Biografie von Rosa Büchler
Rosa Genoveva Büchler, geb. Werner (geb. am 6. Juni 1896 in Krumbach, ermordet in Hartheim am 5.6.1941)
Rosa Büchler ist die Tochter des Krumbacher approbierten Baders Josef Victor Werner und seiner Ehefrau Maria Genoveva, geb. Glogger aus Krumbach. Rosas Vater verstirbt 5 Tage vor seinem 30. Geburtstag, so muss seine Frau Maria ihre beiden Kinder Sofie und Rosa alleine aufziehen und ernähren.
Im Oktober 1899 heiratet die Witwe in Augsburg den aus dem Sudetenland stammenden Fabrikweber Franz Xaver Schicht. Mit ihm hat Genovefa 9 weitere Kinder, von denen 3 sehr versterben.
Wegen der zunehmenden Kinderschar ziehen die Schichts in Augsburg und Pfersee mehrmals um, schließlich nehmen sie in der Gartenstraße 69/II in Augsburg ihren ständigen Wohnsitz. In dieser Großfamilie muss Rosa sehr früh Verantwortung für ihre Halbgeschwister Franz (geb. 1899), Josef (geb. 1903), Wenzl (geb. 1904), Anna Maria (geb. 1907), Beata (geb. 1908), Wenzeslaus (geb. 1911) und Rosina Emma (geb. 1913) übernehmen. An ein einigermaßen gesichertes Dasein ist da nicht zu denken. Die Familie ist gänzlich unvermögend.
Es ist nur logisch, dass Rosa baldmöglichst eine eigene Familie gründen möchte und muss. Kurz vor Ende des I. Weltkriegs heiratet Rosa am 11. Oktober 1918 den damaligen Wagnergehilfen Franz Xaver Büchler aus Holzkirchen. Die Familie wohnt im Vierten Quergäßchen Nr. 7 in Augsburg.
Am 28. März 1920 wird ihr erster Sohn Franz Xaver geboren. Rosa ist eine zierliche Frau, sie ist 1,47 Meter groß, wiegt nur 43 kg und hat schwarze Haare. Man kann nicht oft genug zu bedenken geben, dass wir Rosa Büchler nur aus der Perspektive der Täter kennen. Wir wissen nichts über ihre wahren Gefühle, Sehnsüchte, Ängste, ihre Vorlieben und Hobbies.
1921 ist Rosa, ehemals ein fröhlicher und humoriger Teenager mit ordentlichen schulischen Leistungen, zum ersten Mal wegen psychischer Probleme in ärztlicher Behandlung. Irgendetwas läuft schief im Hause der Büchlers. Sie ist sensibel, nervös und weint häufig. Wir können nur vermuten, dass sie sich durch die Belastungen des Haushaltes und die Erziehung ihres ersten Kindes Franz Xaver als schwere Belastung empfindet. Ihr Ehemann ist sehr dominant. Der Arzt schickt Rosa aufs Land zur Erholung. Von dort kehrt sie in stabilem Zustand zurück.
Die neuerliche Schwangerschaft übersteht sie ohne Komplikationen. Am 16. Juni 1923, auf dem Höhepunkt der Inflation in Deutschland, kommt ihr zweiter Sohn Erich zur Welt, der aber nach 4 Wochen am 13.Juli verstirbt. Die Todesursache des Kindes kennen wir nicht.
Eine Welt bricht für Rosa zusammen. Sie leidet zunehmend unter melancholischen Depressionen und hält sich für den Tod des Kindes verantwortlich. Ab 23. August verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch.
Ihr Hausarzt weist sie am 27. August 1923 ins Krankenhaus ein. Bei der Anamnese wird festgestellt, dass sie menschenscheu, reizbar und auf ihren Ehemann fixiert ist. Rosa äußere Versündigungsideen, mache sich Vorwürfe, sie sei zu wenig in die Kirche gegangen, habe nicht gebeichtet, sei unfolgsam zu den Eltern gewesen. Ihre Schwestern erkennt sie nicht mehr.
Das Krankenhaus bestätigt die Diagnose des Hausarztes und weist sie am 31. August 1923 in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren ein. Ihr 3-jähriger Sohn Franz Xaver wird der Obhut von Rosas Mutter, seiner Großmutter Genoveva Schicht anvertraut.
