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Rosgartenstr. 12

Biografie von Elise Halpern - geb. Seckels, Sally Halpern, Werner Halpern und Melanie Halpern

Elise Halpern geb. Seckels (*12. November 1892, Tochter von Seckel Seckels und Sophie Seckels, geborene Isenburger) war gelernte Schneiderin. In Aurich lernte sie ihren zukünftigen Ehemann, Sally Halpern kennen und heiratete ihn dort am 16. Mai 1923.

Nach der Heirat zog die junge Familie nach Nördlingen. Kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes Werner am 4. April 1924 zog Sally Halpern 1924 mit seiner Familie nach Konstanz, wo er bei der jüdischen Gemeinde als Hilfskantor und Schächter (Schochet) Anstellung fand.

Tochter Melanie wurde am 11. April 1929 in der damaligen Wohnung auf der Marktstätte 12 geboren. Die größer gewordene Familie zog zunächst in die Brauneggerstraße 39 und im Frühjahr 1933 in das Hinterhaus der Rosgartenstraße 12.

Mit Zunahme der Auswanderung wohlhabender jüdischer Familien aus Konstanz, schmälerte sich das ohnehin bescheidene Einkommen der Familie Halpern. Ohne Verwandte im Ausland und die notwendigen finanziellen Mittel war eine Auswanderung nicht zu realisieren.

Im Februar 1939 gelang es den Eltern, einen Platz in einem Schweizer Kindertransport für ihre damals 9‑jährige Tochter Melanie zu bekommen. Melanie Halpern verabschiedete sich am 17. Februar 1939 von ihren Eltern – es wurde ein Abschied für immer.

Nach den Erlebnissen in Dachau bemühte sich das Ehepaar Halpern noch intensiver um eine Möglich-keit, Deutschland zu verlassen. Es gelang ihnen jedoch nicht, ein Visum für ein Gastland zu erhalten. Bereits am 12. April 1938 hatte Sally Halpern im Amerikanischen Konsulat in Stuttgart ein Visum beantragt. Sein Antrag lief jedoch unter der ungünstigen polnischen Quote. Im Juni 1939 flüchtete Elise Halpern mit ihrem Mann schließlich nach Belgien. Dorthin waren bereits Sally Halperns Bruder Leo und auch Verwandte von Elise geflüchtet, mit denen sie in Kontakt standen.

Bei der Ankunft in Belgien füllten sie einen Antrag als politische Flüchtlinge aus, dieser Antrag wurde jedoch abgewiesen. Die Ausweisung wurde dann aber aufgrund des Kriegsausbruches ausgesetzt.

Als die Deutschen im Mai 1940 in Belgien ein­marschierten, wurden am 10. Mai 1940 zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Deutschland in Belgien festgenommen und nach Frankreich abgeschoben. Dort wurden die Flüchtlinge in den südfranzösischen Lagern interniert. Sally und sein Bruder Leo wurden in den Lagern Gurs und St. Cyprien interniert. In Gurs trafen sie die inzwischen aus Konstanz deportierten Juden. Viele Monate vergingen, bis es Leo und Sally im September 1941 gelang, aus dem Lager zu fliehen und sich wieder nordwärts zu ihren Frauen nach Belgien durchzuschlagen.

Nachdem sich auch in Belgien die Situation für die jüdische Bevölkerung deutlich verschlechtert hatte, mussten Sally und Elise Halpern, die ab Juni 1942 gezwungen worden waren, den Judenstern zu tragen, Ende 1942 für einige Monate in Belgien untertauchen. Am 24. August 1943 wurden beide jedoch aufgegriffen und in die Kaserne Dossin im belgischen Malines/Mechelen gebracht. Diese Kaserne diente vor allem als Durchgangslager für die Deportation der in Belgien lebenden Juden. Mit dem Transport XXIIA vom 20. September 1943 wurde das Ehepaar Halpern zusammen mit Leo Halpern nach Auschwitz deportiert. Es ist davon auszugehen, dass das Ehepaar Sally und Elise Halpern, wie auch Sallys Bruder Leo noch am Ankunftstag, dem 22. September 1943 in Auschwitz ermordet wurden.

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Sally (Shalom) Halpern wurde am 19. Oktober 1893 in Grodno als Sohn des jüdischen Kantors Avraham Halpern (* 2. Januar 1872) und von Johanna Halpern (geb. Katz * 25. Januar 1867) geboren.

