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Hilda Binder, Kürzeller Straße 20, Allmannsweier

Biografie von Binder Hilda

Stolpersteinverlegung am 23.02.2025
Kürzeller Straße 20, 77963 Schwanau-Allmannsweier

Hilda Binder wird am 15. August 1927 als viertes Kind der Eheleute Daniel Binder und Maria geb. Lutz in Allmannsweier geboren. Die Familie lebt, wie die meisten im Dorf, von der Landwirtschaft.
Im Alter von wenigen Wochen erkrankt Hilda Binder an einer Hirnhautentzündung. Die Krankheit hinterlässt bleibende psychische Schäden und sie lebt fortan mit einer geistigen Behinderung. Sie bleibt aber zunächst bei ihrer Familie.
Im Alter von 12 Jahren wird sie in die Badische Taubstummenanstalt in Gengenbach gebracht, die ihr Onkel Georg Binder als Direktor leitet. Er nimmt eine Einschätzung ihres Zustandes vor. Daraufhin, am 22. November 1939, wird sie in der Erziehungs- und Pflegeanstalt für Geistesschwache Kinder Schwarzacher Hof bei Aglasterhausen in Nordbaden aufgenommen. Robert Wilckens, der Leiter dieser kirchlichen Anstalt, hat ebenfalls familiäre Verbindungen nach Allmannsweier. Ihre Behandlung dort zeigt erste Erfolge.
Mitte September 1940 werden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion 167 Bewohnerinnen und Bewohner der Anstalt Schwarzacher Hof in drei Bustransporten in die Tötungsanstalt Grafeneck geschafft und dort bald darauf ermordet. Hier hat Hilda Binder noch das Glück, dass sie erst in der Anstalt ankam, als die Meldebögen, mit denen die zu tötenden Menschen bürokratisch identifiziert wurden, schon abgeschickt waren. So bleibt sie im Schwarzacher Hof.
Als dort in den nächsten Wochen immer mehr Todesnachrichten der Abtransportierten eingehen, erwächst der Verdacht, dass die Menschen systematisch ermordet wurden. Direktor Wilckens warnt daraufhin die Angehörigen seiner verbliebenen Pfleglinge, und viele werden von ihren Familien nach Hause geholt. Am 10. November holt auch die Familie Binder ihre Tochter nach Allmannsweier. Da sie aber in der Folge mit ihrer Pflege nicht zurechtkommt, entscheidet ihr Vater im Frühjahr 1941, dass sie zurückkehren muss. Am 7. März 1941 bringt ihre ältere Schwester Hanna sie wieder in die Anstalt Schwarzacher Hof.
Über das dortige Leben während der Kriegsjahre ist nur wenig bekannt. Am 10. Juli 1944 geht aber eine Räumungsverfügung des Innenministeriums bei Direktor Wilckens ein, da die Rüstungsfirma Goldfisch, ein Tochterunternehmen des Mercedes-Benz-Konzerns, die Anstalt zur Krankenversorgung seiner Arbeiter in einem neu eröffneten, unterirdischen Werk bei Obrigheim requiriert. Daraufhin sollen die im Schwarzacher Hof verbliebenen Kinder in andere Anstalten verlegt werden. Erneut verschickt Direktor Wilckens Warnschreiben an die Familien, doch diesmal holt die Familie Hilda Binder nicht ab.
Am 28. Juli 1944 werden die Kinder auf zwei Transporte verteilt, einen in die Anstalt Uchtspringe bei Stendal, einen zweiten – darunter Hilda Binder – in die hessische Landes-Heil- und Pflegeanstalt Eichberg bei Eltville. Der Transport geht jedoch nur bis Mainz, da an diesem Tag oft Fliegeralarm herrscht. Ein Wagen aus der Anstalt Eichberg holt die Kinder in Mainz ab. Erst zu diesem Zeitpunkt, durch das Auftreten des dortigen Personals, wird den Schwarzacher Begleiterinnen klar, was den Kindern bevorsteht.
Innerhalb eines Monats sind 19 der 21 Schwarzacher Kinder tot, ermordet vom Personal der Kinderfachabteilung der Anstalt Eichberg. Hilda Binder stirbt dort am 14. August 1944, einen Tag vor ihrem 17. Geburtstag.

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Quellen & Impressum

Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim

Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025