Biografie von Albert und Walter Levy Rose
Bis zu ihrer Eheschließung 1898 war Paula Salberg Inhaberin eines Schuhgeschäftes am Rande der Dortmunder Innenstadt, das ihr Mann Albert Rose zunächst unter seinem Namen weiterführte. Im März 1904 zogen sie mit ihren beiden Kindern Walter und Irma nach Kleve. Hier hatte Albert ein Geschäft auf der Großen Straße (heute Nr. 70). Neben Schuhen verkaufte er nun auch chemisch-technische Produkte – Öle und Fette. 1909 vertrieb er „Mineral- und Schmieröl-Importe“ an der Emmericher Straße 30 (heute Bahnhofstraße19). Im folgenden Jahr erwarb er von der Stadt Kleve ein Grundstück an der Ecke Herzogstraße/Grabenstraße unter der Bedingung, dass er an der Stelle einen „großen, schönen Neubau“ errichten würde. Im März 1911 konnte Rose sein Geschäft in das neue Wohn- und Geschäftshaus verlegen.
Von der Tochter Irma Rose ist nur bekannt, dass sie 1921 die Klever Gruppe des jüdischen Jugendvereins leitete und sich 1922 um die Gründung einer Gruppe des Jung-Jüdischen Wander-Bundes bemühte. 1923 heiratete sie den Kaufmann Walter Steinberg und zog zu ihm nach Berlin. Zwei Jahre später verstarb ihre Mutter Paula Rose. Ihr Grabstein auf dem jüdischen Friedhof ist erhalten geblieben.
Nachdem Albert sich zur Ruhe gesetzt hatte, führte sein Sohn, der die höhere Landwirtschaftsschule besucht hatte, das Geschäft - zuletzt als Tabakwarenhandlung - weiter. Doch die nationalsozialistische Herrschaft zerschlug die Pläne der Familie.
1936 wurde das Tabakwarengeschäft verkauft, Albert Rose kam im Israelitischen Krankenhaus für Kranke und Altersschwache in Köln-Ehrenfeld unter und Walter zog zu seiner Schwester nach Berlin. Das große Wohn- und Geschäftshaus blieb zunächst im Besitz der Familie. Hier kamen nun verschiedene jüdische Familien unter. Im Dezember 1938 war Walter Rose gezwungen, das Haus zu verkaufen - wie bei allen Verkäufen jüdischen Besitzes in dieser Zeit weit unter seinem Wert. Zudem konnte die Familie über den Verkaufserlös nicht frei verfügen. In einem in den 1950er-Jahren auf Antrag der Jewish Trust Corporation (JTC) durchgeführten Wiedergutmachungsverfahren verzichtete die JTC auf eine Rückerstattung, erhielt aber eine hohe Geldsumme zum vollständigen Ausgleich aller Ansprüche.
Albert Rose verstarb am 2. April 1939 in Köln. Walter wurde am 29. Januar 1943 von Berlin aus in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Irma und Walter Steinberg brachte man am 17. März 1943 zunächst in das Ghetto Theresienstadt, bevor auch sie am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.
Eine Tochter von ihnen konnte durch ihre Flucht nach England den Holocaust überleben.
Albert Rose (Halle/Westfalen 1857 - 1939 Köln-Ehrenfeld)
Walter Levy Rose (Dortmund 1901 - 1943 Auschwitz, Vernichtungslager)
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Quellen & Impressum
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de