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Käthe LOEWENTHAL

Biografie von Käthe Loewenthal

Käthe Loewenthal
27. März 1989 Berlin – 26. April 1942 Izbica

Käthe Loewenthal stammte aus einer assimilierten und liberalen jüdischen Familie, die sich dennoch ihrer Herkunft sehr bewusst war.

Ihr Vater Wolff Wilhelm (1850 – 1894) war Professor der Medizin, mehrere Jahre Mitarbeiter von Robert Koch und Paul Ehrlich bei der Erforschung der Cholera, vielseitig kulturell interessiert - mit einem Lebensradius, der weit über das damalige Deutsche Kaiserreich hinaus ging. Ihre Mutter Clara (1854 – 1929 ?) stammte aus einer begüterten jüdischen Kaufmannsfamilie in Hamburg und war – den damaligen Rollenbildern entsprechend - auf den familiären Binnenraum bezogen. Sie heirateten 1877 und lebten mit ihren zwischen 1878 und 1886 geborenen Töchtern – je nach der beruflichen Situation von Wolff Wilhelm abwechselnd in Deutschland, Frankreich, Argentinien und der Schweiz. Vor der Heirat war Wolff Wilhelm einige Zeit auch Leibarzt des Großfürsten von Georgien. So kann man sagen, dass die Familie Loewenthal mit ihrem Lebensstil das repräsentierte, was die Nationalsozialisten den deutschen Juden so hasserfüllt vorwarfen: Internationalität, Liberalität, Wohlstand und eine Bildung, mit der sie die nur ihre eigene Wahrheit anerkennenden und gewalttätig durchsetzenden Nationalsozialisten weit hinter sich ließen.

Die Familie Loewenthal erscheint urkundlich zum ersten Mal in Danzig im Jahr 1817 im „Amtsblatt der königlichen Regierung zu Danzig, und zwar im Zusammenhang mit der amtlichen Zuordnung eines bürgerlichen Namens zu den jüdischen BewohnerInnen der 1814 wieder preußisch gewordenen Stadt. Wulff ben Salomon und seine Familie erhielten (oder wählten) für sich den Namen „Loewenthal“ und waren nun im Zuge der jüdischen Emanzipation berechtigt, ihren Wohnort selber zu wählen. So siedelten Mitglieder Familie in Schlesien, Berlin, der Türkei, Rumänien, Frankreich. So mag Wolff Wilhelms, „Wanderlust“ auch eine Wurzel in der Familientradition haben.

Von den 5 Schwestern (Käthe 1878 – 1942, Gertrud 1881 – 1897, Agnes 1882 – 1933, Hedwig 1883 – 1941? Susanne 1886 - 1975) hatten Käthe und Susanne die engste Beziehung. Sie hatten beide eine Ausbildung als Malerinnen absolviert, was zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Seltenheit war, fast noch ein Skandal. Ihre gemeinsame Liebe zur Malerei verband sie in besonderem Maße. Susanne Ritscher geb. Loewenthal ist die Großmutter von uns beiden Geschwistern – Gabriele Friedrich-Ritscher und mir selbst. Wir gehören demnach zur Generation der Enkel bzw. Urenkel in der Familie Loewenthal.

Die Shoah traf die Familie mit voller Wucht: Von den fünf Schwestern wurden zwei ermordet (Käthe und Hedwig), Agnes, die drittälteste, die zu dieser Zeit in Griechenland lebte beging wahrscheinlich im Frühjahr 1933 Suizid; wir vermuten, dass sie ihre in Deutschland lebenden Kinder nicht mit einer „jüdischen Mutter“ belasten wollte. Susanne Ritscher geb. Loewenthal überlebte durch die Hilfe von Menschen, die sich gegen den NS-Terror stellten.

Käthe Loewenthal lebte seit 1914 in Stuttgart, seit 1910 war - wie z. B. auch Alice Haarburger - Mitglied des Württembergischen Malerinnenvereins. Vor dem Haus Ameisenbergstr. 32 in Stuttgart-Ost, ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz, wurde für sie ein Stolperstein verlegt.

Ab 1976 hat Dr. Ingeborg Leuchs, Nichte von Käthe Loewenthal und Tochter von Susanne Ritscher die Werke, welche die Zerstörungen der Shoah und des Kriegs überlebt haben zu neuem Leben erweckt. In ihrer Eröffnungsrede zur Ausstellung im „Verborgenen Museum Berlin“ am 6.10.1993 sagte sie: „Ich habe mich bemüht, den Namen und das Werk meiner Tante der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, nicht nur für meine Tante, sondern auch zu Erinnerung an alle Menschen, die unter der nationalsozialistischen Diktatur – aus welchen Gründen auch immer – so entsetzlich gelitten haben. Für sie alle sollen diese Bilder ein Denkmal sein.“ Sie und andere Familienmitglieder haben 1999 den Verein „Lebenswerk Käthe Loewenthal“ gegründet, um diesem Auftrag auch in Zukunft gerecht zu werden.

So ist auch unser Beitrag zur Ausstellung „Stein für Stein“ zum zwanzigjährigen Bestehen der Stolpersteininitiative Stuttgart-Ost zu verstehen, denn sie erinnert u.a. an das Schicksal und das Werk von Käthe Loewenthal und damit auch der anderen, oft namenlos gebliebenen Menschen, die unter dem national-sozialistischen Terror- und Mordsystem „so entsetzlich gelitten haben“.

Die Stolpersteine sind als „dezentrales Mahnmal“ inzwischen ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Erinnerungskultur in Deutschland (und Europa). Sie und die vielen anderen Initiativen in diesem Kontext haben das Ziel, die Erinnerung an die Schrecknisse des „Dritten Reiches“ in der heutigen Zeit wachzuhalten und für die Zukunft zu sichern. Denn: die Verweigerung des Blicks auf die auch dunklen Seiten unserer Vergangenheit trägt dazu bei, dass diese sich – wenn auch in anderer Form – wiederholen kann. Entsprechende Warnsignale sollten wir ernst nehmen, wenn z.B. der Co-Vorsitzende der AFD-Fraktion im Bundestag, Alexander Gauland, diese 12 schrecklichen Jahre für Deutschland, Europa und die Welt im Jahr 2018 als „Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ umdeutet. Schon hier beginnt die „Wiederkehr der Verleugnung“ und gerade deshalb brauchen wir eine lebendige Erinnerungskultur und in ihrem Rahmen die Stolpersteine.

Wir sagen Dank für den Stolperstein, der auf Initiative der Stolpersteininitiative Stuttgart-Ost für Käthe Loewenthal verlegt wurde.

Prof. Dr. Wolf Ritscher
- Text: Broschüre zum 20-jährigen Jubiläum der Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost

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Quellen & Impressum

Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost

www.stolpersteine-stuttgart-ost.de
info@stolpersteine-stuttgart-ost.de