[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-5486":3,"supporters":29,"nearby-5486":37},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":8,"audio":9,"coords":10,"stones":13,"town":20},"5486","Emma Helene Wahl","Emma Helene Wahl wurde am 7. Mai 1894 als 5. Kind von insgesamt 7 Kindern des Metzgermeisters Wilhelm Friedrich Wahl und seiner Ehefrau Christine Margarete Stier in Strümpfelbach (heute Weinstadt-Strümpfelbach) geboren. Zwei ihrer Geschwister verstarben bereits in frühen Kindesjahren. Ihre Eltern erhielten 1867 vom Oberamt Waiblingen eine Schankerlaubnis für das Gasthaus Rose, die sie neben einer Metzgerei in der Hauptstraße 64 in Strümpfelbach betrieben. Die Metzgerei Wahl bestand noch mehr als 150 Jahre und musste Ende des Jahres 2019 schließen.\r\n\r\nEmmas Vater verstarb am 6. Februar 1928 und hinterließ ihr eine kleine Erbschaft. Emma galt schon zu diesem Zeitpunkt als geistesschwach, so dass die Gemeinde für sie zum 10. März 1928 den Gemeinderat und Weingärtner Ernst Idler als Pfleger bestellte.\r\n\r\nPrimäre Aufgabe von Pflegern ist es, sich um Unterbringung und Vermögensangelegenheiten ihrer Pflegebefohlenen zu kümmern. So schreibt Ernst Idler in seinem Bericht über den Zeitraum vom 1. August 1929 bis 1. August 1934 an das Vormundschaftsgericht Strümpfelbach, dass Emma Wahl bei ihrer Mutter gut untergebracht sei. Bei ihrer Mutter konnte Emma bis kurz vor deren Tod leben. Am 18. Februar 1938 jedoch kam Emma Helene Wahl in das Samariterstift Obersontheim, das zur damaligen Zeit auch als „Krüppelheim“ bezeichnet wurde. Die Mutter verstarb wenig später am 6. März 1938. Es ist anzunehmen, dass sich ihre Mutter in den letzten Wochen ihres Lebens nicht mehr in ausreichendem Maße um Emma kümmern konnte.\r\n\r\nDie Kosten für ihre Heimunterbringung beglich Emmas Pfleger Ernst Idler aus ihrem Erbe. Das Pflegschaftsvermögen war Ende 1939 aufgezehrt. In seinem Pflegschaftsbericht vom September 1940 bat Ernst Idler daher das Vormundschaftsgericht, die Pflegschaft auzuheben. Ab diesem Zeitpunkt war vermutlich die Heimleitung in Obersontheim ganz für Emma verantwortlich.\r\n\r\nDas Heim erhielt im Sommer 1940 eine Aufforderung des Reichsinnenministeriums zwei Meldebögen spätestens bis zum 15. September 1940 auszufüllen. Im ersten Meldebogen sollten Arbeitsfähigkeit, Art der Erkrankung, „Rassenzugehörigkeit“ und Dauer des Anstaltsaufenthalts der Patient:innen erfasst werden. Der zweite Meldungsbogen diente zur Datenerhebung über die Einrichtung selbst, um beispielsweise eine mögliche Umwidmung als Lazarett zu erleichtern.\r\nDer Leiter des Samariterstifts war sofort alarmiert und schrieb:\r\n\r\n\"Und nun kommen die Meldebogen des Reichsministeriums des Inneren. Es liegt auf der Hand, dass nach all’ dem, was über Grafeneck im Umlauf ist, eine nicht leicht zu nehmende Beunruhigung entstanden ist, ob und wie die Meldebogen auszufüllen sein sollten. …. Zunächst halte ich mich mit der Ausfüllung der einzelnen Meldebogen zurück, bis ich, sei es von Ihnen, sei es von den oben angeführten Stellen, eine Meinungsäußerung bekommen habe. Auf Grund der Grafenecker Vorgänge kann ich nur mit tiefer Sorge dem Kommenden entgegensehen…\"\r\n\r\nAus dem Schreiben des Vorstands der Samariterstiftung Pfarrer Nathanael Fischer vom 4. September 1940 an den Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Krüppelheime der Inneren Mission, Pastor Hans Vietor.\r\n\r\nPastor Vietor antwortete erst im November, deutlich nach der vom Reichsinnenministerium genannten Frist:\r\n\r\n\"Sie wissen, wie sehr wir mit Ihnen die ganze Angelegenheit auch auf betendem Herzen tragen, aber Sie werden verstehen, dass wir im Augenblick nichts tun dürfen, was der Sache vielleicht mehr schadet als nützt.\"\r\n\r\nAuch die Bemühungen Pfarrer Fischers bei der Reichskanzlei und beim württembergischen Innenministerium ein Einlenken zu bewirken blieben erfolglos.