Biografie von Cläre und Gustav Kirstein
Trufanowstr. 8
Cläre und Gustav Kirstein
Dr. Gustav Kirstein, geb. 24.02.1870 in Berlin, wurde im Oktober 1899 Teilhaber des Kunstverlages "E.A. Seemann" und schon bald alleiniger Geschäftsführer. Der Verlag errang landesweites Ansehen. Gleichzeitig sammelten Gustav Kirstein und seine Frau Cläre Therese (geb. Stein, 18.05.1885 in Leipzig) Kunstwerke. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor (Gabriele - geb. 1905, Marianne - geb. 1907).
1923 trat Elert A. Seemann, Enkel des Verlagsgründers, in die Firma ein. Dieser war schon frühzeitig Mitglied der NSDAP und drängte 1933 seinen jüdischen Geschäftspartner aus dem Verlag. Während die Töchter mit ihren Ehemännern Deutschland schon frühzeitig verließen, gründete Kirstein einen eigenen Verlag und versuchte damit im neuen NS-Staat zu überleben. Am 14. Februar 1934 starb Gustav Kirstein (64 Jahre). Die Umstände seines Todes sind weitgehend unklar. Während einige Quellen von einer Selbsttötung ausgehen, sprechen andere von gesundheitlichen Problemen als Ursache seines Todes. Beides ist denkbar angesichts der radikalen Beschränkung eines bisher erfolgreichen Berufslebens.
Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Cläre Kirstein die Leitung des Verlages. Im Zuge der systematischen Enteignung und Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung verlor auch Frau Kirstein 1938 den Verlag. Kurz vor ihrer Ausreise in die USA wurde ihr der Pass entzogen und eine Flucht dadurch unmöglich. Verzweifelt schnitt sich Cläre Kirstein (54 Jahre) am 29.6.1939 in der Badewanne ihrer Wohnung die Pulsadern auf.
Die Kunstsammlung der Kirsteins "kaufte" die Stadt Leipzig kurz darauf. Am 25.09. 2000 restituierte das Museum der bildenden Künste Leipzig insgesamt 80 Gemälde, Zeichnungen und Drucke an die rechtmäßigen Erben.
Patenschaft: Deborah Williger, Sarah Schulze
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