Zum Inhalt springen

Hermann Steck

Biografie von Hermann Steck

Ferdinand Hermann Steck wurde am 9. Oktober 1900 als Sohn des Schuhmachermeisters Ferdinand Heinrich Steck und dessen Ehefrau Rosina geb. Schmid geboren. Der Vater stammte aus Reutlingen, die Mutter aus Tuttlingen. Das Ehepaar hatte elf Kinder, von denen drei jung starben. Hermann war das fünfte Kind. Er ging in Tuttlingen zur Schule, war ein guter Schüler, wurde konfirmiert, besuchte die Fortbildungsschule, machte eine Ausbildung zum Schuhmacher bei der Fa. Neipp und Faul. Er wurde gegen Ende des Ersten Weltkriegs gemustert, für tauglich befunden und eingezogen in das Ersatzbataillon des Infanterieregiments 127, das in Wiblingen bei Ulm stationiert war. Dort holte er sich eine Rippfellentzündung. Das Militär sage ihm zu und so war er von 1919 bis 1922 beim Grenzschutz der Reichswehr. Sein Vater besaß eine kleinere Schuhfabrikation in der Gartenstraße 12 und holte den gelernten Schuhmacher in seinen Betrieb zurück. Die beiden kamen nicht miteinander aus und so wechselte er in eine andere Schuhfabrik.

1928 versuchte er zum zweiten Mal eine andere berufliche Laufbahn einzuschlagen. Er machte den Führerschein und hoffte in der aufstrebenden Automobilbranche unterzukommen, was ihm aber nicht glückte. So war er weiterhin als Schumacher, d.h. als Zwicker (Handvorzwicker so genannter Überholer) tätig (Akkordarbeit) und oft mit Aceton in Kontakt. 1930 ereignete sich ein Unfall, als sich ein Treibriemen löste und ihm zusammen mit einem großen Bleischloss auf den Kopf fiel. Er arbeitete zwar weiter, aber der Fabrikbesitzer (Christian Lutz) schickte ihn nach Hause. Er hatte zwar keine äußerliche Wunde, hatte aber das Gefühl „es habe innen geblutet“. Er erlitt einen Nervenschock, war übermüdet und appetitlos. Nach diesem Ereignis und der daraus resultierenden Krankheit war er ein halbes Jahr in Behandlung und nicht mehr derselbe wie zuvor. Seine Leistung ging zurück und er wurde Anfang Juli 1931 entlassen. Vor allem hatte er oft das Gefühl in der Wohnung würde Gas ausströmen oder es sei stickige Luft in dem Raum. Er führte diese Misswahrnehmung auf das Einatmen des Acetons zurück, darauf, dass seine Schleimhäute verätzt seien. Das Fehlen von sensorischen Wahrungen der Atemorgane aufgrund des unsachgemäß gehandhabten Acetons war weit verbreitet bei den Schuhmachern. Steck trank auf Anraten des Arztes Kamillentee mit Pfefferminz, Blutan und Lebertran, versuchte das körperliche Gleichgewicht durch Gymnastik, kalte Abwaschungen und vieles mehr zu erlangen. Immer öfter zog es ihn ins Freie, oft auch nachts.
Am 27. April 1928 hatte er Hermine Rieger geheiratet, die er seit 1922 kannte und mit der er seit dem 24. Dezember 1923 verlobt war. Sie zogen in die Möhringer Straße 21. Er war Mitglied der Siedlungskolonie und sparte auf ein Eigenheim. Nach dem Unfall änderte sich sein Leben und seine Frau kam immer schwerer mit ihm zurecht. Sie zogen kurzzeitig nach Wurmlingen, wo ihn seine Frau vorübergehend verließ und zu ihren Eltern zurückkehrte. Nach Tuttlingen in die Ludwigstaler Straße 11 zogen sie im Januar 1932. Nach einer Attacke gegen seine Frau ließen seine Schwiegereltern ihn am 9. März 1932 zum Arzt bringen, der ihn ins Kreiskrankenhaus einwies. Von dort aus wurde er am 15. März 1932 in die Heilanstalt Zwiefalten gebracht, wo er auch blieb. Dort wird er als selbstbewusst, wortgewandt und schlagfertig beschrieben, der während des gesamten Aufenthalts auf Entlassung drängte. Die Ehe wurde 1934 geschieden, was er schwer verkraftete. Ab Juni 1937 wurde er in der Landwirtschaft eingesetzt. Das Heuabladen nutze er am 23. Juni 1937 und entwich. Allerdings wurde er zwei Tage später wieder aufgegriffen und zurückgebracht. Die Flucht ereignete sich ein Tag nachdem er bei ihm eine neue Behandlungsmethode angewandt hatte. Mit einer Cardiazol-Kur, deren Kosten das Kreisfürsorgeamt übernahm, versuchte man ihn zu kurieren. Cardiazol ist ein Analeptikum, das 1934 für psychische Erkrankungen eingeführt wurde. Mit ihm wurde ein Schockzustand hergestellt. Über drei Monate erhielt er Injektionen, die einen Anfall provozierten. Cardiazol-Kuren waren Vorläufer von Psychopharmaka-Therapien. Nichts half.

Am 13. November 1940 wurde er nach Grafeneck gebracht und getötet. Seine Urne wurde, da sie in Tuttlingen von niemand angefordert wurde, dem Krematorium in Schwenningen überstellt und dort beigesetzt. Nach Ende der NS-Diktatur wurde sie dort auf dem Ehrenhain beigesetzt.

Medien

Fotos

Kostenlos dank Ihrer Hilfe

Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.

Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.
Unterstützen

Stolpersteine in der Nähe

Alle Stolpersteine in Tuttlingen

Quellen & Impressum

Museen der Stadt Tuttlingen

Museen der Stadt Tuttlingen: https://www.tuttlingen.de/de/Kultur-Tourismus/Kulturelle-Einrichtungen/Museen/Staedtische-Museen/Heimatmuseum-Fruchtkasten