Biografie von Luise Mehmke
Löwenstraße 102
Luise Mehmke wurde in Darmstadt geboren. Dort war ihr Vater Rudolf Mehmke (1857 – 1944) an der Technischen Hochschule Professor für Mathematik. Ihre Mutter, Louise (1857 – 1914), hatte 1878 die Prüfung in Stuttgart für das höhere Lehramt absolviert.
Ihr Vater erhielt 1895 einen Ruf zurück an die Technische Hochschule Stuttgart, an der er studiert hatte und wo er von 1881 bis 1884 als Assistent und Dozent tätig gewesen war.
Luise wurde in Darmstadt eingeschult. In Stuttgart besucht sie möglicherweise das Königliche-Katharinen- oder das Königin-Olga-Stift. Die Familie wohnte damals zunächst in der Immenhoferstraße 4, ab 1901 in der Weißenburgstraße 29 und zog 1906 in die neu gebaute Villa in der Löwenstraße 102 nach Degerloch um.
1906/07 absolvierte sie das höhere Lehrerinnenseminar am Königin-Katharina-Stift mit gutem Ergebnis. Sie unterrichtete aber nur kurze Zeit.
1912 begann ihre Odyssee durch die psychiatrischen Heilanstalten.
Die Diagnosen schwanken über die Jahre zwischen „Schizophrenie“ und „manisch-depressiver Seelenstörung“. Anlass für die Einweisung am 3. April 1912 in die Heilanstalt Kennenburg war eine ausgesprochen manische Phase.
Aus Kennenburg ist eine umfangreiche Akte erhalten , aus der man viel erfährt. Der Vater hatte eine hohe Meinung von ihren Fähigkeiten und bisherigen Leistungen, aber wenig Verständnis für ihre „Verschrobenheiten und Anwandlungen von Größenwahn“. Er erkundigte sich aber ausgiebig, wie er sich verhalten müsse, um die Heilung zu fördern. Die Mutter war schon länger psychisch angeschlagen. Selbst die Tochter stellte fest: Ich [habe] mich ja schon früher mit der Tatsache ihrer kranken Nerven abgefunden.“ Die Krankheit ihrer Tochter überstieg die Belastbarkeit der Mutter, am 19. Mai wurde sie in das Bürgerhospital eingewiesen. Ihr Ehemann sorgte dafür, dass sie im Juli 1912 nach Weinsberg verlegt wurde, wo sie 1914 verstarb.
Luise wurde im November 1912 nach Hause entlassen. Dauerhaft geheilt war sie allerdings nicht. Es folgten mehrere weitere Klinikaufenthalte, zu denen keine Krankenakten mehr vorhanden sind. Zunächst war sie vom Herbst 1914 bis zum Frühjahr 1915 in Göppingen, es folgten mehrere Aufenthalte in Weinsberg: Sommer 1915 bis Herbst 1915, Winter 1915 bis Winter 1917 und schließlich vom Januar 1918 bis zu ihrer Ermordung in Grafeneck am 4.6.1940. Das Standesamt Grafeneck meldete den Tod an den Geburtsort Darmstadt. Als Todesursuche wurde „Lungenentzündung“ und „Kreislaufschwäche“ angegeben. Mit dem 19.6.1940 wurde auch ein falsches Todesdatum angegeben.
Die Familie hatte zwar geahnt, dass die Angaben zur Todesursache falsch waren, aber erst 1943 „endgültig sicheres“ erfahren, berichtete ihr Bruder Rudolf Ludwig (1889 – 1978) 1950. Woher die sicheren Informationen kamen, ist allerdings nicht bekannt.
Verlegung der Stolpersteine: 09. Juli 2020
Text und Recherche: Dr. Bertram Maurer
Quellen:
Staatsarchiv Ludwigsburg PL 423 Bü 331 , PL 234 Bü 1579
Mitteilung des Standesamts Darmstadt an das Standesamt Isny vom 8.11.1940.
Stadtarchiv Isny
Staatsarchiv Sigmaringen Wü 13 T 2 Nr. 1132/005
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