Biografie von Friedrich Wilhelm (F Krämer, Frieda (Friedel) Krämer geb. Rothschild und Ruth Krämer
Frieda Rothschild kam zusammen mit ihrer Familie etwa 1914 nach Kleve. Ihr Vater Gustav Rothschild war Viehhändler. Sie war als Kontoristin und Stenotypistin tätig. 1925 heiratete sie Friedrich Wilhelm Krämer, der katholisch war. Auch ihre Tochter Ruth wurde katholisch erzogen. Nach den Nürnberger Rassengesetzen von September 1935 lebten Frieda und Fritz Krämer in einer „Mischehe“ und Ruth galt als „jüdischer Mischling 1. Grades“. Um ihrer Tochter die Diskriminierung zu ersparen, verzog die Familie 1936 nach Nimwegen, Krämer arbeitete aber weiter in Kleve bei den Margarinewerken. Als sein Lohn nicht mehr in die Niederlande transferieren werden konnte, musste die Familie im Juni 1939 nach Kleve zurückkehren.
Hier wohnte sie bis Januar 1941 am Großen Markt 27. Dann zog sie nach Köln. Fritz Krämer fand eine Stelle als Buchhalter im Domhotel, seine Tochter war hier als Kontoristin tätig. Der katholische Ehemann bewahrte Frieda Krämer zunächst vor der Deportation. Doch am 10. September 1944 erhielt die Familie die Aufforderung, sich im Lager Müngersdorf einzufinden. Von dort gelang Ruth Krämer gelang am 23. September 1944 die Flucht und sie konnte mit Hilfe eines Bekannten eine Unterkunft in Köln-Ehrenfeld finden. Hier kam auch ihre Mutter unter, nachdem sie am 26. September nach einem Bombenangriff bei Kassel aus dem Deportationszug hatte flüchten können. Sie wussten nicht, in welcher Gefahr sie sich befanden. Ihr Wohnungsgeber Hans Steinbrück führte eine Gruppe von Männern und Jugendli-chen, die umfangreiche Diebstähle und Lebensmittelschiebereien beging. In dem Wohnhaus hatte er ein Waffenlager eingerichtet. Schon am 29. September 1944 wurden die Untergetauchten bei einer Razzia von einer Heeresstreife aufgegriffen und gerieten in die Ermittlungen zur Gruppe Steinbrück,deren Mitglieder am 10. November 1944 in Ehrenfeld öffentlich erhängt wurden.
Friedel und Ruth Krämer wurden am 1. Oktober 1944 in das Gestapo-Gefängnis Brauweiler überstellt, genauso Fritz Krämer, den man ebenfalls verdächtigte, von den Aktivitäten Steinbrücks gewusst zu haben. Nachdem er rund sieben Wochen in Einzelhaft gesessen hatte, ohne vernommen worden zu sein, entlud sich seine psychische Anspannung in einem „Haftkoller“. Er tobte in seiner Zelle und obwohl es für die drei hinzukommenden Gestapo-Beamten leicht möglich gewesen wäre, den schmächtigen Krä-mer zu überwältigen, schoss der Kriminalsekretär Walter Hirschfeld mit seiner Dienstpistole viermal auf Krämer und verletzte ihn tödlich.
Frieda und Ruth Krämer wurden Mitte Februar 1945 in das Zuchthaus Siegburg überführt. Am 15. April 1945 wurden sie im Arbeitserziehungslager Hunswinkel bei Lüdenscheid befreit.
Der Gestapo-Beamte Walther Hirschfeld, der für den Tod von Fritz Krämer verantwortlich war, wurde 1947 wegen des Kriegsverbrechens der Tötung zweier Zwangsarbeiterinnen vom britischen Militärgericht zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde kurz darauf gnadenweise aufgehoben und in eine Gefängnisstrafe von sechs Jahren umgewandelt. 1949 wurde er vor dem Landgericht Köln in einem der ersten großen NS-Prozesse - dem Hoegen-Prozess - wegen Mordes und Misshandlung deut-scher politischer Gefangener - darunter Fritz Krämer – mitangeklagt und schließlich „wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässiger Tötung“ zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob 1952 das Urteil auf. Die meisten Anklagepunkte wurden fallengelassen. Übrig blieb nur noch eine Körperverletzung mit Todes-folge im Falle Fritz Krämer. Damit war Hirschfeld ein freier Mann.
Im Entschädigungsverfahren nach dem Bundesentschädigungsgesetz (BEG), das Friedel Krämer für ihren verstorbenen Mann betrieb, traten Hirschfeld und Hoegen als „glaubwürdige“ Zeugen auf. Es ging hier auch um Wertgegenstände, die Krämer bei der Inhaftierung von der Gestapo entzogen worden waren. Hirschfeld und Hoegen bekundeten „glaubhaft“, dass grundsätzlich alle Sachen der Gestapo-häftlinge „ordnungsgemäß“ asserviert worden seien. Daraus ergab sich für die Behörde, dass die Wegnahme rechtmäßig gewesen sei und daher keine Entschädigung erfolgen könne.
Friedrich Wilhelm (Fritz) Krämer (Falkenstein [heute Donnersbergkreis] 1895 – 1944 Brauweiler, Ge-stapo-Gefängnis)
Frieda (Friedel) Krämer geb. Rothschild (Beeck [heute Duisburg] 1896 - 1974 Niedermarsberg)
Ruth Krämer geb. 1926 in Kleve
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Quellen & Impressum
Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.
mifgash.de
Die AG Geschichte besteht seit April 2014. Ihre Aufgabe ist die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Kleve.
Autorin und Ansprechpartnerin: Helga Ullrich-Scheyda · helga@scheyda.de