\r\nEnde Oktober 1940 setzte Obermedizinrat Otto Mauthe ein Ultimatum und drohte mit der Schließung des Heims, sollten die Meldebogen nicht endlich vorliegen. Nach Abstimmung mit dem Beirat wurde eine Liste von 15 Personen erstellt. Pfarrer Fischer schrieb dazu:\r\n\r\n\"Wir übersenden Ihnen anbei die gewünschte Liste derjenigen Insaßen des Samariterstifts (Krüppelheim) Obersontheim, die u.E. möglicherweise als Schwachsinnige, Epileptische und Geisteskranke im Sinne der im Gang befindlichen Erhebungen in Betracht kommen, ohne damit unsererseits dazu Stellung nehmen zu wollen, ob es sich wirklich um Schwachsinnige, Epileptische und Geisteskranke in diesem Sinne handelt. Wir sind Laien und können und als solche kein Urteil darüber erlauben, ob es sich bei den in der Liste aufgeführten Personen wirklich um Schwachsinnige, Epileptische und Geisteskranke handelt.\"\r\n\r\nIn der Niederschrift der Beiratssitzung hieß es noch deutlicher, dass man die medizinische Beurteilung der aufgelisteten Personen den Ärzten Dr. Mauthe und Dr. Eyrich überlasse.\r\n\r\nAm 14. November 1940 traf Dr. Mauthe in Obersontheim ein, um sich die gemeldeten Personen vorführen zu lassen. Er beurteilte fünf von ihnen als „lebensunwert“. Damit war ihr Schicksal besiegelt: Sie sollten gemäß des Euthanasie-Programms ermordet werden. Eine davon war Emma Helene Wahl. Zusammen mit drei Mitpatientinnen wurde sie am 14. März 1941 in die Königliche Heilanstalt für Geisteskranke auf dem Gutshof Weißenhof in Weinsberg verlegt. Das fünfte ausgewählte Opfer starb vermutlich bereits vor der Verlegung.\r\n\r\nDie sogenannten Abgabeanstalten hatte seitenlange Anweisungen mit genauen Vorgaben erhalten, wie sie Eigentumsnachweise ihrer zur Deportation selektierten Patienten:innen aufzustellen hatten. Dies zeigt einmal mehr den bürokratischen Wahnsinn, den die NS-Diktatur bei der Vernichtung unerwünschter Mitmenschen betrieb.\r\n\r\nDer Name Weißenhof wurde zunehmend synonym für das psychiatrische Krankenhaus verwendet. Der Weißenhof wurde im Rahmen der T4-Aktion zur „Zwischenanstalt Weinsberg“. Hier wurden Patienten aus anderen Heilanstalten gesammelt und zu den Tötungsanstalten in Grafeneck und Hadamar weitertransportiert.\r\nInnerhalb von zwei Jahren, im Zeitraum Januar 1940 bis Ende 1941, wurden so insgesamt 908 Patienten, in die Vernichtungsanstalten transportiert. 426 kamen aus Weinsberg und 482 aus anderen Anstalten.\r\nDer amtierende Anstaltsvorstand Karl Eugen Jooss versuchte, sich gegen die Einrichtung eines Sammelpunktes für Euthanasie-Transporte zu wehren. Angesichts der sich bald darauf einstellenden Todesnachrichten war ihm schnell der Zweck der Transporte klar. Auch hier war es wiederum Otto Mauthe, der mit der Schließung des Weißenhofs drohte. Jooss konnte nur erreichen, dass das Weinsberger Personal nicht aktiv an den Transporten teilnahm. Stattdessen wurden die Transporte von Personal anderer Anstalten durchgeführt.\r\n\r\nDie staatliche Heil- und Pflegeanstalt Winnental stellte Transportleiter und Begleitpersonal, außerdem wurden zwei weitere Pflegerinnen nach Weinsberg abordnet. Die Route des Transports führte von der Landesfürsorgeanstalt Rabenhof bei Ellwangen über die Anstalt Tempelhof bei Crailsheim, das Samariterstift Obersontheim und die Diakonissenanstalt Schwäbisch Hall in das ca. 70 km entfernte Weinsberg bei Heilbronn. Dort standen die zwischenverlegten psychisch erkrankten und geistig behinderten Menschen zunächst unter Beobachtung, sofern sie von der Abgabeanstalt als arbeitsfähig bezeichnet wurden. Bei ausreichender Arbeitsleistung konnten sie nach Genehmigung zurück verlegt werden. Emma Wahl und die mit ihr aus Obersontheim abtransportierten Frauen Marie Heinrich, Rosine Hummel und Anna Katz fielen nicht unter diese Kategorie. Am 4. April 1941 wurden sie von der Zwischenanstalt Weinsberg nach Hadamar gebracht und dort am selben Tag mittels Gas grausam ermordet.\r\n\r\nIn der Zwischenanstalt Weinsberg zog Jooss entgegen der ihm unter Todesdrohung auferlegten Schweigepflicht seine engsten Mitarbeiter über die Hintergründe der Transporte ins Vertrauen. Indem man den Begriff der Arbeitsfähigkeit der Kranken möglichst weit gefasst hat oder indem man Kranke von ihren Angehörigen aus der Anstalt abholen ließ, gelang es zahlreiche Kranke vor dem sicheren Tod zu retten. Anstaltsleiter Jooss nahm sich im September 1945 das Leben, als bekannt wurde, dass ihn die amerikanischen Besatzungsmächte von seiner Stelle absetzen wollten.