Finanzministerium nutzte die Zeit ihrer Abwesenheit, um sich Informationen über deren wirtschaftlichen Lage einzuholen. Es wurde noch im November 1938 ein „Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe“ zusammengestellt. Darin heißt es zu Salomon Auerbacher-Rosenfeld: „Stoffhandel, Gemischtwaren Bergstr. 244 [heute Bergstraße 4], offene Verkaufsstelle. Betrieb eingegangen. Keine Arbeiter, keine Angestellten.“
Am 22. Oktober holten Angehörige der Grenzpolizei die letzten noch in Kippenheim lebenden 31 Jüdinnen und Juden aus ihren Häusern und fuhren sie mit LKWs zum Offenburger Bahnhof. Ein sich in Kippenheim aufhaltender Fotograf fotografierte das Ehepaar Auguste und Salomon Auerbacher-Rosenfeld, wie es auf einen der LKWs zulief. Auch eine Nachbarin war Zeugin der Abholung: „Sie wurden als letzte …. abgeholt. Salomon Auerbacher zog drei Anzüge übereinander an, da der Befehl der SS lautete, dass sie alles was sie auf der Haut tragen, mitnehmen durften. Sie wurden mit einem LKW abgeholt, wobei sie immer und immer wieder geschlagen wurden, bis sie bluteten." Die Eheleute waren die letzten, die den LKW bestiegen. Ihr Gepäck mussten sie zurücklassen, weil sich kein Platz mehr dafür auf dem LKW fand. Die Wagen fuhren zum Offenburger Bahnhof, wo ein Sonderzug auf sie wartete, der sie in einer mehrtägigen Fahrt in die Stadt St. Oleron Ste. Marie in Südwestfrankreich brachte. Dort standen wieder LKWs, die sie zum Barackenlager Gurs fuhren.
In einem Brief aus dem Lager schildert Auguste Auerbacher ihrem Sohn Leopold die Abholung von ihr und ihrem Mann: „Dass wir so schnell unser Haus verlassen mussten, hast Du ja aus meiner Post gelesen, was keine leichte Sache für uns war, denn wir durften, weil wir zuletzt abgeholt wurden, gar nichts mitnehmen, so dass Dein lieber Papa und ich nur mitnehmen durften, was wir auf dem Körper hatten, aber alles wollen wir vergessen, wenn wir nur gesund zu Dir lieber Poldi kommen. […] Wir hatten unsere letzte Post von Dir Ende Mai oder Anfang Juni, u. Du weißt doch, wie Deine so schwer geprüften Eltern auf Deine Antwort warten! Wenn unsere Geldverhältnisse es erlauben würden, hätte ich Dir schon längst ein Telegramm gesandt, aber wir durften jeder nur 100,- Mark mitnehmen u. sonst alles zu Hause lassen. Lieber Papa ist in Ilot E, Baraque 19. Liebe Großmutter ist hier am 6. Dezember gestorben, u. daß liebe Oma im März gestorben ist, weißt Du ja. […] Wir sind noch 30 Kippenheimer hier.“ Als mittelloser Immigrant war es dem 20jährigen Sohn Leopold nicht möglich, etwas für seine Eltern zu tun, was ihn zeitlebens belastete.
Laut dem „Gedenkbuch für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ wurden Auguste und Salomon Auerbacher-Rosenfeld am 6. August 1942 in das Sammellager Drancy verschleppt und wenige Tage später am 10. August 1942 mit dem Transport Nr. 10 nach Auschwitz deportiert.

Quelle Text: Jürgen Stude

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Quellen & Impressum

Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim

Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025