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Emil Gerach

Biografie von Emil Gerach

Emil Gerach blieb seiner Gesinnung treu. Als überzeugter Kommunist warb er auch in der Zeit des Nationalsozialismus für seine politischen Ideen und geriet dabei an den Falschen. Er wurde denunziert, verraten, angeklagt, verurteilt und verbüßte eine mehr als zwei Jahre dauernde Strafe in dem Gefängnis Brandenburg – Görden, in dem überwiegend politische Gefangene einsaßen und mehr als 2400 Personen hingerichtet wurde. Es war das Gefängnis, in dem auch Erich Honecker einsaß.

Emil Gerach wurde am 29. September 1898 als Sohn des Schmieds Sebastian Gerach und dessen Ehefrau Marie geb. Pfau in Tuttlingen geboren. Seine Eltern waren aus dem Schwarzwald wegen der Arbeit, die der Vater beim Bau der Donautalbahn gefunden hatte, nach Tuttlingen gezogen. Emil hatte 16 Geschwister von denen neun überlebten. Sein Vater, der 1932 starb, arbeitete später bei der Aktiengesellschaft für Feinmechanik als Schmied.

Emil Gerach absolvierte die Volksschule, begann dann beim Vater eine Lehre als Schmied, die er aber bald aufgab, da er für diesen Beruf zu schwach war. Er lernte in einer Schuhfabrik Zwicker, arbeitete danach aber in einer Gießerei in Singen. 1917 wurde er zum Militär eingezogen, kam an die Westfront und wurde durch einen Granatsplitter verwundet. Nach seiner Entlassung arbeitete er zunächst bei der Schuhfabrik Reichle. Von 1926 bis 1929 war er arbeitslos, flickte aber privat Schuhe zuhause. Dann arbeitete er in verschiedenen Schuhfabriken u.a. Henke und Dihlmann. Nach einer erneuten Arbeitslosigkeit begann er 1938 bei der Firma I.G. Martin Söhne.

Bereits Ende der 1920er Jahre begann er sich für die kommunistische Idee zu begeistern und beantragte 1931 die Aufnahme in die KPD, die jedoch abgelehnt wurde. Man verwies an die Rote Hilfe in der RHD (Rote Hilfe Deutschlands), einer Hilfsorganisation, die der KPD nahe stand und zwischen 1924 und 1936 aktiv war. Er war Mitglied in der Gewerkschaftsgruppe „Leder“ und in der RGO (Roten Gewerkschaftsopposition). In Wirtschaften, an Stammtischen, beim Kartenspielen und auch in der Öffentlichkeit hielt er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg – auch nicht nach der Machtergreifung Hitlers und dem Verbot der KPD. Er kritisierte den NS-Staat, seine Einrichtungen, Lohnabzüge u. ä. Gar mancher, der vor 1933 auf Seiten der Kommunisten, Sozialisten oder Sozialdemokraten gestanden hatte, wechselte nun die Front.
Emil Gerach war seit seiner Anstellung in der Schuhfabrik Henke bekannt mit dem Zuschneider Hugo Dieterle. Dieterle verschaffte ihm später eine Anstellung bei der Firma I.G. Martin Söhne, bei der zahlreiche Widerständler beschäftigt waren. Systematisch machte sich Hugo Dieterle an Emil Gerach heran und spionierte ihn aus. Er ließ ihn glauben, dass er sich ernsthaft für die kommunistischen Ideen interessiere und sich vom Nationalsozialismus abwenden würde. Gerach wiederum wollte mit seinen Kontakten imponieren. Dieterle war seit 1933 NSDAP-Mitglied, arbeitete für den Sicherheitsdienst (SD) der Partei, wurde 1940 SS-Mitglied und wurde in die Gendarmerie aufgenommen.