Grodno gehört heute zu Weißrussland und war damals unter russischer Herrschaft, die Mehrheit der Einwoh­ner waren aber Polen. Fast die Hälfte der Bevölkerung gehörte dem jüdischen Glauben an. Während des 1. Weltkrieges gab es dort erbitterte Kämpfe zwischen Russen und Deutschen und die Bevölkerung litt unter Armut und Hunger. In dieser Zeit erlebte Sally mit seiner Familie dort auch die Grauen von Angriffen der Kosaken, die besonders brutal gegen die jüdischen Einwohner vorgingen. So wurde seine Zwillings­schwester bei einem Kosakenangriff ermordet.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges geriet Sally – irrtümlich für einen polnischen Deserteur gehalten - in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er überlebte schwer krank. Sein Bruder Leo, der bereits in Deutsch­land lebte und arbeitete, überzeugte Sally, in Deutschland den Beruf des Kantors und des Schächters zu erlernen und auszuüben. So folgte er seinem Bruder nach Aurich, wo er seine zukünftige Frau Elise Seckels kennenlernte und am 16. Mai 1923 heiratete. Nach der Heirat zog die junge Familie nach Nördlingen. Kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes Werner am 4. April 1924 zog Sally Halpern 1924 mit seiner Familie nach Konstanz, wo er bei der jüdischen Gemeinde als Hilfskantor und Schächter (Schochet) Anstellung fand. Tochter Melanie wurde am 11. April 1929 in der damaligen Wohnung auf der Marktstätte 12 geboren. Die größer gewordene Familie zog zunächst in die Brauneggerstraße 39 und im Frühjahr 1933 in das Hinterhaus der Rosgarten­straße 12.

Mittlerweile war das rituelle Schlachten verboten worden, so konnte Sally Halpern nur durch das heimliche Schlachten von Vögeln die Fleisch­versor­gung der jüdischen Bevölkerung verbessern. Mit Zunahme der Auswanderung wohlhabender jüdischer Familien aus Konstanz schmälerte sich das ohnehin bescheidene Einkommen der Familie Halpern. Ohne Verwandte im Ausland und die notwendigen finan­ziellen Mittel war eine Auswanderung nicht zu realisieren. Im Frühjahr 1938 gelang es der Familie schließlich, Werner mit einem Kindertransport in die USA zu schicken. Sally konnte seinen Sohn im April 1938 noch bis Hamburg begleiten.

Nach der Reichspogromnacht, bei der am 10. November 1938 auch die Konstanzer Synagoge nach einer Sprengung komplett zerstört wurde, wurde Sally Halpern zusammen mit vielen jüdischen Mitbürgern verhaftet und am 11. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Am 23. Dezember 1938 kehrte er nach Konstanz zurück, ohne über das Erlebte sprechen zu dürfen.

Nach den Erlebnissen in Dachau bemühte sich Sally Halpern noch intensiver um eine Möglichkeit, Deutsch­­land zu verlassen. Es gelang ihm jedoch nicht, ein Visum für ein Gastland zu erhalten. Bereits am 12. April 1938 hatte er im Amerikanischen Konsulat in Stuttgart ein Visum beantragt. Sein Antrag lief jedoch unter der ungünstigen polnischen Quote. Im Juni 1939 flüchtete er schließlich mit seiner Frau nach Belgien. Dorthin war bereits sein Bruder Leo und auch Verwandte seiner Frau Elise geflüchtet, mit denen sie in Kontakt standen.

Bei der Ankunft in Belgien füllten sie einen Antrag als politische Flüchtlinge aus, dieser Antrag wurde jedoch abgewiesen. Die Ausweisung wurde jedoch aufgrund des Kriegsausbruchs ausgesetzt. Als die Deutschen im Mai 1940 in Belgien einmarschierten, wurden am 10. Mai 1940 zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Deutschland in Belgien festge­nommen und nach Frankreich abgeschoben. Dort wurden die Flüchtlinge in den südfranzösischen Lagern inter­niert.

Sally und sein Bruder Leo wurden ab Mai 1940 zunächst ins "Camp de Concentration de Saint Cyprien" deportiert. Anfang November kamen sie nach Gurs. In Gurs trafen sie die inzwischen aus Konstanz deportierten Juden. Viele Monate vergin­gen, bis es Leo und Sally im September 1941 gelang, aus dem Lager zu fliehen und sich wieder nordwärts zu ihren Frauen nach Belgien durchzuschlagen. Nachdem sich auch in Belgien die Situation für die jüdische Bevölkerung deutlich verschlechtert hatte, mussten Sally und Elise Halpern, die ab Juni 1942 gezwungen worden waren, den Judenstern zu tragen, Ende 1942 für einige Monate in Belgien untertauchen.

Am 24. August 1943 wurden beide jedoch aufgegrif­fen und in die Kaserne Dossin im belgischen Malines/Mechelen gebracht. Diese Kaserne diente vor allem als Durchgangslager für die Deportation der in Belgien lebenden Juden. Mit dem Transport XXIIA vom 20. September 1943 wurde das Ehepaar Halpern zusammen mit Leo Halpern nach Auschwitz deportiert. Es ist davon auszugehen, dass das Ehepaar Sally und Elise Halpern, wie auch Sallys Bruder Leo noch am Ankunftstag, dem 22. September 1943 in Auschwitz ermordet wurden.
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Tochter von Sally Halpern und Elise Halpern, Bruder: Werner Halpern

Melanie (Betha) Halpern wurde am 11. April 1929 in Konstanz, Marktstätte 12, als Tochter von Sally und Elise Halpern geboren.

Die größer gewordene Familie zog zunächst in die Brauneggerstraße 39 und im Frühjahr 1933 in das Hinterhaus der Rosgartenstraße 12.

