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Dr. Fritz Siegfried Marcus

Biografie von Dr. Fritz Siegfried Marcus und Erika Marcus geb. Laves

Dr. Fritz Siegfried Marcus, geb. am 31. August 1889 in Südthüringen, verbrachte den Großteil seines Lebens in Suhl. Seine Eltern waren Juden und erzogen ihn auch in diesem Glauben. Als Mann mittleren Alters und mit ärztlicher Ausbildung musste und wollte Dr. Marcus Deutschland im Ersten Weltkrieg unterstützen, kämpfte an vorderster Front und half dabei auch vielen Soldaten mit seinem Wissen und Können. Er selbst überlebte den Krieg schwer verwundet und galt nach dem Krieg als 100 Prozent schwer beschädigt. Er erlitt Einschüsse in Beine und die Unterleibsgegend. So konnte er als Zahnarzt weiter arbeiten. Wahrscheinlich noch vor dem Ersten Weltkrieg lernte er seine spätere Frau Erika, geb. Laves kennen. Ihr zuliebe wechselte Dr. Marcus zum evangelischen Glauben, vergaß aber nie seine jüdischen Wurzeln. Seine Zahnarztpraxis betrieb er in der Bahnhofstraße 17a, dem Haus, das heute noch unter derselben Adresse existiert.

Die Praxisräume befanden sich im Untergeschoss und seine Wohnung in den oberen Stockwerken. Viele Suhler kamen über Jahre gerne zu ihm. Bis 1933 hatte Dr. Marcus keine Probleme mit seinen Mitbürgern und Kollegen, er war sehr angesehen. Doch nach der Machtübernahme Hitlers gab es vor allem unter den NSDAP Mitgliedern in der Zahnärzteschaft erste Neider, auf Grund der gut laufenden Praxis des Doktors. Gerüchte kamen auf, häuften sich bis 1936 und wurden immer schlimmer. Der Ruf seiner Praxis wurde dadurch schwer geschädigt und immer weniger Patienten suchten ihn auf. Der Ehrenrat der Thüringer Zahnärzteschaft sprach Dr. Marcus von all den Anschuldigungen und Gerüchten zwar frei, dennoch kamen die Patienten nicht wieder. Auf Dauer bedeutete das den wirtschaftlichen Ruin der Praxis. Bis auf den Patientenschwund gab es mit den Suhler Bürgern keine Probleme, doch in der Pogromnacht vom 9. 11. zum 10. 11. 1938 rüttelte und schlug es an der Haustür. SA-Männer brüllten immer wieder: „Sofort aufmachen“ und „Schutzhaft“. Nachdem sie in das Haus eingedrungen waren, stürmten sie in das obere Geschoss und holten Dr. Marcus aus seiner Wohnung. Trotz des Wissens um seine schweren Kriegsverletzungen stießen die SAMänner ihn die Treppen hinunter und prügelten ihn im Laufschritt ins Gefängnis. Von dort aus wurde er mit mehreren anderen Gefangenen per LKW nach Buchenwald gebracht und dort inhaftiert. Auf Grund der Bemühungen seiner Frau Erika kam es am 12. 12. 1938 zu einem Entlassungsgespräch, bei dem er in den Raum gestoßen wurde und trotz großer Schmerzen nicht sitzen durfte. Die nationalsozialistischen Schergen sagten ihm, dass trotz seiner Dienste im Ersten Weltkrieg Deutschland nicht sein Vaterland sei, und er nur entlassen werden würde, wenn er Suhl sofort verließe.

Dr. Marcus willigte ein und wurde frei gelassen. Er nahm jedoch seine Tätigkeit als Zahnarzt wieder auf und verließ Suhl nicht. Doch seit dem 17. 1. 1939 durften Juden keine Heilberufe mehr ausüben. Da Dr. Marcus sich jedoch als nicht betroffen sah, arbeitete er weiter. Im Februar wurde er erneut verhaftet und wieder kam die Forderung an ihn, Deutschland zu verlassen. Jetzt drohte die Gestapo mit Gewahrsam und Deportation, falls er seinen Besitz nicht verkaufen und ausreisen würde.Noch während er im Gefängnis saß, regelte seine Frau große Teile des Verkaufs und organisierte die Ausreise. Die Praxiseinrichtung ging zum größten Teil an die NSDAPMitglieder der Zahnärzteschaft. Sein Haus konnte an einen befreundeten Fleischer verkauft werden. Mitte 1939 emigrierte die Familie Marcus nach Bussum, einer kleinen Stadt in den Niederlanden. Dort überstand sie den Zweiten Weltkrieg. 1946 stellte Dr. Marcus in Suhl den Antrag auf Rückerstattung aller zwangsverkauften Besitztümer, was sofort genehmigt wurde. Nach Suhl kehrte Dr. Marcus trotz eines Antrages auf Wiederaufnahme nicht zurück und verbrachte seinen Lebensabend bis in die 50er Jahre wohl in Bussum.

Quelle: "Kleine Suhler Reihe" (25) - Jüdisches Leben in Suhl, S. 19-20

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