Biografie von Lazar, Frieda und Lea Gulkowitsch
Demmeringstr. 58
Frieda, Lazar und Lea Gulkowitsch
Lazar Gulkowitsch wurde am 20. Dezember 1898 in Zirin bei Nowogrudok im russischen Gouvernement Minsk geboren. Er studierte von 1919 bis 1922 Philosophie, Medizin und Alttestamentliche Wissenschaften. In Leipzig war Lazar Gulkowitsch von 1927-1932 Privatdozent, von 1932-1933 außerordentlicher Professor für die Wissenschaft vom späten Judentum an der Historisch-Philologischen Abteilung der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig. Nach seiner Entlassung 1933 von der Universität Leipzig aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er - auf Vermittlung des Leipziger Rabbiners Felix Goldmann - am 24. Januar 1934 an die Universität Tartu (Dorpat) als ordentlicher Professor für jüdische Studien berufen. Dieser Lehrstuhl war eigens für ihn eingerichtet worden.
Gemeinsam mit seiner Frau Frieda Gulkowitsch, geb. Rabinowitz, (geb. am 27.1.1900 in Bobruisk, Gouvernement Minsk), die in Leipzig Zahnmedizin studierte und sich 1933 als Zahnärztin niedergelassen hatte, und der gemeinsamen Tochter Lea Riwka Gulkowitsch, (geb. am 2.9.1926 in Königsberg/Ostpreußen), emigrierte er 1934 nach Estland. Von 1934-1940 war er ordentlicher Professor für Jüdische Wissenschaft an der Universität Dorpat.
Der Philologe Dr. Lazar Gulkowitsch befasste sich vor allem mit dem Chassidismus, der Kabbala, der Geschichte des späten Judentums, der hebräischen Sprache und mit den jüdischen Philosophen Maimonides und Spinoza. Er hielt 1939 Gastvorträge in Großbritannien an der Universität Cambridge sowie in den USA.
Nach der am 15. März 1939 erfolgten Annexion der "Resttschechoslowakei" bemühte sich Prof. Lazar Gulkowitsch sowohl in Großbritannien als auch in den USA um ein Visum für sich und seine Familie - jedoch vergebens. Da er keine Aufenthaltsgenehmigung erhielt, kehrte er Ende 1939 - nach dem Hitler-Stalin-Pakt - zu seiner Frau und den mittlerweile zwei Töchtern nach Estland zurück.
Vermutlich im Juli 1941 wurde die Familie Gulkowitsch bei einem Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Dorpat/Tartu ermordet.
Recherchen: Rainer Müller
Patenschaft: Waltraut Grüner, BV Lindenau, Robert-Schumann-Gymnasium
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