Zum Inhalt springen

Fanny Stern / Georg Hausdorf

Biografie von Fanny Stern und Goerg Hausdorf

Fanny Stern
Über das Schicksal von Fanny Stern ist leider sehr wenig bekannt. Wir wissen, dass sie in Sachsen aufwuchs und ab ihrem 50. Lebensahr, im Jahr 1916, in Regensburg wohnhaft war.
Fanny Stern wurde am 12. März 1866 in Werdau /Kreis Zwickau in Sachsen als
Tochter von Abraham und Jeanette Simon geboren. Sie heiratete den Viehhändler L. Stern, der bereits am 6.12.1896 verstarb. Fanny Stern war also bereits mit 30 Jahren Witwe. Kinder sind keine bekannt. Warum Frau Stern nach Regensburg verzog, ist nicht bekannt.
Ab November 1916 wohnte sie in Regensburg in der Wahlenstraße 18 im 1. Stock
und hier war mehr als 20 Jahre ihr zuhause. Sie musste dann umziehen, in eine
„autorisierte Judenwohnung“, zuerst zu Fam. Farntrog in die Rote Hahnengasse 7/ II
und dann in das jüdische Altersheim in die Weißenburgstr. 31, wo sie nur kurze Zeit
untergebracht war. Dort war eine der Sammelstellen für jüdische Bürger vor der Deportation nach Theresienstadt.
Am 23.9.42 wurde sie zusammen mit anderen 116 Regensburger Juden nach Theresienstadt deportiert.
Wenige Zeit nach der Deportation verlor Fanny Stern am 1. Januar 1943 in Theresienstadt ihr Leben. Auf der Todesfallanzeige von Theresienstadt wurde die immer wieder angeführte, serienmäßig verwendete Todesursache „beidseitige Lungenentzündung“ angegeben. Die Beisetzung fand am 3.1.1943 in Thersienstadt statt.

Georg Hausdorf
Georg Julius Hausdorf wird am 18. Juli 1880 in Karoliningrube bei Kattowitz geboren. Wie seine Eltern, Josef und Ernestine, ist er jüdischen Glaubens. Er arbeitet als kaufmännischer Angestellter und lebt ab 1938 in Regensburg. Seine Ehe mit Anna Fahrnmatter, geschlossen 1904 in Berlin, wird 1934 geschieden.

Laut Beurkundung in Dachau stirbt er am 22. Juni 1942 um 16.10 Uhr an Lungenentzündung und Herzversagen. Doch das ist nicht die Wahrheit. In
Wirklichkeit ist Georg Hausdorf ein Opfer der „Sonderbehandlung 14f13“ – der geplanten Tötung von „nicht mehr arbeitsfähigen“ Menschen durch Gas in den sechs NS - Tötungsanstalten der T4 - Organisation.

„T4“ deshalb, weil der Plan zur Ausrottung „unwürdigen Lebens“ - also kranker, behinderter oder psychisch kranker Menschen - in der Tiergartenstraße 4 in Berlin von den Nazis erdacht wird. „14f13“ - weil die Nazis in den Akteneinträgen ihren sadistischen Todesarten verschiedene Nummern zu weisen: „14“ steht für den zuständigen Inspekteur der KZ, „f“ für Tod, „13“ für Tötung durch Gas in den T4 - Anstalten.

Von Dezember 1941 bis März 1942 ist Georg Hausdorf im Gerichtsgefängnis Regensburg inhaftiert. Er wird am 5. März 1942 in das KZ Dachau überstellt und erhält dort die Häftlingsnummer 29354 in der Kate gorie „Schutzhaft Jude“.

Nur kurze Zeit später wird Georg Hausdorf „als nicht mehr arbeitsfähig selektiert und zusammen mit 100 anderen Häftlingen am 6. Mai1942 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim (bei Linz) gebracht und dort kurz nach dem Eintreffen ver gast und verbrannt ", so Albert Knoll , Mitarbeiter im Archiv der KZ - Gedenkstätte Dachau.

Es handelt sich hierbei um die zweite von vier Transportetappe n im Jahr 1942 mit insgesamt 561 kranken, nicht arbeitsfähigen Häftlingen, die in einem sogenannten „Invalidentransport“ vom KZ Dachau in die NS - Tötungsanstalt Schloss Hartheim verbracht werden. Die Nazis verschleiern bewusst diese Tatsache. Sie datieren den Totenschein mit „normaler“ Todesursache zwei Monate später, auf Ende Juni.

Peter Eigelsberger, von der Dokumentationsstelle Hartheim bei Linz, erklärt dies in einer Mail vom 14. November 2016 so:
"Offiziell starben alle Opfer der ́Sonderbehandlung 14f13 ́ in den Stammlagern. Der Todesfall von Georg Hausdorf wurde daher vom Standesamt Dachau beurkundet. Tatsächlich kam er mit dem sogenannten Invalidentransport vom KZ Dachau in die Tötungsanstalt Hartheim.

Alle Häftlinge wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Hartheim in der Gaskammer ermordet. Die Beurkundungen fanden später statt, es verwundert daher nicht, dass die offiziellen Todesdaten auf eineinhalb Monate später datiert wurden, diese Fälschungen waren gängige Praxis."

Kostenlos dank Ihrer Hilfe

Diese Biografie ist frei zugänglich. Wenn Ihnen der Stolpersteine Guide gefällt, freuen wir uns über einen kleinen Beitrag.

Danke an Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein und 6 weitere.
Unterstützen

Stolpersteine in der Nähe

Alle Stolpersteine in Regensburg

Quellen & Impressum

Initiative Stolpersteine in Regensburg

Evangelisches Bildungswerk Regensburg e.V.
Stolpersteine in Regensburg
Dieter Weber
Am Ölberg 2
93047 Regensburg