Biografie von Otto und Lisa Polatschek
Östlicher Münsterplatz 23 (Verlegung 29.10.2016)
Otto Polatschek wurde 1907 in Ulm geboren. Seine Eltern, Alois und Paula, stammten aus Böhmen. Sein Vater Alois kaufte für sein „Schuhhaus Polatschek“ das Haus Östlicher Münsterplatz 23 in Ulm. Dort wuchsen Otto und seine drei Jahre ältere Schwester Else auf. Nach dem Tod des Vaters 1929 übernahm Otto die Geschäftsführung. 1935 heiratete er die 1915 in Stuttgart geborene Lisa Rosa Epstein. Sie hatte eine Ausbildung als Fotolaborantin gemacht, arbeitete aber jetzt im Schuhgeschäft mit.
Seit 1933 verschlechterte sich die Geschäftslage kontinuierlich, im August 1935 erschien im Ulmer Tagesblatt ein Schmähartikel gegen „den Schuhjuden Polatschek“. Unter dem Druck der antisemitischen Pöbeleien entschied Otto sich 1937 das Geschäft an Johannes Werdich aus Wangen zu verkaufen und nach Berlin zu ziehen. Sie konnten aber anschließend nicht ins Ausland fliehen, weil die NS-Behörden ihnen ihr ganzes Vermögen beschlagnahmt hatten.
1941 wurden Otto und Lisa zur Zwangsarbeit bei Rüstungsbetrieben in Berlin verpflichtet. Sie versuchten nun im Untergrund zu leben. Im Juli 1942 wurde Lisa denunziert und am 26.9.1942 nach Raasiku in Estland deportiert. Wo genau und wann Lisa ermordet wurde ist nicht bekannt. Am 24.8.1943 starb auch Otto, immer noch im Untergrund, durch eine Fliegerbombe.
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