Biografie von Leo Schorr
Prof. Leo Schorr (19.06.1881 in Kopyczynce/ Galizien - 14.03.1942 in Bernburg, NS-Tötungsanstalt) kam als hochgebildeter Handelsschullehrer und Buchhalter aus Österreich um 1921 nach Pößneck. Er wohnte zunächst mit seiner Ehefrau Johanna Schorr geb. Mayer (04.09.1882 in Innsbruck - 15.08.1946 in Pößneck) und den beiden Kindern Meta Nette geb. Schorr (1912 in Mährisch Ostrau - 05.06.1995 in Bad Godesberg) und Leo Ernst Schorr (*19.08.1909 in Innsbruck - 28.12.1993 in Wien) im Wohnhaus Unter der Altenburg 17, und erwarb von der Stadt Ackerland. Mit seinem Sohn erbaute er von 1923 bis 1926 das Villen-Haus in der Diezstraße 37, und brachte auch die Inschrift "Arbeit ist Leben" (vermutlich bezugnehmend auf ein katholisches Wochenblatt von 1900) am Haus an.
Ab 1926 führte Leo Schorr, neben seiner Tätigkeit als Steuerberater und Bücherrevisor, eine private "Handelsschule Schorr". Der Ortsschulvorstand bestätigte den Bedarf, und auch der Vogel-Verlag bescheinigte ihm einen guten Ruf.
1902 war Leon Schorr in der St. Heinrich und Kunigunde (Kirche) in Prag katholisch getauft worden. Von 1899 bis 1903 genoss er eine Ausbildung an der Deutschen Handelsakademie in Prag, und absolvierte ein Studienjahr in Wien. Daran anschließend war er als Handelsschullehrer und Buchhalter in Brün, Ostrau, Böhmisch-Mähren, Pilsen und zum Ende des Ersten Weltkrieges auch in der Steiermark tätig. Durch seine Mitgliedschaft in der österreichischen Leo-Gesellschaft publizierte er auch in geistlichen Fragen. Mit der Herausgabe der "Deutschen Handelswarte" in Pilsen entwickelte er eine weitbeachtete Fachzeitschrift, was ihn wohl auch in Pößneck zu einem gefragten Mitarbeiter im Verlagswesen machte.
Leo Schorr versuchte ab 1939 in die USA auszuwandern. So hatte bereits 1940 einen Vertrag für eine Lehrverpflichtung am katholischen Setton Hall College in New Jersey in Aussicht. Letztlich scheiterte dieser Fluchtversuch über das „Committee for Catholic Refugees - Emergency Committee in aid of displaced German scolars“.
Als die Familie am 19.06.1941 den 60. Geburstag von Leo Schorr feiert, erscheint die Kriminalpolizei Pößneck und verhaftet ihn wegen "Annäherung an eine deutsche Frau“ Unter diesem Vorwand erfolgte die erneute "Schutzhaft" in Buchenwald, wo er im Stafkommando unter anderem im Steinbruch eingesetzt worden war. Bis zum März 1942 hält Leo Schorr durch. Schließlich wird er am 14.03.1942 im Rahmen einer "Sonderbehandlung" bei einer Massenmord-Aktion in die Euthansieanstalt Bernburg deportiert, und am selben Tag mit Gas ermordet.
Text: Philipp Gliesing (Mai 2021)
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