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Selig

Biografie von Amalie, Chlothilde und Klara Selig

Klara Isner kommt am 10. Dezember 1861 in Hüttenbach bei Schnaittach, Bezirk Hersbruck, als Tochter der Eheleute Josef und Hanna Isner zur Welt.

In Nürnberg heiratet sie am 19. Juni 1883 den Hopfenhändler Hermann Selig, Sohn von Moses und Jette Selig. Aus der Ehe gehen fünf Kinder
hervor, alle geboren in Gochsheim bei Schweinfurt:

Joseph Selig, geboren am 1. April 1884, wird später Rechtsanwalt in Schweinfurt. Von seiner Frau Babette werden ihm zwei Töchter, Lieselotte
(später verheiratete Helft-Brummer) und Ilse Emma (später verheiratete Kramer), geboren. Josef Selig stirbt am 20. August 1928 in Schweinfurt. Seiner Ehefrau gelingt vor 1937 mit den beiden Töchtern die Emigration nach Südamerika.

Justus Selig, geboren am 5. Juni 1885, wird Kaufmann.

Eine Tochter Emmastirbt 1888 noch im Kleinkindalter.

Amalie(genannt Malchen) kommt am 29. September 1889 zur Welt,

Clothilde (genannt Thilda) wird am 13. April 1892 in Gochsheim geboren.

Klaras Ehemann Hermann Selig ist Träger des bayerischen
Militärverdienstkreuzes. Er verstirbt früh am 13. März 1894.

Ein weiterer Schicksalsschlag trifft die Witwe als der Sohn Justus während des
Ersten Weltkriegs im April 1916 in Frankreich fällt. Die beiden Töchter, Malchen und Thilda, arbeiten zu dieser Zeit im Gochsheimer Lazarett, wo verwundete Soldaten gepflegt werden.

Im Jahr 1908 verkauft Klara ihr Haus in der Sennfelder Gasse 1 in Gochsheim
für den Preis von 10.000 Goldmark an Johann Ehrlitzer.

Allerdings wohnt Klara weiter mit ihren Kindern in diesem Haus (im Obergeschoss). Später betreibt Klara mit ihrer Tochter Clothilde dort einen gutgehenden Kolonialwarenladen. Für den Sohn der neuen Hausbesitzer, Josef Ehrlitzer, erfüllen sie viele Jahre lang eine „Mutterrolle“. Sie verköstigen ihn und beaufsichtigen ihn nachmittags bei den Hausaufgaben, bis die Mutter von der Arbeit heimkommt.
Selbst als Josef nach 1933 ins Jungvolk und später in die Hitlerjugend eintreten soll, mahnt Thilda Josefs Mutter: „Du darfst ihn nicht abhalten, sonst heißt es gleich, wir sind dran schuld!“

Die Frauen sindbei den Nachbarn als strenggläubige Juden
bekannt, die den Sabbat halten und regelmäßig die Synagoge im Ortsteil Judenhof besuchen.
„Ich kann mich noch gut erinnern, daß ich am Sabbat das Feuer und die Lampe anzünden mußte.Dafür aß ich dann gern ein Stück Matzen. Wenn ich bei ihnen mitaß, weil meine Eltern nicht daheim waren ..., hatte ich immer mein eigenes Geschirr und Besteck“, erinnert sich Josef Ehrlitzer.

Ihren andersgläubigen Nachbarn begegnen sie mit Toleranz, sie
gelten als gut integriert in die politische Gemeinde und sind in Vereinen
engagiert. Josef beschreibt Thilda als gebildete und belesene Frau, interessiert an derWelt des Theaters.Besonders bekannt sind die Frauen
für ihre Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft.

Die älteste Tochter, Amalie zieht 1929 nach Regensburg und arbeitet hier als Kassiererin und Direktrice in einem Kaufhaus. Ab 1939 ist ihre
Adresse in der Heiliggeistgasse 10, im 1. Stock, verzeichnet.

Nach 1933 pachtet der SA-Führer Schullehner aus Schweinfurt einen nahe gelegenen Laden, um systematisch die Kundschaft der Seligs durch Repressalien abzuziehen und die beiden Frauen so in die Isolation zu treiben und ihnen die Existenzgrundlage wegzunehmen. Sie entschließen sich, den Laden aufzugeben.

Klara und Clothilde sind ab 6. Oktober 1937 in Regensburg, Heiliggeistgasse 10,
bei Amalie registriert.

Mehrere Male gelingt es dem mittlerweile uniformierten Soldaten Joseph Ehrlitzer in den folgenden Jahren, die drei Freunde zu besuchen. „Sie baten mich jedoch, nicht bei ihnen zu klingeln, damit mich niemand sehen sollte, wie ich als deutscher Soldat eine jüdische Familie besuchte. Auf dem gleichen Stock wohnte eine Familie Pfeifer, die mit den Seligs in einem sehr guten Verhältnis lebte. Dort mußte ich klingeln und die schauten dann ob die Luft sauber war und klingelten bei Familie Selig und ich huschte rasch in deren Wohnung“, schreibt Joseph. Ein Lazarettaufenthalt bringt Joseph Ehrlitzer im Februar 1942 erneut nach Regensburg, wo er zum letzten Malalle drei Frauen besuchen kannund ihre Gastfreundschaft genießt. Amalie hatte ihren Arbeitsplatz bereits verloren und zusammen mit ihrer
Schwester muss siein einem Betrieb arbeiten, der Lumpen verwertet.

Amalie und Clothilde gehören zu der ersten Gruppe von 106
10Juden, die am 2. April 1942 von Regensburg nach Piaski deportiert werden.

Als Todesdatum von Amalie und Clothilde wird der 23. April 1942 angegeben. Die Akten des ehemaligen KZ Majdanek wurden zwar kurz vor Liquidierung des Lagers vernichtet. Es ist aber bekannt, dass Transporte mit ́evakuierten ́ Juden aus D
eutschland, die im April 1942 im Ghetto in Piaski angekommen waren, weiter ins Vernichtungslager Sobibor geleitet worden sind. Demnach ist anzunehmen, dass die beiden Frauen in Sobibor ermordet wurden.

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