\r\n\r\nMauthe versuchte sich später zu rechtfertigen, er wäre „selbst von oben her gedrückt“ worden.\r\nIm sogenannten Grafeneck-Prozess verurteilte das Schwurgericht Tübingen Mauthe am 5. Juli 1949 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form der Beihilfe zu einer fünfjährigen Haftstrafe.\r\nOtto Mauthe trat die Haftstrafe nie an; aus „gesundheitlichen Gründen“ sah die Justiz 1958 endgültig von einer weiteren Strafverfolgung ab. Er starb am 22. Mai 1974 in Stuttgart.\r\n\r\nÜber das Leben von Emma Wahl haben wir leider nur sehr wenig Information zusammentragen können. Wir wissen nichts über ihre Kindheit, ob sie in jungen Jahren im Gasthaus oder der Metzgerei ihrer Eltern leichte Arbeiten übernehmen und mithelfen konnte. Wir wissen auch nicht, was ihr Freude bereitete, an welchen Tätigkeiten und Beschäftigungen sie Spaß hatte, ob sie Freunde hatte und wie die Beziehung zu ihren Geschwistern war. Ebenso haben wir keine Informationen über ihr Leben in Obersontheim finden können. Nur ihre Pflegschaftsakte belegt, dass sie dort war. Informationen über ihren Leidensweg sind ab dem Zeitpunkt ihrer Deportation aus Obersontheim belegt.",[],[],null,{"lat":11,"lng":12},48.7837914,9.3655662,[14],{"id":15,"firstname":16,"name":17,"portrait":9,"gender":18,"stadium":19},"11784","Emma Helene","Wahl","female","adault",{"id":21,"coords":22,"title":25,"association":26,"impressum":27,"association_url":28},"364",{"lat":23,"lng":24},48.812361,9.364762,"Weinstadt","Bürgerinitiative STOLPERSTEINE für Weinstadt","","https:\u002F\u002Fstolpersteine-weinstadt.de\u002F",{"count":30,"anonymous":31,"names":32},10,6,[33,34,35,36],"Martin Schreyer","Claudia Körner","Anett Humboldt","Peter Hein",[38,57,75,93],{"place":39,"stone":54,"distance":56},{"id":40,"title":41,"coords":42,"stones":45},"5487","Reinhold Wilhelm",{"lat":43,"lng":44},48.7804762,9.369949,[46],{"id":47,"firstname":48,"name":49,"portrait":50,"gender":53,"stadium":19},"11785","Reinhold","Wilhelm",{"original":51,"thumb":52},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F7907b31897bca3ba3f44ac75c92e26cb.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F7907b31897bca3ba3f44ac75c92e26cb_thumb.jpg","male",{"id":47,"firstname":48,"name":49,"portrait":55,"gender":53,"stadium":19},{"original":51,"thumb":52},489,{"place":58,"stone":72,"distance":74},{"id":59,"title":60,"coords":61,"stones":64},"5489","Gotthilf Eugen Lenz",{"lat":62,"lng":63},48.7930972,9.4010367,[65],{"id":66,"firstname":67,"name":68,"portrait":69,"gender":53,"stadium":19},"11787","Gotthilf Eugen","Lenz",{"original":70,"thumb":71},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002Fc170f44da59c8d1131f624a73f6d6abc.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002Fc170f44da59c8d1131f624a73f6d6abc_thumb.jpg",{"id":66,"firstname":67,"name":68,"portrait":73,"gender":53,"stadium":19},{"original":70,"thumb":71},2797,{"place":76,"stone":90,"distance":92},{"id":77,"title":78,"coords":79,"stones":82},"5371","Alfred Herbst",{"lat":80,"lng":81},48.81010845,9.367469595,[83],{"id":84,"firstname":85,"name":86,"portrait":87,"gender":53,"stadium":19},"11546","Alfred","Herbst",{"original":88,"thumb":89},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F811b6cca128c5a2c272537f5ddd5eed1.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F811b6cca128c5a2c272537f5ddd5eed1_thumb.jpg",{"id":84,"firstname":85,"name":86,"portrait":91,"gender":53,"stadium":19},{"original":88,"thumb":89},2930,{"place":94,"stone":105,"distance":106},{"id":95,"title":96,"coords":97,"stones":100},"5370","Friederike Anna Linder",{"lat":98,"lng":99},48.81726353,9.387936705,[101],{"id":102,"firstname":103,"name":104,"portrait":9,"gender":18,"stadium":19},"11545","Friederike Anna","Linder",{"id":102,"firstname":103,"name":104,"portrait":9,"gender":18,"stadium":19},4067]