Im Frühjahr 1938 gelang es der Familie schließlich, Melanies Bruder Werner mit einem Kindertransport in die USA zu schicken. Sally konnte seinen Sohn im April 1938 noch bis Hamburg begleiten.

Im Februar 1939 gelang es den Eltern einen Platz in einem Schweizer Kindertransport für ihre damals 9 jährige Tochter Melanie zu bekommen. Melanie Halpern verabschiedete sich am 17. Februar 1939 von ihren Eltern – es wurde ein Abschied für immer. Gemeinsam mit weiteren jüdischen Kindern aus Konstanz durfte sie mit dem Zug nach Luzern reisen, wo sie zunächst bei einer Pflegefamilie Erlanger unterkam, im Laufe der Kriegsjahre später aber auch in verschiedenen Kinderheimen untergebracht wurde.

Melanies Bruder Werner Halpern, der in die USA geflohen war, gelang es nach nach Kriegsende, seine Schwester in einem Kinderheim in Heiden ausfindig zu machen, wo sie inzwischen arbeitete. Er konnte ein Visum für sie organisieren, aber es dauerte noch bis November 1946, ehe Melanie, inzwischen 17jährig, in New York eintraf.

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Werner Halpern wurde am 4. April 1924 als Sohn von Sally und Elise Halpern in Nördlingen geboren.

Noch im selben Jahr zogen seine Eltern mit ihm nach Konstanz. Seine Schwester Melanie wurde am 11. April 1929 in der damaligen Wohnung auf der Markt­stätte 12 geboren. Die größer gewordene Familie zog zunächst in die Brauneggerstraße 39 und im Frühjahr 1933 in das Hinterhaus der Rosgartenstraße 12.

Bereits kurz nach der Machtergreifung nahm Werner als Schuljunge die Nazis als sehr bedrohlich wahr, er berichtete später von zahlreichen Angriffen durch Hitlerjungen. Im April 1937 erlebt er seine Bar Mitzwa nicht wie üblich in der Synagoge, sondern im jüdischen Gemeindehaus in der Sigismundstraße. Die Konstanzer Synagoge war nach einem ersten Brandanschlag am 1. November 1936 im Innenraum schwer beschädigt worden und konnte für einige Zeit nicht genutzt werden.

Aufgrund der immer schärfer werdenden Aus­gren­zung von Juden bemühten die Eltern sich um eine Auswanderung. Aber ohne Verwandte im Ausland und die notwendigen finanziellen Mittel war eine Auswanderung nicht zu realisieren.

Im Sommer 1937 konnte der 13jährige Werner einige Wochen auf einem Hof, auf dem jüdische Kinder für die Einwanderung in Palästina und das Leben in einem Kibbuz vorbereitet werden sollten, verbringen. Im Frühjahr 1938 gelang es der Familie schließlich, Werner mit einem Kindertransport in die USA zu schicken. Sein Vater konnte Werner im April 1938 noch bis Hamburg begleiten. Nach mehrwöchiger Überfahrt kam Werner am 5. Mai 1938 in New York an, wo ihn eine jüdische Pflege­familie aufnahm.

Seine Eltern wurden mit dem Transport XXIIA vom 20. September 1943 nach Auschwitz deportiert. Es ist davon auszugehen, dass das Ehepaar Sally und Elise Halpern, wie auch Sallys Bruder Leo noch am Ankunftstag, dem 22. September 1943 in Auschwitz ermordet wurden.

Werner Halpern trat nach Abschluss seiner Schul­aus­bildung in den Vereinigten Staaten 1943 in den Militärdienst ein und kam so als Soldat 1944 auch nach Frankreich und Deutschland. Nach Kriegsende gelang es ihm, seine Schwester in einem Kinderheim in Heiden ausfindig zu machen, wo sie inzwischen arbeitete. Er konnte ein Visum für sie organisieren, aber es dauerte noch bis November 1946, ehe Melanie, inzwischen 17jährig, in New York eintraf.

Werner Halpern wurde Arzt und spezialisierte sich auf dem Gebiet der Kinderpsychologie. 1963 - 1966 war er Direktor der "Rochester Child Guidance Clinic", 1967 - 1989 Direktor der Kinder- und Jugendlichen-Abteilung der "Rochester Mental Health Clinic" in Rochester, N.Y. Ausserdem war er von 1983 - 1996 Direktor des "Hillside Children's Center".

Ein Schwerpunkt war die Beschäftigung mit traumati­sierten Kindern, die die Shoah durch Flucht überlebt hatten. Neben hunderten von wissen­schaftlichen Publikationen veröffentlichte er auch einen Gedichtband „A Brand plucked from the Fire" („Ein Brandscheit, aus dem Feuer gerettet", nach Sacharja 4.2). Diese sehr autobiographischen Gedichte haben die jüdische Religion und seine eigenen Kindheitserlebnisse, aber auch den Holocaust zum Inhalt. Für seine Kinder und Enkel schrieb er seine Erinnerungen auf.

Werner Halpern starb am 22.03.1997 in Rochester, N.Y.

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