Er erschlich sich als Betriebsobmann das Vertrauen von Gerach und fragte immer wieder nach der „Roten Fahne“ und nach seinen Kontakten in die Schweiz. Gerach berichtete, dass er Franz Greis in Wollmatingen kenne, der als Verbindungsmann zu KPD-Funktionären in der Schweiz fungierte. Als Gerach im Frühjahr Franz Greis in Tuttlingen getroffen hatte, gab Greis ihm ein Kuvert mit Ausschnitten der „Roten Fahne“, einer Schrift, die über Verbrechen im KZ Kisslau berichtete, sowie weitere Druckschriften. Gerach bat ihn außerdem, den Kontakt zu Schweizer Kommunisten herzustellen.

Als im Sommer 1939 Betriebsferien bei der Firma I.G. Martin Söhne waren, drängte Dieterle darauf, dass sie die Kontakte in die Schweiz intensivieren könnten, und Gerach willigte ein. Sie fuhren mit dem Motorrad von Dieterle nach Konstanz und an die Grenzstation Kreuzlingen. Dort fotografierte Dieterle Emil Gerach an der Grenzstation. Dann fuhren sie Richtung Wollmatingen. Da Gerach im Gegensatz zu Dieterle keinen Pass besaß, setzte Dieterle Gerach ab, der dann gemeinsam mit Franz Greis den Rhein im Wasser überquerte und in Richtung eines Badeplatzes auf der Schweizer Seite schwamm. Da an diesem Tag viele Schwimmenden im Wasser waren, fielen sie nicht auf. Die Kleidung hatten sie in einem Paddelboot deponiert, das sie mit sich führten. Sie fuhren ins hohe Schilf, zogen sich an, gingen zu Fuß nach Kreuzlingen und fuhren von dort mit der Eisenbahn nach Weinfelden, wo sie sich mit Dieterle verabredet hatten, der die Grenze legal überquert hatte. Von dort fuhren sie mit Motorrad und Bahn nach Winterthur weiter und trafen sich dort mit einem Mann, der sich Surber nannte, den Gerach zunächst für einen Kriminalbeamten hielt. Sie übernachteten bei ihm und fuhren am nächsten Tag wieder zurück. Weitere mögliche Kontaktpersonen trafen sie nicht an.

Im August wurde Emil Gerach dann verhaftet und von zwei Gestapo-Männern auf den Witthoh gebracht. Sie versuchten ihn als Spitzel zu gewinnen. Als er dies ablehnte, wurde er am 28. September 1938 an seinem Arbeitsplatz verhaftet. Er kam nach Stuttgart in Untersuchungshaft und wurde wegen der Vorbereitung von hochverräterischen Unternehmungen und des illegalen Grenzübertritts angeklagt. Das Oberlandesgericht Stuttgart I. Strafsenat verurteilte ihn zu zwei Jahren, zwei Monaten und 12 Tagen Zuchthaus. Während der Verhandlung musste er erkennen, dass sein vermeintlicher Freund Hugo Dieterle als Informant für die Gestapo gedient und dem Kriminalkommissar Bauer wichtige Informationen zugespielt hatte. Unter anderem wurde auch das Foto gezeigt, das Dieterle beim Grenzübergang gemacht hatte. Aber auch sein Stammtischbruder Eugen Ranzenhausen sagte gegen ihn aus.

Er verbüßte seine Strafe in der Haftanstalt Brandenburg-Görden, in der zahlreiche „Politische“ einsaßen. 63 Tage der Haft wurden ihm erlassen. Angeblich hatte sich Kreisleiter Huber für ihn verwendet. Gerachs Ehefrau, Anna Gerach geb. Kempter, die er 1923 geheiratet hatte und mit der er vier Kinder hatte, erhielt keine Unterstützung und musste sich eher schlecht als recht durchschlagen. Sie sagte in einem späteren Interview, dass er nicht mehr derselbe war, als er aus der Haft zurückkehrte.

Nach dem Krieg wurde das Urteil aufgehoben. Emil Gerach erhielt eine Geldzahlung als Wiedergutmachung und arbeitete bei der Stadtverwaltung. Sein vermeintlicher Freund Hugo Dieterle wurde als Belasteter eingestuft, seiner Ämter enthoben. Da er nichts besaß, konnte der Staat ihn nicht regresspflichtig machen. Emil Gerach starb am 4. Dezember 1961 in Tuttlingen.

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