Zum Inhalt springen

Familie Birkenruth/Hess

Biografie von Julius Birkenruth, Alfred Birkenruth und 5 weitere

Familien Birkenruth/Hess, Hannoversche Straße 8

Der älteste der Familie Birkenruth war der 77-jährige Julius Birkenruth, geboren in Bordenau. Vor dem Umzug 1926 nach Nienburg wohnte er in Neustadt am Rübenberge.
Julius Birkenruth war Witwer, seine Ehefrau Emilie, geborene Herzberg, war bereits 1911 gestorben. Er hatte drei Kinder: Leopold, Sophie und Alfred.
Julius Birkenruth führte in seinem Produktenhandel „Roh-Produkte, Felle und Schlachtereibedarfsartikel“. In den Tagen nach der Pogromnacht 1938 wurde er wie
viele andere jüdische Männer in sogenannte Schutzhaft genommen und in das
KZ Buchenwald verschleppt. Die Männer wurden dort in einen Stacheldrahtpferch getrieben, schwer misshandelt und ausgeraubt. Damit wollten die Nationalsozialisten die Menschen zwingen, ihr Geschäft oder ihr Haus zu verkaufen und das Land zu
verlassen. Am 28. März 1942 wurde er zunächst nach Hannover und am 23. Juli nach Theresienstadt deportiert. Er starb dort am 29. September 1943.

Einer der beiden Söhne von Julius Birkenruth, der Kaufmann Leopold Birkenruth, war in Nienburg seit 1917 ansässig. Mit seiner Frau Lucie, geborene Wigger, bewohnte er seit 1919 das Gebäude in der Hannoverschen Straße 8. Lucie Birkenruth starb 1926, Leopold ein Jahr später.

Alfred Birkenruth, 1894 in Neustadt am Rübenberge geboren, heiratete 1922 die Rehburgerin Erna Löwenstein. Beide lebten im Haus ihrer Eltern. Mit seinem Schwiegervater Jakob Löwenstein betrieb Alfred Birkenruth eine Schlachterei. 1923 und 1929 kamen die Söhne Hans und Walter zur Welt. 1938 wurden auch Alfred
Birkenruth und sein Schwiegervater im KZ Buchenwald interniert, Jakob Löwenstein wurde in Buchenwald erschlagen. Im Jahr darauf zogen Alfred und Erna Birkenruth
nach Nienburg in das Haus an der Hannoverschen Straße 8. 1940 bzw. 1941 kamen auch die beiden Söhne nach Nienburg, sie hatten zuvor die Israelitische Gartenbauschule in Hannover-Ahlem besucht. Alfred und seine Frau Erna Birkenruth wurden 1942 mit ihren beiden Söhnen, dem 12-jährigen Walter und Hans, 19 Jahre,
von Nienburg über Hannover-Ahlem in das Warschauer Ghetto deportiert und dort oder in einem der umliegenden Vernichtungslager ermordet.

Sophie Hess, geborene Birkenruth, die Schwester von Alfred Birkenruth, war mit ihrem Vater Julius 1926 nach Nienburg gekommen. 1935 heiratete sie den aus Osnabrück
stammenden jüdischen Kaufmann Berthold Hess. Beide wohnten mit in der Hannoverschen Straße 8. Am 28. März 1942 wurde das Ehepaar auf den Schloßplatz
in Nienburg befohlen, über Hannover-Ahlem in das Warschauer Ghetto deportiert und ermordet. Noch in Nienburg nahm man ihnen vermutlich alle Wertgegenstände,
Schmuck und die Hausschlüssel ab.

Für Alfred, Erna, Hans und Walter Birkenruth liegen Stolpersteine in Rehburg-Loccum.
Seit dem 28. Februar 2017 erinnern auch Stolpersteine in Nienburg an die Familien Birkenruth und Hess.

Medien

Fotos

Kostenlos dank Ihrer Hilfe

Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.

Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.
Unterstützen

Stolpersteine in der Nähe

Alle Stolpersteine in Nienburg/Weser

Quellen & Impressum

Recherchegruppe Stolpersteine Nienburg

Projektgruppe Stolpersteine OBS Marklohe und Recherchegruppe Stolpersteine Nienburg