Biografie von Amalie und Adolf Mautner
Amalie Mautner wurde am 7. Mai 1879 in Neddenaverbergen geboren. Ihr jüngerer Bruder, Adolf Mautner, wurde am 4. Oktober 1886 ebenfalls in Neddenaverbergen geboren. Das Haus der Mautners hatte die Adresse Hof Nr. 54, war eine Anbauerstelle und lag im Dreieck der jetzigen Neddener Dorfstraße und der Straße Zum Bergfeld.
Ihr Vater, Ludwig Mautner, war seit 1888 preußischer Staatsbürger und errichtete 1892 eine Gastwirtschaft mit Tanzsaal und Kolonialwarenladen. Nach dem Tod ihrer Mutter Friederike am 26. Mai 1924 übernahm Amalie die Gastwirtschaft, musste diese jedoch 1929 aus Altersgründen an den Maurermeister August Wolff aus Jeddingen verkaufen. Die drei zogen nach dem Verkauf des eigenen Hauses in das Haus gegenüber ein (an der jetzigen Straße Zum Bergfeld). Am 13. April 1933 verstarb auch ihr Vater in Neddenaverbergen.
Amalie war stark gehbehindert und Adolf war taubstumm. Auf Seite 79 der Dorfchronik Neddenaverbergens von 1987 wird darüber informiert, dass man dem jüdischen Geschwisterpaar in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 die Fenster mit ganzen Stapeln Holzscheiten einschmiss. Hierbei „(…) rührte sich keine Hand zur Hilfeleistung.“
Am 17. November 1941 wurden Amalie und Adolf Mautner mit Pferd und Wagen zum Verdener Bahnhof gebracht und von dort aus über Bremen nach Minsk deportiert. Im Vernichtungslager Malyj Trostenez wurden sie 1942 von Angehörigen der Waffen-SS ermordet.
Das Haus der Mautners nutzte die nationalsozialistische Volkswohlfahrt von 1942 bis 1945 als Kindergarten. Bei der Befreiung durch die Engländer Anfang 1945 wurde es zerstört und ein Jahr später auf Abbruch verkauft. Das Grundstück wurde ab 1946 von der Jewish Trust Corporation verwaltet. Hierbei handelt es sich um eine Treuhänderstelle, die nach dem Krieg für die britische und französische Besatzungszone gegründet wurde, um vor allem erbenloses jüdisches Vermögen zu erfassen und zu sichern. 1951 kaufte August Wolff das angrenzende Grundstück ebenfalls. Heute steht dort ein Ferienhaus mit der Adresse Zum Bergfeld 5.
Damit das traurige Schicksal von Amalie und Adolf Mautner niemals in Vergessenheit gerät, setzte der Kölner Künstler Gunter Demnig am 16. Mai 2011 an dieser Adresse die beiden Stolpersteine, für die die Oberschule am Lindhoop in Kirchlinteln die Patenschaft übernahm.
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