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Familie Weinberg

Biografie von Alfred Weinberg, Flora Weinberg und 3 weitere

Hier befindet sich das damalige Haus der Familie Weinberg. Das Ehepaar Alfred und Flora Weinberg (geborene Grünberg) zog hier 1920 ein. Alle drei Kinder wurden hier geboren: Dieter 1922, Friedel 1923 und Albrecht 1925.
Alfred Weinberg hatte das Haus von seinem Bruder Bernhard Weinberg übernommen, der es 1910 gebaut hatte. Alfred Weinberg betrieb hier einen Vieh-, Fell- und Schrotthandel. Bis zum Aufziehen der Nationalsozialisten hat die Familie hier ein geregeltes und geachtetes Leben geführt.
Ab 1933 bekam sie jedoch die volle Härte der neuen Machthaber zu spüren. Es wurde gehetzt und zum Boykott des Geschäftes aufgerufen.
1936 musste Alfred Weinberg das Haus weit unter Wert verkaufen. Die Familie zog nach Leer. Ein Grund dafür war, dass die Weinberg-Kinder die Schule in Rhauderfehn nicht mehr besuchen durften. Die nächstgelegene jüdische Schule war in Leer, wo Friedel und Albrecht bis 1939 unterrichtet wurden. Als der Pogrom gegen die Juden 1938 geschah, da gab es in Rhauderfehn keine Juden mehr. Sie waren durch Drangsalierungen aus dem Ort vertrieben worden. Die Familie Weinberg zog nach Leer, die Familien Gumpertz und Cohen nach Holland.
Der 9. November 1938 war für die Familie Weinberg ein einschneidendes Ereignis. Die Familie wurde auseinandergerissen. Alfred Weinberg kam erst im Februar 1939 aus dem KZ Sachsenhausen nach Leer zurück. Dieter musste noch im Dezember 1938 in eine Gartenbauschule nach Ahlem und Friedel und Albrecht kamen im Sommer 1939 auf ein schlesisches Landgut nach Groß Breesen. Dort vermittelte die Hachschara-Bewegung jüdischen Jugendlichen die Grundkenntnisse der Landwirtschaft für die spätere Alija nach Palästina. Doch als die Auswanderung dorthin erfolgen sollte, war es den Juden schon untersagt, Deutschland zu verlassen. Die Geschwister mussten später in einem Lager bei Berlin in Fürstenwalde arbeiten.
Die Eltern blieben noch bis Februar 1940 in Leer und verließen als eine der letzten jüdischen Familien Ostfriesland in Richtung Berlin. Sie lebten dort mit anderen Familien in Berlin-Moabit in einem sogenannten Judenhaus.
Dieter Weinberg, der später auch nach Berlin gelangte, war im Februar 1943 das erste Familienmitglied, das nach Auschwitz deportiert wurde. Bei der sogenannten Fabrikaktion wurde er direkt von der Arbeit abtransportiert. Eine Gelegenheit, sich von den Eltern zu verabschieden, hatte er nicht mehr. Im April 1943 wurden auch Friedel und Albrecht mit einem sogenannten Osttransport ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Albrecht musste zwei Jahre im KZ Buna/ Monowitz arbeiten, er überlebte drei Todesmärsche und gelangte im Februar 1945 ins KZ Mittelbau-Dora. Im April 1945 wurde er in Bergen-Belsen befreit.
Auch seine Geschwister konnten das Martyrium überleben.

Dieter Weinberg starb 1947 – also unmittelbar nach Kriegsende im Breinermoorer Hammrich bei einem Unfall. Friedel und Albrecht Weinberg – sie waren damals Anfang 20 – wanderten nach Amerika aus und fassten in New York Fuß.
Die Eltern Alfred und Flora Weinberg kamen im März 1943 zunächst nach Theresienstadt. Im Oktober 1944 wurden sie nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft umgebracht wurden.

Friedel Weinberg erlitt 2011 in Florida, wo die Geschwister Weinberg eigentlich nach langen Jahren in New York ihren Ruhestand genießen wollten, einen Schlaganfall. Da Albrecht zu diesem Zeitpunkt aufgrund seines sehr schlechten Sehvermögens auf Hilfe angewiesen war und diese aus Leer angeboten wurde, kehrten die Geschwister nach Deutschland zurück und zogen zunächst nach Leer in ein Altenheim. Dort verstarb Friedel im Mai 2012.
Albrecht berichtet seitdem als Zeitzeuge unermüdlich aus seinem Leben. Mittlerweile ist er Ehrenbürger von Rhauderfehn, der Stadt Leer und Nordhausen im Harz sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Im März 2025 feierte er seinen 100. Geburtstag.

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Quellen & Impressum

Albrecht-Weinberg-Gymnasium Rhauderfehn

Die Ausarbeitungen zu den Stolpersteinen in Rhauderfehn sind im Zuge der Teilnahme des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums Rhauderfehn am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2024/ 25 entstanden.

Fotos: Privat
Texte: Bernd-Volker Brahms
Vertonung: Lia Meyer, Lilli Hofmayer, Marie Starke mit Björn Andresen
Website: Jan Steenblock
Idee, Layout und Umsetzung: Ben Rauskam, Bente Bolewski, Erik Schüffler mit Anke Chudzinski-Schubert und Lilli Würdemann

Wir danken der Gemeinde Rhauderfehn für Ihre Unterstützung!