Die Ärzte in Kaufbeuren sprechen von einer Dementia praecox, die veraltete Bezeichnung für Schizophrenie. Die in den Berichten mitgeteilten Symptome lassen laut Aussagen heutiger Psychiater eher an eine sogenannte “Psychotische Depression“ denken. Bereits in den 30er Jahren wäre eine gezielte Behandlung der melancholischen Depression aussichtsreich gewesen. Heute sind die Behandlungschancen um ein Vielfaches besser.
Ihr Hausarzt weist sie am 27. August 1923 ins Krankenhaus ein. Bei der Anamnese wird festgestellt, dass sie menschenscheu, reizbar und auf ihren Ehemann fixiert ist. Rosa äußere Versündigungsideen, mache sich Vorwürfe, sie sei zu wenig in die Kirche gegangen, habe nicht gebeichtet, sei unfolgsam zu den Eltern gewesen. Ihre Schwestern erkennt sie nicht mehr.
Das Krankenhaus bestätigt die Diagnose des Hausarztes und weist sie am 31. August 1923 in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren ein. Ihr 3-jähriger Sohn Franz Xaver wird der Obhut von Rosas Mutter, seiner Großmutter Genoveva Schicht anvertraut.
Die Ärzte in Kaufbeuren sprechen von einer Dementia praecox, die veraltete Bezeichnung für Schizophrenie. Die in den Berichten mitgeteilten Symptome lassen laut Aussagen heutiger Psychiater eher an eine sogenannte “Psychotische Depression“ denken. Bereits in den 30er Jahren wäre eine gezielte Behandlung der melancholischen Depression aussichtsreich gewesen. Heute sind die Behandlungschancen um ein Vielfaches besser.
Öfters recht erregt und streitsüchtig. Sie erklärt stereotyp, sie gehe morgen heim und verrichte heute noch die Arbeit. Halluzinativ.“
Die Zu- und Abgangsbücher der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren verzeichnen am 5. Juni 1941 hinter dem Namen Rosa Genoveva Büchler die Bemerkung „verlegt“, wie bei weiteren 70 Frauen. Einen Tag früher waren von Kaufbeuren und Irsee bereits 70 Männer mit den grauen Bussen nach Hartheim bei Alkoven in Oberösterreich deportiert worden.
Diese 71 Frauen und 70 Männer werden im Rahmen einer T-4 Aktion in Hartheim vermutlich noch am gleichen Tag ermordet. Aus Beschuldigtenvernehmungen wissen wir, dass Transporte manchmal über die Zwischenanstalt Niedernhart in Linz gingen, bis die Ressourcen der Tötungsanstalt wieder frei waren. Beide Anstalten standen unter der Leitung von Dr. Rudolf Lonauer. Sobald der Transport Hartheim erreichte, wurden die Patienten unmittelbar ermordet. Der 5.6. kann der Todestag von Rosa Büchler sein, muss es aber nicht.
Die „Aktion T4“ ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für die systematische Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in Deutschland unter Leitung der Zentraldienststelle Berlin, Tiergartenstraße 4.
Nach öffentlichen Protesten der katholischen Bischöfe und protestantischer Geistlicher, Flugblätter der Alliierten sowie Meldungen des BBC erteilt Hitler am 24.8.1941 die mündliche Weisung, die Aktion T4 zu beenden und die „Erwachseneneuthanasie“ in den 6 Tötungsanstalten Grafeneck, Hartheim, Hadamar, Brandenburg, Bernburg, Sonnenstein einzustellen.
Dennoch werden die Krankenmorde in den Heil- und Pflegeanstalten dezentral durch Nahrungsentzug bzw. Verabreichung von Morphium-Skopolamin- und Luminal konsequent und erbarmungslos fortgeführt.
Rosa Büchler stirbt einen Tag vor ihrem 45. Geburtstag.
Auf dem gesamten Gebiet des deutschen Reiches wurden 70.273 Menschen auf diese Weise umgebracht. Für die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee konnten anhand der Standlisten (Zu- und Abgangsbücher) insgesamt 688 Patienten identifiziert werden, die den T4-Mordzentren umkamen.
Biographie zusammengestellt: B. Lehmann, Gegen VergessenFür Demokratie RAG Augsburg Schwaben - Quellen beim Autor
© Text+Foto: VVN-BdA KV Augsburg
http://www.vvn-augsburg.de/4_stadtrundgang/Erinnerung/Gedenkblatt020-2018_Buechler.pdf
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