Biografie von Frieda Glaser
Frieda Glaser - Antonienstr. 16
Frieda Glaser (geb. Adler) kam am 23.05.1900 in Shanghai zur Welt. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter, schickte sie ihr Vater mit acht Jahren zurück nach Leipzig, wo sie bei ihrer Großmutter in der Alexanderstr. 10 aufwuchs. Seit ihren Jugendjahren kannte sie ihren späteren Ehemann Max Glaser, der 1897 in Grimma geboren wurde und mit seinen Eltern in der Nachbarschaft wohnte.
Frieda und Max Glaser heirateten am 13.05.1922. Spätestens seit 1930 wohnten sie in der Antonienstr. 16. Als 1933 die Nazis die Macht übertragen bekommen hatten, bekam Friedas jüdische Herkunft plötzlich existentielle Bedeutung. Spätestens durch die Nürnberger Rassegesetze 1935 wurden die Glasers aus dem sozialen Leben ausgegrenzt. Dafür bedurfte es nicht unbedingt des Einsatzes der Staatsgewalt. Max Glaser schreibt 1957 in einem Lebensbericht: "Es gab Leute die in den Läden auf uns, speziell aber auf meine Frau hinwiesen, dass sie Jüdin sei. Der Kriminalbeamte Sander, der gleich um die Ecke wohnte, hat einmal bei der Polizei angezeigt, dass wir mal ausnahmsweise einen Teppich am Nachmittag geklopft haben und dann hat er zu verschiedenen gesagt, dass sie mit dem Judenschwein nicht sprechen dürften."*
Die Novemberpogrome 1938 war für viele jüdischen Menschen der Auslöser, eine Flucht aus Deutschland zu organisieren. Auch Frieda und Max Glaser besorgten sich die nötigen Papiere. Ihr Ziel war die USA. Nachdem Deutschland jedoch 1939 mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg begann, war eine Ausreise nicht mehr möglich. Die Glasers blieben in Leipzig.
Im Januar 1942 erhielt Frieda Glaser eine Vorladung der Polizei. Laut Aussagen von Max Glaser war diese Vorladung wahrscheinlich auf eine Denunziation des bereits erwähnten Kriminalbeamten Sanders zurückzuführen. Ihr wurde vorgeworfen, sie würde sich weigern den Zusatznamen "Sara" anzunehmen und in ihre Ausweisdokumente eintragen zu lassen. "Sara" bzw. "Israel" dienten seit Januar 1939 der Stigmatisierung der jüdischen Menschen.
Nachdem seine Frau nicht wieder nach Hause kam, erkundigte sich Max Glaser in der Wächterstraße: "Am nächsten morgen bin ich gleich wieder hin […] dort erklärte man mir […] es würde lediglich eine Kennkarte ausgestellt in der Wächterstraße. Ich bin dann tatsächlich dort oben im vierten Stock gewesen und wollte darum bitten, dass das möglichst noch heute erledigt wird, weil ich tatsächlich der Meinung war, die Freundlichkeit der Herren von der Gestapo sei echt gewesen. Kurze Zeit später, als ich immer wieder vorsprach (auch in der Karl-Heine-Straße und zuletzt in der Auenstrasse) Lernte ich die andere Seite kennen, denn dann kamen die Drohungen, wenn ich nicht bald Ruhe liesse, dann würde man mich einsperren. […] Dann aber könnte ich gar nichts mehr für meine Frau tun […]"*
Max Glaser sollte seine Frau nie wiedersehen. Sie wurde am 28.3.1942 in das KZ Ravensbrück verschleppt. Am 10.10.1942 wurde Frieda Glaser (42 Jahre) in Auschwitz ermordet. Wann sie dahin deportiert wurde ist nicht bekannt.
*Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, 20237 Bezirkstag, Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 13195
Recherchen: Manuel Wagner (Zschocher-History, Lixer e.V.)
Ausführliche Infos unter: https://zschocher-history.de/frieda-max-glaser/
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