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Frieda und Paul Jonas

Biografie von Frieda und Paul Jonas

ehem. Bornaische Str. 4
Frieda und Paul Jonas

Im Juli 1933 trat das „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt war jede politische Betätigung außerhalb der Nazi-Partei NSDAP strafbar. Bereits nach der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten im Januar 1933 wurden die politischen Gegner verfolgt. Zu ihnen zählten auch Frieda und Paul Jonas.
Frieda Günther wurde am 31. Januar 1887 in Leipzig geboren, Paul Jonas am 19. August 1887 ebenfalls in Leipzig.
Nach Abschluss der Volksschule war Frieda als Hausangestellte beschäftigt. Paul arbeitete auf dem Bau und als Streckenarbeiter bei der Bahn. Am 12. Februar 1910 heiraten beide. Sie zogen vier Kinder groß. Paul Jonas arbeitete nun bei der „Leipziger Elektrischen Straßenbahn“ zunächst als Streckenarbeiter und später als Straßenbahnfahrer.
Paul Jonas war Mitglied der SPD (1919-1923), der USPD (1923-1926) und schloss sich ab 1928 der KPD an. Frieda Jonas war seit 1924 Mitglied der Kommunistischen Partei. Darüber hinaus engagierten sich beide in der Roten Hilfe, dem Arbeiter-Samariter-Bund sowie im Bund proletarischer Freidenker – einer der Sozialdemokratie nahestehenden Bewegung, die u.a. den Einfluss der Kirchen im Privaten und in der Öffentlichkeit (z.B. in Schulen) einschränken wollte. Weiterhin besuchte Paul Jonas kommunistische Kulturvereine (Musik und Sport).
Im April 1933 wurde Paul Jonas gekündigt und er blieb bis 1938 arbeitslos. Bereits vom 1.7. bis 18.7.1933 wurde er von den Nazis in sog. „Schutzhaft“ genommen. Ende 1934 kam es in Leipzig zu einer großangelegten Verhaftungswelle von Kommunisten. Paul Jonas wurde am 5.12.1934 verhaftet. Wegen Überfüllung der Leipziger Polizeigefängnisse kam er für zwei Monate zur „Verwahrungshaft“ in das KZ Sachsenburg. Dann überführte man ihn am 7.2.1935 zur weiteren Untersuchungshaft nach Leipzig.
In einem Sammelprozess gegen 51 Kommunisten wurde den Eheleuten durch das Sondergericht Freiberg vom 22. bis 24. Oktober 1935 der Prozess wegen „Fortführung der KPD“ gemacht, was gegen das eingangs erwähnte Gesetz verstieß. Die Beweislast lag darin, dass beide monatlich 30-50 Pfennige für die Rote Hilfe (Verbot seit April 1933) spendeten und für 10-15 Pfennige einige illegal ins Land gebrachte Schriften kauften. Daraus ergaben sich jeweils ca. 8 Mark in 1½ Jahren. Paul Jonas wurde zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Strafverschärfend war, dass die „Schutzhaft“ von 1933 „ohne Einfluss geblieben ist“*. Über Frieda Jonas urteilte man: „Mit Rücksicht auf Umfang und Dauer ihrer Beitragszahlungen hielt das Sondergericht für sie eine Gefängnisstrafe von einem Jahr für angemessen.“*
Paul Jonas wurde bis zum 10. April 1936 im Gefängnis (Klein-)Meusdorf inhaftiert. Frieda Jonas brachte man „unterernährt“, wie der Anstaltsarzt feststellte, am 11. Dezember 1935 nach Waldheim. Das Zuchthaus Waldheim unterhielt in dieser Zeit eine sog. „Sicherungsanstalt“, da durch die vielen Gefangenen, eine geschlechtergetrennte Inhaftierung in den vorhandenen Gefängnissen und Konzentrationslagern nicht mehr möglich war. Am 29. November 1936 wurde Frieda Jonas entlassen.
Die Eheleute blieben bis 1945 unter Polizeiaufsicht. Paul Jonas fand erst 1938 wieder eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter. Straßenbahnfahrer konnte er erst nach 1945 wieder sein.

* SStAL 20114 Landgericht Leipzig Nr. 8804

Patenschaft: Nadine Gärtner (Urenkelin), Louise-Otto-Peters-Schule

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