Biografie von Anneliese Hoevel
Anneliese Hoevel hätte ein angenehmes Leben an der Seite ihres Mannes haben können, der Manager in der Autoindustrie war. Aber sie wollte bessere Arbeitsbedingungen für alle, wurde Mitglied der KPD und leistete Widerstand, bis sie 1942 zusammen mit ihrem Mann André Hoevel hingerichtet wurde.
Anneliese Hoevel (*3. 10. 1898 in Köln) arbeitete gemeinsam mit ihrem Mann André für die verbotene KPD.
Wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" wurde sie 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Begründung wird sie als "gefährliche und hartnäckige Förderin der illegalen Bestrebungen der KPD" bezeichnet.
1939 zog sie mit ihrem Mann nach Koblenz und setzte dort mit Gleichgesinnten den Widerstand fort. Unter anderem hörten sie verbotene Auslandssender wie Radio Moskau. 1941 wurde die Gruppe entdeckt.
Im Juni 1942 wurden Anneliese und André Hoevel vom Oberlandesgericht Kassel wegen "Hochverrats und Rundfunkverbrechens" zum Tode verurteilt. Am 28. August 1942 wurden sie in Frankfurt hingerichtet.
"André, mein Liebster"
Brief von Anneliese Hoevel an ihren Mann
Während ihrer "Schutzhaft" schrieb Anneliese Hoevel aus dem Konzentrationslager Lichtenburg:
Prettin, den 24. Januar 1939
André, mein Liebster! Dank für Deinen lieben Brief mit den warmen Worten. Nun und Du, gell, es ist alles nicht so einfach und Du bist so einsam. ...
Ich empfinde Dein Alleinsein jetzt sehr stark, weiß ich doch, dass sich zu zweien alles viel leichter überwindet; weiß andererseits auch, dass mein Andre, so wie ich ihn kenne, mit allen Schwierigkeiten schnell fertig wird. Hoffen und wünschen tue ich, dass Du recht bald irgendeine Position bekommst, die Dich wieder ins richtige Gleis kommen lässt, Man sollte doch annehmen, dass ein Mensch mit Deinen Qualifikationen und rein menschlichen Werten sehr schnell untergebracht wäre...
Mein armes, gutes Lieb, so hast Du ausgesehen, dass Deine Fotografie nicht verwendungsfähig war. Schöner und jünger bin ich ja ebenfalls nicht geworden, doch habe ich versucht, was ich konnte, um den drohenden Verfall (!!!) (Na so schlimm ist's ja auch wieder nicht) zurückzudrängen. Doch damit Du Dir keine zu abscheulichen Vorstellungen von mir machst und Dir gleich eine andere Frau nimmst, sei Dir gesagt, dass ich immer noch Staunen hervorrufe bei der Feststellung meines Alters...
Den ganzen Tag über bin ich im Arbeitsdienst. Meine Arbeit erfordert meine ganze Konzentration und erlaubt mir nicht zu grübeln über Dinge, die sind und sich nicht ändern lassen und das ist gut so, denn man sehnt sich sonst nur krank. Mal ein wenig lesen, etwas plaudern und das ist meine geistige "Betätigung". Aber lass, es wird schon werden. Momentan bin ich zu sehr ausgepumpt.
Grüße alle Lieben herzlich. Und Du Liebes, behalt mich ganz lieb. Ich drücke ganz fest die Daumen für ein Gelingen nach Deinem Wunsch.
Es grüßt Dich recht herzlich Deine Annelies.
Zwiesprache mit Anneliese Hoevel
Die Freundin und Mitangeklagte Margarete Noetzel, die Frau des Malers Adolf Noetzel, schrieb in ihren Erinnerungen von 1952: "Mit Dir Freundin und Genossin Anneliese Hoevel halte ich Zwiesprache und auch Du Kamerad und Genosse André gehörst dazu. Euch gehört dieser Rückblick, den ich privat und weltanschaulich halte." ...
"1934 – 1937: drei Jahre Zuchthaus für Annelies Hoevel. Du tapfere Frau. Drei Jahre Zuchthaus waren das Ergebnis Deines Schweigens. Du Vorbild unseres Wiesbadener Frauenkomitees. Annelies, mit Dir führe ich das Gespräch fort, das Zwiegespräch unseres Bezirks. Es war groß unser Werk, Dein Werk. Für uns galt (es), das fortzusetzen, woran man Rosa Luxemburg hinderte. Wir waren nur ein ganz kleines Getriebe im Weltenall – aber wir waren. Und wenn ich Dich als "Zuchthäuslerin" sah und besuchte, wie strahlte Dein Auge, wenn ich Dir von einer gelungenen Sache versteckt Mitteilung machen konnte."
In dem Prozess in Kassel war Margarete Noetzel mit angeklagt:
"Als sich nun unsere Verhandlung dem Schluss näherte, hörten wir die klanglose und harte Stimme: "Todesstrafe für das Ehepaar Hoevel und Jakob Newinger und acht Jahre Zuchthaus für Grete Noetzel." Nach der Beratung fiel das Urteil so aus: Todesstrafe für Annelies und Andreas Hoevel, zehn Jahre Zuchthaus für Jakob Newinger und sechs Jahre Zuchthaus für Grete Noetzel.
Danach öffneten sich die Gerichtstüren und die Presse durfte uns anstarren. Wie erstaunt waren aber die Pressevertreter, als sie nicht eine Träne bei uns sahen. Wir wollten unser Inneres dem Gericht und auch der Presse nicht offenbaren. […] Als wir im Auto waren, wurden wir fast ohnmächtig, hier waren wir allein, keiner sah unser großes Weh, machtlos gegen diesen Terror. Es war Sommer, 26. Juni 1942, heiß und drückend, aber wir froren und zitterten.[…] Lässt es sich beschreiben, was nun geschah? Diese Empfindungen sind nicht wiederzugeben.
Heute, nach zehn Jahren, höre ich noch Annelies sagen: "Blümchen, ich bin gesund, mir tut nichts weh, bin nicht krank und doch soll ich sterben? Ganz ausradiert, weggewischt, ich soll nicht mehr sein?"
Die Erinnerungen von Margarete Noetzel hat Joachim Hennig vom Förderverein Mahnmal von ihrer Tochter Ursula Noetzel-Haupt zur Verfügung gestellt bekommen.
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