Biografie von Martin und Helene Meyerowitz
Fockestr. 2
Helene und Martin Meyerowitz
Martin Meyerowitz wurde am 3. Januar 1869 in Königsberg geboren. Seit 1896 war er als Rechtsanwalt tätig und 1906 erfolgte seine Zulassung beim Oberlandesgericht Königsberg. Seine Frau Helene, geb. Eichelbaum, wurde am 10. Dezember 1885 in Insterburg (Ostpreußen) geboren. Im Jahr 1909 heirateten beide. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.
Nach Leipzig kam Martin Meyerowitz durch seine Zulassung als Rechtsanwalt beim Reichsgericht am 29. November 1929. In der Fockestraße 2 befand sich auch seine Anwaltskanzlei.
Die Stigmatisierung und Diffamierung der jüdischen Bevölkerung wurde 1935 durch das "Reichsbürgergesetz" staatlich legitimiert. Mehrere Verordnungen in den Folgejahren grenzten die betroffene Menschen unabhängig von ihrer Religiosität systematisch aus dem gesellschaftlichen Leben aus. Im November 1938 verlor Martin Meyerowitz daraufhin seine Zulassung als Anwalt und die Familie wurde jeglicher Erwerbsgrundlage beraubt. Nur wenigen jüdischen Rechtsanwälten war es in der Folge erlaubt, als sog. "Konsulent" jüdische Klienten juristisch zu beraten. In seinem Gesuch auf Zulassung als "Konsulent" schrieb Martin Meyerowitz: "Die von mir zu erfüllenden Unterhaltspflichten sind sehr groß. Meine Frau leidet seit vielen Jahren an einer schweren Krankheit, infolge dessen sie des Gebrauchs ihrer Beine nahezu beraubt ist. Daneben habe ich für zwei erwachsene, aber erwerbslose Kinder zu sorgen. Ohne ein Arbeitseinkommen kann ich diese Unterhaltspflichten aus den Erträgen meines nicht bedeutenden Vermögens nicht erfüllen."*
Martin Meyerowitz und seine an den Rollstuhl gefesselte Frau mussten in eins der sog. "Judenhäuser" in die Jakobstr. 11 ziehen. Am 3. April 1942 wurde Martin Meyerowitz wegen "Verkehrs mit Ariern"** verhaftet und am 10. Juni 1942 in das KZ Flössenbürg in Bayern gebracht. Die Umstände seines Todes am 23. Juni 1942 werfen einige Fragen auf. Laut ärztlicher Bescheinigung des SS-Lagerarztes Dr. Hofmann sei der "Judenhäftling" auf der Flucht erschossen worden. Martin Meyerowitz war 73 Jahre alt.
Helene Meyerowitz wurde am 17. Februar 1943 mit anderen Menschen in offenen Lastwagen nach Delitzsch gefahren und dann weiter nach Berlin gebracht **(S.76). Hier lebte sie zwangsweise im sog. "Siechenheim" in der Auguststr. in Berlin-Mitte. Mit dem "90. Alterstransport" wurde sie am 28. Mai 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Helene Meyerowitz (58 Jahre) kam am 27. August 1944 ums Leben.
Das Schicksal der Eheleute Meyerowitz thematisierte der Tanz Theater Dialoge e.V. Berlin zusammen mit Jugendlichen in der Theatercollage "Ob ich noch einmal wiederkomme?" in den Jahren 2019/20.
Recherchen: Elisabeth Kahn (Tanz Theater Dialoge e.V.)
Pate: Bernd Gasser (Berlin)
*Z.n.: Hubert Lang: Justizrat Martin Meyerowitz. In: Anwalt ohne Recht. Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933. - http://hubertlang.de/wp-content/uploads/2018/01/aor_leipzig_anwaelte_juedischer_herkunft_meyerowitz.pdf
** Ellen Bertram: Leipziger Opfer der Shoah. Ein Gedenkbuch - Leipzig, 2015.
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