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Schüftan, Lilli und Rudi

Biografie von Rudi und Lilli Schüftan

Rudi Chaskel Schüftan und Lilli Schüftan, Parkplatz zw. Nr. 26 und 36 (ehem. Nr. 30)

Rudi Chaskel Schüftan wurde am 24.03.1906 in Breslau geboren. Laut Einwohnermeldekartei der Stadt Leipzig arbeitete er hier als Zahntechniker und wohnte u. a. in der Sidonienstr. 30, der heutigen Paul-Gruner-Straße. Am 04.05.1934 heiratete er seine erste Ehefrau Elfriede Martha, geboren in Breslau am 04.03.1902, beim Standesamt in Leipzig und lebte mit ihr zum Zeitpunkt der Volkszählung vom 17.05.1939 in der Meusdorfer Str. 32. Nach Erlass der Nürnberger Gesetze 1935 und der damit verbundenen Rassenverfolgung ließ sie sich von ihm scheiden und nahm wieder ihren Mädchennamen Kudell an.

Seit 17. August 1938 musste Rudi Chaskel, wie alle männlichen Juden, den zusätzlichen Vornamen Israel annehmen. Am 12.01.1940 wurde er in das „Judenhaus“ in der Alexanderstr. 46 zu Familie Freudenreich eingewiesen. Hier lernte er Lilly Levy kennen, die zum Zeitpunkt der Volkszählung noch bei der Familie Calmanowitz in der Gohliser Str. 15 wohnte. Lilly wurde am 23.03.1902 in Illingen geboren. So wie alle weiblichen Juden musste sie seit dem 17.08.1938 den zusätzlichen Namen Sara führen. Aus der Einwohnermeldekartei ist ersichtlich, dass sie seit dem 18.08.1940 in der Judenunterkunft in der Alexanderstraße 46 lebte, ebenfalls bei Familie Freudenreich. Sie arbeitete als Köchin, später musste sie Zwangsarbeit leisten.
Lilli und Rudi heirateten am 15.09.1941.

Im Prozess der „Judenreinmachung“ wurde die Anzahl der „Judenhäuser“ 1942 in Leipzig deutlich reduziert. Anfang 1940 gab es noch 40 „Judenhäuser“, ein Jahr darauf nur noch 10. Ihr Haus in der Alexanderstraße zählte ebenfalls zu den als „judenrein“ an Arier übergebenen Häusern und sie wurden in das „Judenhaus“ in der Keilstraße gedrängt. Dort sind sie seit dem 26.02.1942 gemeldet.

In der Akte 35 der Inventarisierung und Schätzung der Kofferinhalte der „Welle II“ findet sich eine Auflistung des beschlagnahmten Reisegepäcks von Lilly Schüftan, dass sie bei ihrer Deportation, zusammen mit dem Gepäck anderer deportierter Personen, in der 32. Volksschule zurücklassen musste. Die Inhalte wurden vom Versteigerungshaus Klemm geschätzt und versteigert. Lillis Kofferinhalt wurde von einer Familie Wadewitz ersteigert.

Die Namen des Ehepaares Schüftan erscheinen schließlich auf der Deportationsliste vom 10.05.1942, woraus hervorgeht, dass sie gemeinsam in das Getto nach Belzyce, mit der Transportnummer 331 für Lilly und 332 für Rudi, deportiert und dort ermordet wurden.

Patenschaft: Carl-Friedrich-Goerdeler-Oberschule

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