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Familie Berthold Ullmann, Alte Bahnhofstr. 3, Lahr

Biografie von Bertold Ullmann, Johanna Ullmann und 3 weitere

Johanna Ullmann, 1890 geboren, wurde am 4. September 1942 gemeinsam mit ihrem Mann Bertold in Auschwitz ermordet. Dieser hatte im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft und konnte bis zuletzt nicht glauben, dass »sein« Deutschland die Juden planmäßig vernichtet. Die Eheleute hatten bis in die 30er-Jahre in Lahr ein florierendes Ledergeschäft. Sie waren wohlhabend und angesehen, hatten 1926 ein imposantes Wohn- und Geschäftshaus gebaut. Die Initialen von Bertold Ullmann stehen bis heute über dem Eingang des Hauses Alte Bahnhofstraße 3.

1933 änderte sich für die Ullmanns alles: Das Geschäft wurde boykottiert, die Kinder in der Schule schikaniert. Erst schickten sie ihren Sohn Hans Siegbert nach Palästina, dann 1936 die Zwillinge Ruth und Edith, damals 15 Jahre alt. Die Eltern blieben in Lahr, ohne Einkommen und verschuldet durch den Bau des Geschäftshauses. 1937 mussten sie es verkaufen. Die Ullmanns hätten sich möglicherweise retten können. Johanna Ullmann war noch vor Kriegsbeginn mit dem Schiff zu ihren Kindern nach Palästina gereist. Aber zu deren Entsetzen blieb sie nicht, sondern fuhr zurück zu ihrem Mann nach Deutschland.
1940 verschleppten die Nazis Johanna und Bertold wie alle badischen Juden ins südfranzösische Lager Gurs. Mit Geld, das Johannas Schwester aus den USA schickte, konnten sie sich freikaufen. Sie hatten auch schon ein Fährticket und reisten mehrfach nach Marseille, um von dort mit dem Schiff zu entkommen. Doch Bertold wollte nicht. Pflichtbewusst meldete er sich sogar freiwillig, als 1942 in Frankreich auch die nicht in Lagern lebenden Juden zu einem angeblichen Arbeitseinsatz aufgerufen wurden. Johanna folgte ihm. In Viehwagen wurden die beiden über Drancy nach Auschwitz transportiert, direkt ins Gas.

Alle 5 Stolpersteine konnten am vogesehenen Termin aufgrund einer lange währenden Baustelle am 21.5.2014 nicht von Gunter Demnig verlegt werden, das Buch zu den Lahrer Stolpersteinen ist hier nicht korrekt. Die Steine waren von Herrn Demnig mitgebracht worden, dann aber im Archiv eingelagert.
Sie wurden in einer Selbstverlegung in Zusammenarbeit mit dem Bauhof Lahr am 20.2.2018 ohne Gunter Demnig verlegt.

Quelle: Doris Gerteis, Lahr, 04.01.2020, 14.02.2020

Hinweis:
Im Rahmen der Reihe "Leben & Gesellschaft" des SWR2 wurde auf Stolpersteine-Guide.de bereits ein Stein für Johanna Ullmann in Lahr verortet.
(siehe https://stolpersteine-guide.de/map/biografie/877/johanna-ullmann).
Für ihre Familie sind an diesem Ort ebenfalls Stolpersteine verlegt, diese vom SWR2 jedoch nicht verortet. Dessen Inhalte werden vom SWR2 betreut.
Zu diesen Inhalten haben wir als örtliche Initiative keinen Zugang.
Daher sind an diesem Ort in Absprache mit SWR2 zwei Symbole für Johanna Ullmann vorhanden.

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Quellen & Impressum

Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim

Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025