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Hauptstraße 48

Biografie von Bernhard Deutsch, Isidor Wolf und Georgine Wolf

Bernhard Deutsch, geb. 05.03.1856 in Nieder-Olm. Er war der Sohn der Eheleute Joseph und Henriette Deutsch geb. Kaufmann. Er heiratete in Nieder-Olm Emilie Kaufmann. Von Beruf war er Kaufmann und handelte mit Lederwaren.

Nach den Meldeunterlagen hat er sich am 14.06.1937, gemeinsam mit Tochter Georgine und Schwiegersohn Isidor nach Frankfurt/M in die Liebig-Straße 50 abgemeldet. Aufgrund der politischen Entwicklungen ist davon auszugehen, dass es sich um eine Zwangsumsiedlung handelte. Bernhard Deutsch verstarb dort im Alter von 83 Jahren und wurde am 25.07.1939 auf dem jüdischen Friedhof in Frankfurt beigesetzt.

Isidor Wolf, geb. 03.03.1880 in Guntersblum. Er war der Sohn der Eheleute Herrmann und Betty Wolf, geb. Fuchs. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung arbeitete er in der Firma seines Vaters, der seit 1892 einen Vieh- und Lederhandel betrieb. Im Jahr 1908 übernahm Isidor Wolf diese Firma und war zusätzlich als Weinkommissionär tätig.

Georgine Wolf, geb. Deutsch, geb. 30.05.1885 in Nieder-Olm. Sie war die Tochter von Bernhard Deutsch und seiner Ehefrau Emilie, geb. Kaufmann. Im Jahr 1908 heirateten Isidor Wolf und Georgine Deutsch und wohnten zusammen mit Bernhard Deutsch in Guntersblum, Hauptstraße 48. Am 18.12.1909 wurde dort der gemeinsame Sohn Heinz geboren.

Einem Artikel der Landskrone vom 09.03.1933 ist zu entnehmen, dass bei Isidor Wolf, dessen Sohn Heinz, in der Eisenwarenhandlung Hermann Grünewald und bei dem „Kommunisten“ Otto Schätzel eine Hausdurchsuchung vorgenommen wurde. Isidor Wolf und Hermann Grünewald verblieben, nach eingehender Vernehmung, für eine Nacht in „Schutzhaft“.

Nach den Meldeunterlagen hat sich Isidor Wolf und seine Ehefrau Georgine sowie Sohn Heinz zusammen mit Bernhard Deutsch am 14.06.1937 nach Frankfurt/M in die Liebig-Straße 50 abgemeldet.

Seine Firma wurde am 03.03.1938 unter politischem Druck aus dem Handelsregister beim Amtsgericht in Oppenheim gelöscht. Aufgrund der politischen Entwicklung verkauften die Eheleute Wolf ihr Haus im Jahr 1938 an Friedrich Zuleeg und dessen Ehefrau.

Isidor Wolf wurde am 20.10.1941 gemeinsam mit seiner Ehefrau Georgine sowie weiteren 1078 Personen von Frankfurt/M in das Ghetto Lodz deportiert und dort ermordet.

Sohn Heinz Wolf erhielt in Frankfurt/M ein US-Visum und es gelang ihm die Flucht nach New York. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück, er wohnte in der Bockenheimer Str. in Frankfurt/M. Ein Antrag auf Reaktivierung der Firma seines Vaters wurde im Jahr 1957 abschlägig beschieden. Begründung: sein Vater hätte die Löschung der Firma aus dem Handelsregister im Jahr 1938 selbst und formal korrekt veranlasst! Heinz (Henry) Wolf verstarb im Jahr 1996 im Alter von 87 Jahren in Frankfurt.

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