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Witwe des Lederfabrikanten

Biografie von Anna Schalscha

Frau Schalscha (75) hat sich umgebracht. Das war in der Nacht zum 21. Juli 1942. Sie öffnete die Brenner des Küchenherdes, ohne anzuzünden. Sie wurde tot aufgefunden.

Zeitlebens war Frau Schalscha eine selbstbewusste Geschäftsfrau. Ihr Mann Louis und sein Bruder Paul führten 30 Jahre lang eine Ledermanufaktur. Sie besaßen ein feines Ladengeschäft in bester Lage Humboldt-Str. 12.
Frau Schalscha bekam zwei Töchter: Edith und Ellen. Seit 1928 war sie verwitwet. Auch Edith war seit 1935 verwitwet. Die Familie gehörte der israelitischen Religionsgemeinde Gera an.

Die beiden Witwen Mutter und Tochter wohnten zuletzt Rudolf-Ferber-Str. 1.
(Haus abgerissen, ehem. Neustadt, heute etwa Südwestseite der Rudolf-Breitscheid-Str.). Sie mussten zwangsweise umziehen zuerst ins „Judenhaus“ Agnesstr. 4, dann ins „Judenhaus“ Zschochernstr. 32.

Am 10. Mai 1942 waren die meisten Mitbewohner nach Belzyce deportiert worden. Darunter auch ihre geliebte Tochter Edith (50). Sie hat wohl erfahren, oder geahnt, dass sie tot ist. Der Trost, dass sie Tochter Ellen mit deren Familie in Sicherheit wusste, war nicht groß genug. Sie selbst sollte im September nach Theresienstadt. Sie sah für sich keinen Ausweg mehr. (2024 mw )
Stolperstein gesetzt am 8.4.2009

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