Biografie von Albert Kahn, Jenny Kahn geb. Löwenstein und Fanny Goldberg geb. Leibowitz
Holzheimer Straße 6
Albert Kahn wurde am 12. Oktober 1891 in Limburg als Sohn des Kaufmanns Max Kahn und der Julie Kahn geb. Bernheim geboren. Er ergriff den Beruf des Rechtsanwalts und war beim Limburger Gericht zugelassen. Seit 1928 betrieb er eine eigene Praxis. Seine 1923 geborene Tochter Hilde besuchte das Lyzeum, die Thau-Schule, musste sie aber als Jüdin verlassen und den Rest ihrer Schulzeit an der Volksschule absolvieren. Albert Kahn wurde aus der Rechtsanwaltschaft ausgeschlossen und durfte seinen Beruf nur noch als Kleingewerbetreibender ausüben. Ihr Haus in der Holzheimer Straße war die Familie 1938 gezwungen aufzugeben. Sie lebten fortan in einer Wohnung in der Barfüßerstraße, die im November 1938 zerstört wurde.
Nach den Ausschreitungen der Kristallnacht wurde Albert Kahn verhaftet und ins KZ Buchenwald deportiert. Im Dezember 1938 wurde er wieder freigelassen mit der Maßgabe, Deutschland zu verlassen. Im Februar 1939 ging er nach Brüssel. Seine Frau blieb in Limburg zurück, es gelang aber, die Tochter nach England zu schicken.
Nach dem Einfall der Wehrmacht in Belgien wurde Albert Kahn erneut verfolgt. Anfang Mai 1940 verliert sich seine Spur. Er gilt als verschollen. Es kann vermutet werden, dass er bei einer Aktion der Gestapo in Belgien ermordet wurde. Mit Datum 8. Mai 1945 wurde er für tot erklärt.
Jenny Kahn geb. Löwenstein wurde am 18. August 1891 als Tochter von Robert und Karin Löwenstein in Kirberg geboren. 1921 heiratete sie den Juristen Albert Kahn. Dem Ehepaar wurde eine Tochter, Hilde, geboren. Engagiert war Jenny Kahn im Israelitischen Frauen-Verein.
Als ihr Ehemann nach seiner Freilassung aus dem KZ Buchenwald 1939 aus Deutschland fliehen musste, blieb sie in Limburg in der gemeinsamen Wohnung in der Barfüßerstraße zurück. Im August 1939 zog sie zur Plötze 16 ins Haus der Familie Isselbächer und ging einen Monat später nach Mainz. Dort wohnte sie im Haus Heiliggrabstraße 5, ein sogenanntes „Judenhaus“.
Am 25. März 1942 wurde sie ins Ghetto Piaski in Polen deportiert und vermutlich am 31. März 1942 ermordet.
Fanny Goldberg geb. Leibowitz wurde am 15. Oktober 1876 in Dolzig an der Warthe (heute: Dolsk/Polen) geboren und lebte später in Berlin-Wilmersdorf. Seit 1917 war sie mit dem Chemnitzer Kantor Nathan Goldberg verheiratet. Nach dessen Tod 1929 lebte sie noch einige Jahre in Chemnitz, ging dann nach Plauen und kam von dort 1934 nach Limburg. 1935 verzog sie nach Berlin, kehrte aber 1937 zurück an die Lahn. Zunächst wohnte sie in der Grabenstraße und dann ab März 1938 im Haus Holzheimer Straße 6. Im Juni 1938 verließ sie Limburg und ging nach Frankfurt, wo sie eine Unterkunft im Rothschild’schen Altersheim auf der Zeil fand. Die Unterkunft finanzierte sie aus einer kleinen Pension, die ihr die Jüdische Kultusvereinigung Chemnitz zahlte. 1941 zog sie nochmals um in die Gagernstraße. Von hier aus wurde sie 1942 nach Theresienstadt deportiert. Hier war ihr Leidensweg aber noch nicht zu Ende, sondern sie wurde nach wenigen Wochen weiter deportiert nach Treblinka, wo sie am 23. September 1942 ermordet wurde.
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Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn
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