[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-5219":3,"supporters":56,"nearby-5219":64},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":14,"audio":15,"coords":16,"stones":19,"town":47},"5219","Familie Fickert","Familie Fickert – Mittweidaer Straße 8, Frankenberg-Sachsenburg\r\n\r\nDer Leidensweg der Familie Fickert steht stellvertretend für die zahlreichen Bibelforscher (seit 1931: Jehovas Zeugen), die im Nationalsozialismus verfolgt worden sind. Otto Johannes Fickert sen. wurde am 02.10.1903 in Glauchau (Sachsen) geboren. Nach dem Besuch der Schule erlernte er das Friseurhandwerk. Er heiratete die um sechs Jahre jüngere Herta Ida Sofie Leipelt, die aus der Hansestadt Lübeck stammte. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, die in Sachsenburg geboren wurden: Herta Elisabeth (geb. 06.08.1929) und Johannes Otto (geb. 01.09.1930).\r\nSeit dem Jahr 1929 lebten die überzeugten Bibelforscher in Sachsenburg und führten im Haus Nr. 62 (heute: Mittweidaer Straße 8) ein Friseurgeschäft. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten beteiligten sie sich weder an Versammlungen noch an Geldsammlungen oder an Umzügen. Sie verweigerten das Hissen der Hakenkreuzflagge. Wegen „staatsfeindlicher Gesinnung“ wurde Otto Fickert am 11.03.1935 von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen. Vorausgegangen war eine Anzeige gegen ihn sowie eine Haussuchung. \r\nOtto Fickert, der wohl auch schon 1934 kurzzeitig in Polizeigewahrsam war, wurde in das von seiner Wohnung nur wenige hundert Meter entfernt gelegene KZ Sachsenburg überstellt. Vermutlich wurde Otto Fickert am 19.06.1935 wieder aus dem Lager entlassen. Kaum in Freiheit wurde Otto Fickert erneut verhaftet. Er hatte im Herbst 1935 eine illegale Bibelstunde organisiert, die in einer Privatwohnung auf dem Schloss Sachsenburg stattfand. Die Beteiligten erhielten ein vierteljährliches Ausgehverbot. Otto Fickert kam erneut in das KZ Sachsenburg, dieses Mal für acht Wochen. \r\nOtto Fickert wurde am 08.02.1937 wieder von der Gestapo verhaftet – dieses Mal zusammen mit seiner Frau. Das Sondergericht Freiberg verurteilte ihn am 23.09.1937 zu zwei Jahren Gefängnis wegen „Zuwiderhandlung gegen das Verbot der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher“. Die Haftstrafe verbüßte er im Zuchthaus Bautzen. Im Steinbruch Heeselicht (heute Ortsteil von Stolpen) wurde er zur Zwangsarbeit eingesetzt. Herta Fickert wurde am 07.12.1937 vom Sondergericht Freiberg zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Unter Polizeibewachung konnte sie ihre Kinder bei den Großeltern unterbringen. Die Strafe verbüßte Herta Fickert bis zum 26.07.1939 im Frauengefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf. \r\nAuch die Eltern von Herta Fickert in Lübeck, Marie und Paul Leipelt, bekannten sich zum Glauben der Zeugen Jehovas. Aus diesem Glauben heraus standen sie einer benachbarten jüdischen Familie bei, sodass diese mit Glück das NS-Regime überlebt. „Das ist das einzige positive, an das ich mich aus dieser Zeit erinnern kann“, sagte das erste Kind von Herta und Otto Fickert später. Die Verbundenheit zu der Nachbarfamilie war so groß, dass Herta Fickert später ein weiteres Kind (aus zweiter Ehe) nach der Großmutter der jüdischen Familie mit dem Vornamen Hanna nannte.\r\nNach dem Ende der Haftzeit weigerte sich Otto Fickert, gegenüber der Gestapo seinem Glauben abzuschwören. Am 28.04.1939 wurde Otto Fickert deshalb in das KZ Sachsenhausen überstellt. Am 8.02.1940 erhielten Fickerts Schwiegereltern ein Telegramm mit dem kurzen Wortlaut: „Schwiegersohn Otto an Herz- und Kreislaufschwäche verstorben – Kommandant“.  Er war am Mittag des 7.02.1940 den unmenschlichen Haftbedingungen erlegen.\r\nEin Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes ging Herta Fickert eine neue Ehe ein. Am 04.07.1941 heiratete sie in Lübeck Ernst Albert Rudolf Wilhelm Stebell. Das Ehepaar schenkte zwei weiteren Töchtern das Leben: Hanna (geb. 18.04.1944) und Gisela (geb. 08.06.1946). 1949 wurde der Sachsenburger Vermieter der Familie Fickert, Max Schreckenbach, sowie der frühere NSDAP-Ortsgruppenleiter Vincenz Parma wegen der Denunziation der Familie Fickert zu jeweils zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie waren der „Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ für schuldig befunden worden. \r\nZwischen 1945 und 1989 wird Otto Fickert zwar als Sachsenburger KZ-Todesopfer zwar nicht verschwiegen, es bleibt aber in der Regel unerwähnt, dass er aufgrund seines Glaubens als Zeuge Jehovas von den Nationalsozialisten umgebracht wurde. „Für meinen Bruder und mich war die NS-Zeit sehr schwierig. Wir haben keine normale Kindheit gehabt. Wir haben als Kinder ständig in Angst gelebt“, sagt die seit Jahrzehnten in den USA lebende Tochter von Otto Fickert, Elisabeth Dopazo, die 2024 95 Jahre alt wurde. Das Credo ihres Vaters wurde zu ihrer Lebensmaxime: „Er hat immer zu uns gesagt: „Wenn ihr erwachsen werdet, lernt andere Sprachen, reist viel umher in andere Länder, um andere Kulturen kennenzulernen, und seid nett zu jedem Menschen. Denkt daran, dass alle Menschen wie eine internationale Bruderschaft sind.“ \r\n\r\nText\u002FRecherche: Dr. Jürgen Nitsche, Sebastian Reichert\r\n\r\nPaten: Landkreis Mittelsachsen, Gemeinde der Zeugen Jehovas Frankenberg, Renate Glinka",[8],{"original":9,"thumb":10,"caption":11,"width":12,"height":13},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fad2dbe3a5d94dc8d0e9e557aabbbff00.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fad2dbe3a5d94dc8d0e9e557aabbbff00_thumb.jpg","Verlegung am 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