Biografie von Leopold Löw, Rosa Löw, Seligmann Haas und Albert Haas
Leopold „Louis“ Löw wurde am 26.2.1862 als Zwillingskind mit Mina Löw in Sulzbürg geboren. Seine Eltern war der Schnittwarenhändler und Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Sulzbürg Samuel Löw (10.12.1824 -21.11.1888) und seine Frau Rosina, geb. Niedermaier (17.9.1830 - 4.11.1889), die aus Thalmässing stammte.
Der Kaufmann Louis Löw heiratete am 24. Febr. 1891 Rosa Adler (*10.04.1866) aus Edelfingen, Tochter von Julius und Babet Adler, vermutl. Viehhändler.
Eine Lebensfreundschaft verbindet Louis Löw mit dem etwa gleichaltrigen Seligmann Haas (15.9.1861 in Oberlauringen bei Königshofen/Schweinfurt), der Woll- und Schnittwaren, Güter, Hopfen vertreibt. Louis und Seligmann verschwägern sich sogar: Louis‘ Zwillingsschwester Mina Löw (*26.02.1862 S.) heiratet Seligmann Haas am 9.11.1886 in Sulzbürg. Die nun verwandten Familien betreiben in Sulzbürg den Schnittwarenladen „Löw & Haas“ und sind bekannt für die hohe Qualität ihrer Stoffe.
Beide Familien bekommen Kinder:
Löw: Samuel (*1892), Alfred (*1899)
Haas: Siegfried Julius (*1888), Semi (1889), Siegmund (1890), Rosa (1891), Albert (1893), Hedwig (*1895).
Die Männer sind Mitglieder im Sulzbürger Männergesangverein. Seligmann Haas macht als 2. Bürgermeister Gemeindepolitik, dies ist auf einem Gedenkstein für die erfolgreiche Einrichtung der Wasserleitung im 1. WK auf dem Sulzbürger Schlossberg dokumentiert. Nach seinem Wegzug wird Seligmann sogar zum Ehrenbürger von Sulzbürg ernannt. 1922 stirbt Seligmanns Frau und Luis‘ Schwester Mina (Epilepsie, Schlaganfall).
1924, die Kinder sind alle erwachsen, die Eltern im Rentenalter, wird das Wohn- und Geschäftshaus an die Orthodoxe Jugendorganisation ESRA verkauft. Wie viele Glaubensgenossen vor ihnen ziehen der Witwer Haas mit dem ledigen Sohn Albert und Ehepaar Löw nach Neumarkt in den 1. Stock der Wiesenstraße 4, heute Stephanstraße 17. Sicherlich waren sie auch jetzt noch am Stoffhandel beteiligt – Die Haas-Söhne Semi und Albert betreiben seit 1921 ein Textilwarengeschäft in Neumarkt in der Mühlstraße 5 bzw. später dann am Oberen Markt.
Mit Beginn des Nationalsozialismus ändert sich das Leben der beiden Familien. Ende 1935 müssen die Löws aufgrund der Nürnberger Gesetze ihre Hausgehilfin Margaretha Niebler aus Hollerstetten entlassen.
In der Pogromnacht 1938, als die aufgeputschen SA-Männer jüdische Häuser und Wohnungen angriffen, blieb offenbar auch die Wiesenstraße 4 nicht verschont. Seligmann und sein Sohn Albert Haas, Louis und Rosa Löw, Seligmann und Albert Haas wurden von Neumarkter Polizisten zusammen mit 25/26 anderen (Selma Hutzler erst am 13.11.) im Amtsgerichtsgefängnis inhaftiert. Seligmann wurde nach 4 Tagen entlassen. Louis Löw und seiner Frau Rosa ging es bei der Inhaftierung in der Pogromnacht so schlecht, dass der Bezirksarzt am nächsten Tag ihre sofortige Entlassung erreichte. Louis Löw war schwer misshandelt worden und starb im Alter von 76 Jahren an den Folgen am 13. Februar 1939. Sein Grab ist auf dem Neumarkter Jüdischen Friedhof nicht mehr auffindbar.
Dramatisch verliefen auch Rosa Löws weitere Lebensjahre. Am 5. Mai 1939 flüchtete sie zu ihrem Sohn Samuel, der bereits 1935 nach Amsterdam emigriert war. Doch nach dem Einmarsch der Nazis in Holland begannen auch dort die Deportationen. Rosa wurde im holländischen KZ Westerbork interniert und von dort nach Theresienstadt deportiert. Rosa Löw überlebte Theresienstadt und kehrte zu ihrem Sohn Samuel nach Amsterdam zurück. Sie starb 1947.
Samuel, der nach New York auswanderte, erzählte Ernst Haas von den schrecklichen Erlebnissen seiner Mutter in Theresienstadt und auch, dass sie dort Ernsts Großvater Seligmann Haas getroffen habe. Denn: Seligmann Haas war am 28. Mai 1942 nach Regensburg in das ehemalige Altersheim in der Schäffnerstraße 2 „verschubt“ und am 23. September 1942 mit den letzten Sulzbürger Jüdinnen und Juden, alle seine guten Freunden von früher, nach Theresienstadt deportiert worden. Welch traurige Begegnung mit Rosa Löw und anderen Freunden am grausigen Ort! Seligmann Haas überlebte nicht. Er starb – 81jährig - am 8. September 1943.
Sein Sohn Albert Haas aber wurde in der Pogromnacht ebenfalls inhaftiert und dann über Regensburg vom 15. November 1938 bis 8. Dezember 1938 in der Hölle von Dachau eingesperrt. Zusammen mit seinem Vater, dem Ehepaar Sigmund und Franziska Krämer sowie Regina Rheintaler war er in den folgenden Jahren in der Wohnung Wiesenstraße 4 zwangseingemietet (sog. „Judenhaus“). Am 3. April 1942 wurde er zusammen mit Krämers und Frau Rheintaler von Neumarkt nach Regensburg und am nächsten Tag ins polnische Piaski deportiert. Dort verlieren sich seine Spuren.
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