Biografie von Jakob Möhner
Jakob Möhner
geboren 1891 in Vendersheim, Er wohnte mit seiner Familie in Groß-Winternheim.
Nach einem Unfall war er seit 1930 in Anstaltspflege in den LHPA Alzey und Gießen.
Jakob Möhner war einer von 60 Patienten, die am 25. Februar 1941 mit dem zweiten Sammeltransport von der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Alzey in die Landesheilanstalt Weilmünster bei Weilburg gefahren wurden. Gut drei Wochen später, am 18. März 1941, wurden sie nach Hadamar gebracht und am gleichen Tag vergast, da war er 50 Jahre alt. Den Angehörigen wurde etwa drei Wochen später eine Todesnachricht geschickt mit einer Sterbeurkunde, in der die Todesursache und der Todestag gefälscht war. Zur Tarnung, denn die Massenmorde sollten geheim bleiben. Die Angehörigen konnten innerhalb einer kurzen Frist die Urne mit der Asche anfordern, auch das eine Fälschung.
So wie Jakob Möhner verloren elf weitere Ingelheimer ihr Leben. Sie wurden wie er 1941in Hadamar vergast.
Im August 1941 wurde die Gasmord-Aktion plötzlich gestoppt. Da waren noch nicht alle für die Tötung vorgesehenen Patienten in den Tötungsanstalten angekommen. Aber das Töten ging weiter, mit anderen Methoden: Vergiftung durch Medikamente oder durch Hungerkost ohne Fett. Nach kurzer Zeit Hungerkost stellen sich Krankheiten ein und der Patient stirbt angeblich an einer normalen Krankheit. An diesen Tötungen beteiligten sich noch mehr Anstalten: mit Gift töteten Hadamar und Eichberg, mit Hungerkost Hadamar, Eichberg und das Philippshospital Goddelau. In dieser 2. Phase der Krankenmorde zwischen 1941 und 1945 starben 17 Ingelheimerinnen und Ingelheimer.
Über 50 Ingelheimer gerieten zwischen 1933 und 1945 unter die Gewalt der nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitspolitik.
Das begann schon im Januar 1934, vor 80 Jahren. Damals begann die Zwangssterilisation von Menschen, die von ärztlichen Gutachtern als erbkrank oder sozial unangepaßt einstuft wurden. Fast alle wurden gegen ihren Willen durch Operation unfruchtbar gemacht, reichsweit über 400.00 , aus Ingelheim mindestens 20. Nur neun von ihnen überlebten das Dritte Reich.
Die meisten Ingelheimer, die geistig oder psychisch krank waren, befanden sich als Patienten in den Heil- und Pflegeanstalten in Alzey, Heidesheim, Jugenheim, auf dem Eichberg, in Eltville, im Philippshospital in Goddelau und im St. Valentinushaus in Kiedrich.
Von diesen haben 7 Männer und 11 Frauen diese Schreckensjahre überlebt.
Aber 29 Ingelheimerinnen und Ingelheimer wurden ermordet, weil sie krank waren.
Die Nazis beschönigten den Massenmord an Patienten als Gnadentod, als "Euthanasie". Aber auch diese Tötung war im nationalsozialistischen Dritten Reich verboten. Deswegen wurden die Massenmorde als geheime Reichssache behandelt. Der Plan, diese "unnützern Esser" zu töten und damit Kosten zu sparen, entstand 1935. Aber da man öffentliche Aufregung im Deutschen Reich und im Ausland fürchtete, begann man mit den Massentötungen erst kurz nach dem Beginn des 2. Weltkrieges. Dafür wurden im Deutschen Reich sechs Heil- und Pflegeanstalten zu Tötungsanstalten umgebaut, sie erhielten Gaskammern und Verbrennungsöfen:
Brandenburg/Havel bei Berlin, Grafeneck südlich Stuttgart, Pirna/Sonnenstein bei Dresden, Bernburg an der Saale, Schloß Hartheim bei Linz/Donau und zuletzt Hadamar bei Limburg an der Lahn. Dort wurden die meisten Ingelheimer Patienten getötet.
1940 mussten Ärzte der Heil- und Pflegeanstalten alle Patienten an eine Zentrale melden, die schon lange in Anstalten lebten oder die nicht mehr arbeitsfähig waren. Diese Zentrale befand sich in Berlin in der Tiergartenstraße 4, danach wurde der geheime Massenmord mit der Bezeichnung "T4-Aktion" getarnt. Dort entschieden ärztliche Gutachter über Leben oder Tod, dann holten graue Busse die für die Tötung selektierten Patienten in ihrer Heimatanstalt ab. Sie wurden zunächst in eine Zwischenanstalt gebracht. Dort lebten sie ohne medizinische Versorgung und bei Hungerkost, bis sie nach einigen Wochen zur Vergasung in eine Tötungsanstalt gebracht wurden.
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