[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-5245":3,"supporters":32,"nearby-5245":40},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":8,"audio":9,"coords":10,"stones":13,"town":25},"5245","Helene und Adolf Grünwald","Nikolaistr.\u002FSchulgasse1\r\nGeschäft von Adolf Grünewald, Zuzug 1919, 18 Jahre in Löbau\r\n„Görlitzer Schuhhaus“ von preiswert bis teurer Markenschuh, Alleinvertretung „Salamander“\r\nWohnung: Altmarkt 4, 2.Stock\r\nGrünewald Adolf, 1880-1937 (Suizid) Grab: Jüdischer Friedhof Zittau\r\nGrünewald Helene, geb. Feibusch, Ehefrau v. A. 1886-1942 (Ghetto Riga)\r\n\r\n\"Der Freitod Adolf Grünewalds\r\n\r\nDa jüdische Geschäfte keine Möglichkeit mehr hatten, in den Zeitungen zu werben, ließ der Inhaber des „Görlitzer Schuhhauses“ Adolf Grünewald im Frühjahr 1936 ein Reklameblatt drucken, in dem er anlässlich der am Palmsonntag allerorts stattfindenden Konfirmation Schuhe für die Konfirmanden anbot.\r\n\r\nDafür wurde Adolf Grünewald im „Stürmer“ vom Löbauer Pfarrer Karl Fischer angeprangert, beleidigt und verleumdet: „Ein Nachkomme der Christusmörder sucht aus dem Christentum Kapital zu schlage. […] Als Pfarrer und Nationalsozialist verbitte ich mir mit allen aufrechten Deutschen, das ein Jude den hohen Festtag der Einsegnung in den Dienst einer üblen Geschäftemacherei stellt. Als Geldquelle sind wir Christen dem Judentum gut genug. […] Unsere Selbstachtung verbietet es uns, bei einem Volke die Einkäufe zu tätigen, dass nur einen Gott anbetet: den Mammon!“ Pfarrer Fischer war NSDAP-Mitglied und leitete als Zellenwart die Zelle 1 der Ortsgruppe Löbau. Als überzeugter Nationalsozialist war er Leiter der Löbauer Ortsgemeinde der Deutschen Christen. Das war die rassistische, antisemitische und am Nationalsozialismus ausgerichteten Bewegung der evangelischen Kirche.\r\n\r\nAdolf Grünewald, ein ehrbarer Kaufmann, wurde nicht nur „übler Geschäftemacherei“ bezichtigt, sondern Fischer verhöhnte ihn, indem er sich und seine Gesinnungsgenossen als „aufrechte Deutsche“ bezeichnete. Dagegen hatte sich Adolf Grünewald immer als aufrechter Deutscher verstanden. Seine Haltung war patriotisch und national, wie die vieler deutscher Juden, insbesondere der Frontkämpfer des ersten Weltkrieges.\r\n\r\nFür alle jüdischen Kaufleute, deren Gewerbe oft in der Tradition ihrer Familie stand, und die als ehrbare Kaufleute sich von Werten und Tugenden wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und verantwortungsvolles wirtschaftliches Handeln hatten leiten lassen, war die grundlose, bewusste Zerstörung ihres guten Rufes durch die Nationalsozialisten ein ungeheurer ideeller Verlust.\r\n\r\nWie in anderen jüdischen Geschäften Löbaus blieben auch im „Görlitzer Schuhhaus“ in den folgenden Monaten die Kunden mehr und mehr aus. Der sich abzeichnende Ruin, die Verleumdungen und Beleidigungen seiner Person und die Nationalsozialisten, die aus dem Rathaus das „Görlitzer Schuhhaus“ im Blick hatten und darauf lauerten, dass dort ein nichtjüdischer Kunde herauskäme, um diejenigen zu fotografieren, trieben Adolf Grünewald zu einer letzten, endgültigen Entscheidung. Am frühen Nachmittag des 20. Oktober 1937, einem Mittwoch, erhängte sich der Löbauer Kaufmann Adolf Grünewald im Verkaufsraum seines Geschäfts. Am Anzug trug er das Eiserne Kreuz 1. Klasse, seine höchste Kriegsauszeichnung. Aufgefunden wurde er nachmittags gegen halb drei Uhr. \r\n\r\nIn seinem Freitod, erzwungen durch die nationalsozialistische Rassenpolitik, sah Adolf Grünewald wohle die letzte Möglichkeit, seine Würde zu bewahren. Sein Freitod war auch eine Anklage derer, die ihn verleumdet, beleidigt und boykottiert hatten. Die Anzeige des Sterbefalles beim Standesamt der Stadterfolgte durch den ersten Bürgermeister Dr. Ungethüm. Damit blieb der Witwe Helene Grünewald der schwere Gang ins Rathaus erspart und sie war in ihrem Schmerz nicht den Blicken derer ausgesetzt, die mit ihrem Judenhass dazu beigetragen hatten, ihren Mann in den Tod zu treiben. Unterstützung wird Helene Grünewald in diesen schweren Tagen ihrer Nichte Ruth Zander, sowie von ihrer Schwester Berta (Betty) Jacobsohn, geb. Feibusch und ihrem Schwager Aron Jacobsohn aus Bautzen erhalten haben. Adolf Grünewald, 57 Jahre alt, wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Zittau beerdigt. Sein schlichtes Grab ist dort erhalten geblieben.\r\n\r\nHelene Grünewald verließ nach dem Tod ihres Mannes Löbau. Ob sie zuerst nach Bautzen ging oder gleich nach Berlin übersiedelte, ist unbekannt.  Nach 23 Jahren wurde das „Görlitzer Schuhhaus“ in Löbau, das die ledige Helene Feibusch 1914 mit viel Energie eingerichtet und eröffnet hatte, geschlossen und in den folgenden Monaten verkauft. Der „arische“ Käufer war Schuhmachermeister Paul Zimmermann, der das „Görlitzer Schuhhaus“ am 15. Februar 1938 als „rein arisches Geschäft“ eröffnete.\"\r\n\r\n(Das ist ein Auszug aus „Juden in Löbau geachtet – diskriminiert – verfolgt - ermordet“ von Regina Wünsche, Herausgeber ist das Stadtmuseum Löbau, 2022)\r\n\r\nFrau Wünsche hat diese, ihre Recherchen und Forschungen zur Stolpersteinverlegung vorgetragen.",[],[],null,{"lat":11,"lng":12},51.0950354,14.66656793,[14,20],{"id":15,"firstname":16,"name":17,"portrait":9,"gender":18,"stadium":19},"11210","Adolf","Grünewald","male","adault",{"id":21,"firstname":22,"name":23,"portrait":9,"gender":24,"stadium":19},"11211","Helene","Grünewald (geb. Feibusch)","female",{"id":26,"coords":27,"title":30,"association":31,"impressum":31,"association_url":31},"349",{"lat":28,"lng":29},51.098133,14.667624,"Löbau\u002FSachsen","",{"count":33,"anonymous":34,"names":35},10,6,[36,37,38,39],"Martin Schreyer","Claudia Körner","Anett Humboldt","Peter Hein",[]]