Biografie von Wilhelm Diesel
Wilhelm Diesel hatte keine erfüllte Biografie – im Gegenteil, es gelang ihm nicht ein geordnetes Leben zu führen. Seinen Lebensweg prägen häufige Wohnsitzwechsel, verbunden mit gescheiterten persönlichen Beziehungen und dem Abgleiten in sozial problematische Verhältnisse. Geboren am 8. Dezember 1905 in Ottweiler, verzog er mit seinen Eltern 1913 nach Saarbrücken, Bahnhofstraße 3, nahm 1920 vorübergehend Wohnung in Neunkirchen/Ottweiler, bevor er am 28. November 1921 nach Saarbrücken zurückkehrte.
1920 geriet er erstmals mit dem Gesetz in Konflikt, 1922 zum zweiten Male. Nach erneuter Straffälligkeit 1923 und Verurteilung kam er in das Gefängnis Lerchesflur; der Strafvollzug wurde am 3. Januar 1924 zwecks Überführung in eine Erziehungsanstalt unterbrochen. Die Homburger Fürsorgeerziehungsanstalt veranlasste wahrscheinlich den Besuch der Handwerker-Bildungsanstalt Gemünd ab dem 26. Januar 1924.
Am 20. Mai 1925 bezog Wilhelm Diesel abermals Wohnung bei seinen Eltern in Saarbrücken, Bahnhofstraße 3 und heiratete am 30. Oktober 1926 in Dudweiler Maria Felzen, aus dieser Ehe sollte ein Sohn hervorgehen. Trotz der Familiengründung scheint das Leben Wilhelm Diesels nicht in geordneten Bahnen verlaufen zu sein, worauf mehrfache Wohnortwechsel hindeuten. Er hielt sich auch in Paris und Forbach auf, 1934 lebte er in der Schloßstraße 20. Das Gebäude steht heute nicht mehr.
Diesel war durch mehrfachen Diebstahl immer wieder auffällig geworden.
1940 geriet er in den NS-Vernichtungsapparat. Er wurde in Saarbrücken in Vorbeugehaft genommen und am 24. Dezember 1940 einem Transport ins KZ Dachau zugewiesen. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 24703 und wurde der Kategorie „PSV“ zugeordnet. Diese Zuordnung stufte Wilhelm Diesel in die Gruppe für „Sicherungsverwahrte“ ein; darunter fielen Gefängnisinsassen, die als „Berufsverbrecher“ galten. Aus den Unterlagen der Gedenkstätte Dachau geht hervor: Wilhelm Diesel erreichte das KZ Dachau am 10. Januar 1941. Seine Überführung in das KZ Neuengamme erfolgte am 23. Januar 1941, von wo er am 29. April 1941 rücküberführt wurde. Laut eines Operationsbuches, das dem Archiv der KZ Gedenkstätte Dachau vorliegt, wurde Diesel am 19. Juli 1941 wegen einer Knieschleimbeutelentzündung operiert. Am 16. Januar 1942 kam Diesel mit einem Invalidentransport in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim, wo er laut Sterbeurkunde am 9. Februar 1942 an Herz- und Kreislaufschwäche in Verbindung mit Lungenentzündung verstorben sein soll. Diesel wurde aber Opfer der sogenannten Aktion 14f13, sie steht für die von NS-Verbrechern vorgenommene Selektion, „alte“, „kranke“ und „nicht mehr arbeitsfähige“ Menschen zu töten, auch „Sonderbehandlung 14f13“ genannt. Sie war Teil der Invaliden und Häftlings-Euthanasie.
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