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Familie Ernst Dreyfuß, Marktplatz 5, Lahr

Biografie von Ernst, Klara, Emma und Lore Dreyfuß

Einige Lahrer Bürger jüdischen Glaubens, die von den Nationalsozialisten verschleppt worden waren, haben die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee nicht mehr miterlebt.

Zu ihnen gehörten drei Mitglieder der Lahrer Familie Dreyfuß und deren Ehepartner, die einst in Lahr gelebt und gearbeitet hatten.
Die Brüder Nathan und Simon Dreyfuß gründeten 1894 im Haus Marktplatz 5 (heute Fielmann) ein Kurzwarengeschäft.

Nathan (geboren 1854) starb 1911 in Lahr, seine Frau Pauline (geboren 1861) 16 Jahre später ebenfalls in Lahr. Beide haben ihre Grabstätte auf dem jüdischen Friedhof in Schmieheim.

Simon (geboren 1858) starb 1935 in Lahr; sein Grab ist ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof in Schmieheim. Seine Frau Klara (geboren 1865) starb 1941 im Lager Gurs.
Ihre Kinder Otto und Martha emigrierten in die USA und nach Uruguay.

Nathan und Pauline Dreyfuß hatten drei Kinder: Ernst (geboren 1884), Charlotte (geboren 1885), und Johanna (geboren 1887). Alle drei Kinder und auch Ernsts Frau Emma (geboren 1892) wurden 1942 in Auschwitz ermordet, ebenso Charlottes Mann Berthold Maier‚ der als »Schlappen-Maier« in der Marktstraße 15 ein Geschäft betrieben hatte, und Johannas Mann Ludwig Marx aus Heidelberg.
Die Familie Dreyfuß hatte ein Auto, mit dem Ernst die Händler auf dem Land mit Waren wie Wollsachen und Nadeln belieferte. Während Ernst und Emma Dreyfuß von den Nazis verschleppt wurden, hatte deren Tochter Lore (geboren 1921) Glück. Sie überlebte nur, weil ihre Eltern sie 1936 auf einen Kindertransport nach England geschickt hatten. Bei Ausbruch des Kriegs 1939 wurde sie mit anderen deutschen »enemy aliens« für sechs Monate auf der Isle of Man interniert, hatte dort aber eine gute Zeit.

Nach der Schule machte Lore Dreyfuß in London eine Ausbildung zur Krankenschwester und Hebamme. 1947 ging sie in die USA, wohin Verwandte ihrer Mutter aus Ober-Ramstadt vor den Nazis geflohen waren. Ihren Mann Sam Rubin lernte Lore Dreyfuß im Frühjahr 1949 kennen und heiratete ihn im Juni 1949. Aus der Ehe ging 1952 eine Tochter, Karen, hervor. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Ohio.
Lore Rubin, geborene Dreyfuß, starb am 20. Oktober 2008 in USA. Nach ihrer Auswanderung 1947 in die USA war nie wieder nach Lahr oder Deutschland zurückgekehrt, auch nicht zu Besuch.

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Quellen & Impressum

Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim

Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.

Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.

Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.

Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.

Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.

Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.

Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.

Lahr, den 27.01.2025