Zum Inhalt springen

Familie Sternberg/Lissa

Biografie von Babette Sternberg geb. Mayer, Elly Lissa geb. Sternberg und Ernst Lissa

Parkstraße 18

Babette Sternberg geb. Mayer wurde am 28. Dezember 1870 in
Oppenheim geboren. 1895 heiratete sie den Limburger Kaufmann Michael
Sternberg. 1897 wurde die Tochter Gertrud geboren, 1898 Elly und 1902
Alice. Die Familie lebte in dieser Zeit in der Hospitalstraße, wo Michael
Sternberg mit seinem Partner und Verwandten Leopold Sternberg ein
Geschäft für Kurz-, Weiß-, Manufaktur- und Wollwaren betrieb. Michael
Sternberg, der 1919 in die Stadtverordentenversammlung gewählt wurde,
starb 1924 im Alter von 63 Jahren. Seine Witwe Babette Sternberg zog
zwei Jahre später mit Tochter und Schwiegersohn in die Parkstraße. Sie
engagierte sich im Israelitischen Frauen-Verein als zweite Vorsitzende.
Im Haus Parkstraße 18 lebte sie bis zum Frühjahr 1939. Anfang März
1939 verließ sie Limburg und reiste nach Amsterdam.
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in den Niederlanden musste sie wie
alle Juden den gelben Stern tragen. Sie wurde von der Gestapo verhaftet
und ins KZ Westerbork eingeliefert. Von hier aus wurde sie mit dem
Transport am 2. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und direkt nach
der Ankunft am 5. Februar 1943 ermordet.

Elly Lissa geb. Sternberg wurde am 8. Dezember 1898 in Limburg als
Tochter des Kaufmanns Michael Sternberg und seiner Ehefrau Babette
Sternberg geb. Mayer geboren. Sie heiratete 1923 den Kaufmann Ernst
Lissa. Das Ehepaar bekam zwei Kinder, Fritz und Doris. Seit 1926 lebte die
Familie im Haus Parkstraße 18. Elly Lissa engagierte sich im Israelitischen
Frauenverein, in dem ihre Mutter dem Vorstand angehörte. Sie und ihr
Ehemann genossen großes Ansehen in der Gemeinde.
Nachdem ihr Mann schwer misshandelt aus der KZ-Haft entlassen worden
war, musste das Ehepaar die Ausreise aus Deutschland vorbereiten. Die
beiden Kinder, 14 und 9 Jahre alt, wurden mit einem Kindertransport nach
Holland gebracht. Sie selbst gelangte mit ihrem Mann nach England.
Direkt in die USA gehen konnten sie nicht, da die dortige
Einwanderungsquote bereits erfüllt war. Erst Ende Oktober 1940
gelangten sie nach New York, ihre Kinder kamen 1941 nach. Elly Lissa
lebte bis zu ihrem Tod am 19. Juli 1986 in New York.

Ernst Lissa wurde am 29. Mai 1888 in Frankfurt geboren. Er ergriff den
Beruf des Kaufmanns. Er kam 1922 nach Limburg, wo er als Reisender für
die Firma S. Sternberg seines künftigen Schwiegervaters arbeitete. 1923
heiratete er in Limburg Elly Sternberg, mit der ab 1926 im Haus
Parkstraße 18 lebte. Ernst Lissa verdiente den Lebensunterhalt durch den
Handel mit Stahlwaren. Der langjährige Vorsteher der jüdischen Gemeinde
Limburg Adolf Leopold bestätigte 1939 dem Ehepaar Lissa, sie seien „in
jeder Beziehung ehrbare, arbeitsfreudige, charakterfeste Menschen, die
eine geachtete Stellung in der Gemeinde genossen.“
Ab 1933 hatte Ernst Lissa unter den Boykottmaßnahmen der Nazis gegen
jüdische Geschäftsleute zu leiden. Das Einkommen ging spürbar zurück.
Im Zuge der Ausschreitungen der sogenannten Kristallnacht wurde er
verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Dort erlitt er schwere
Misshandlungen, so dass er als kranker und gebrochener Mann im
Dezember 1938 zurückkehrte. Ihm wurde zur Auflage gemacht,
Deutschland bis zum 1. April 1939 zu verlassen. Es gelang dem Ehepaar
Lissa, nach England zu entkommen und von dort in die USA. Von den
Quälereien der KZ-Haft hatte er sich nie mehr erholt. Er starb am 15. April
1944 in New York.

Kostenlos dank Ihrer Hilfe

Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.

Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.
Unterstützen

Stolpersteine in der Nähe

Alle Stolpersteine in Limburg a. d. Lahn

Quellen & Impressum

Stadtarchiv

Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn
Werner-Senger-Straße 10
65549 Limburg a. d. Lahn
Tel. 06431/203-368
Email: christoph.waldecker(at)stadt.limburg.de