Biografie von Minna Dessauer
Die Erzieherin Minna Dessauer lebte bei ihrem Schwager und der Schwester, Fritz und Grete Schönfeld. Seit Februar 1942 war sie im "Judenhaus" Kommenderiestraße 11 gemeldet. Im Juli 1942 wurde Minna Dessauer zusammen mit weiteren 27 Juden aus Osnabrück nach Theresienstadt deportiert. Von ihrer Schwester, ihrem Schwager und den Neffen nahm sie unmittelbar vor ihrer Deportation in einem Brief vom 26. Juli 1942 Abschied. Kurz zuvor hatten sie sich noch in der Kommenderiestr. 11 ein letztes Mal sehen können:
"Meine Lieben Alle! Vor meiner Abreise aus Osnabrück sage ich Euch allen nochmals herzlichst Lebewohl. Der Abschied ist mir furchtbar schwer geworden, doch ich habe es nicht gezeigt. Ich gehe mit der festen Hoffnung von hier, Euch alle, meine Lieben, in absehbarer Zeit gesund wieder zu sehen. Mein heißester Wunsch, die geliebten Kinder möchten Euch erhalten bleiben, ist bis jetzt erfüllt. Darum gehe ich wohl traurig aber getrost von hier. Möge Euch der l[iebe] Gott behüten und Euch langes Leben in Gesundheit zusammen mit Kindern und Kindeskindern bescheren. Nimmt der Krieg ein glückliches Ende, so kann ich auch noch hoffentlich eine kurze, aber friedliche Zeit daran teilnehmen"
Postkarte von Minna Dessauer aus dem Ghetto Theresienstadt Auch während des Transports nach Theresienstadt über Münster und Bielefeld suchte Minna Dessauer den Kontakt zu ihrer Familie in Osnabrück aufrecht zu erhalten: "Bin soeben wohlbehalten hier (Münster) angelangt. Hier sind sehr viele Menschen, auch M
Gottschalk. Wir müssen auf Pritschen schlafen, es ist zu ertragen." Aus Bielefeld berichtet sie: "Heute in Bielefeld gab es Bohnensuppe mit Wurst, [
] macht Euch keine Sorgen." Ein Jahr nach ihrer Ankunft im Ghetto Theresienstadt schreibt sie an ihre Schwester in Wetzlar: "Ich bin gesund, habe Landsleute um mich und eine leichte, angenehme Beschäftigung als Kartoffelschälerin." Ein Überlebender des Ghettos Theresienstadt berichtet dagegen: "Vier von uns schleppten schwere Kartoffelsäcke in einen kleinen Raum der Kaserne, [
] wo etwa 100 Frauen, meistens ältere, vom frühen Morgen bis zum späten Abend Kartoffeln schälten. Mittags und spät abends trugen wir die Schalen in den Keller, wo hungrige Menschen darauf warteten, sie nach Essbarem zu durchwühlen. Die Luft in den überfüllten Räumen war zum Ersticken. Die Frauen saßen auf harten Brettern, bis sie kaum mehr sitzen konnten, und schälten, bis ihre Hände wund waren."
Von Theresienstadt wurde Minna Dessauer 1944 in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie umkam.
Quellen: Junk, Peter; Sellmeyer, Martina: Stationen auf dem Weg nach Auschwitz. Bramsche ³2000, S. 207-212.
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