[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-1901":3,"supporters":37,"nearby-1901":45},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":8,"audio":9,"coords":10,"stones":13,"town":28},"1901","Familie Herz","Der Vater von Moses Herz war Isaak Herz (geboren 1844), der aus Bolochow\u002F\r\nGalizien, heute Ukraine, nach Dornheim\u002F Mittelfranken ausgewandert und\r\ndort als Rabbi und Lehrer tätig war; dort heiratete er auch seine Frau Sarah Sofie.\r\nSofie - mit diesem Namen unterschrieb Frau Herz z.B. ihre Heiratsurkunde.1871 wurde ihre Tochter Mina geboren und am 19. November 1873 der Sohn Moses. Um ihren Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen, zog die Familie u. a. nach Aschaffenburg und nach Berlin, wo der Vater eine eigene Gemeinde gründete und als Talmud-Gelehrter wirkte. Die letzten Monate vor seinem Tod im Dezember 1917 verbrachte er bei seinem Sohn Moses Herz in Bad Homburg.\r\nSofie Herz (geboren 5. August 1866) stammte aus der alteingesessenen jüdischen\r\nFamilie Haas aus Prichsenstadt, wo ihr Vater Bär\u002FBernhard Haas - nach\r\ndem Zeugnis von Sophoni Herz - ein angesehener Antiquitätenhändler war.\r\nSeine Kunden kamen aus wohlsituierten bis adligen Kreisen, u.a. waren dies Prinz\r\nLuitpold von Bayern und ein Graf von Schönborn. Letzterer stellte ihm sogar\r\neinen Einspänner zur Verfügung, damit Bernhard Haas in der umliegenden Gegend\r\nKunstschätze, vor allem Barock-Artikel aufkaufen konnte.\r\nMoses Herz, als Lehrer und Kantor in Köln und Würzburg ausgebildet, startete\r\nseine berufliche Laufbahn in Prichsenstadt\u002FUnterfranken in einer kleinen jüdischen\r\nGemeinde (54 Mitglieder). Dort heirateten am 28. Februar 1897 Moses\r\nHerz und Sofie Haas.\r\nBald schon verzog die Familie nach Regensburg in eine größere Gemeinde.\r\n1898 bewarb sich Moses Herz auf die Anzeige der Israelitischen Kultusgemeinde\r\nBad Homburg. Er wurde dort im selben Jahr als Kantor, Lehrer und\r\nShochet (ritueller Schlächter) angestellt, d.h. er bekleidete das höchste Amt neben\r\ndem Rabbiner in der jüdischen Gemeinde Bad Homburg.\r\nFamilie Herz hatte vier Kinder, drei Söhne und die Tochter Bessy.\r\nDer älteste Sohn Arno (geboren 1898) studierte Medizin, wurde Arzt und war u. a. in\r\nBerlin tätig; er emigrierte 1935 mit seiner Familie nach USA. Mehrere Mitglieder der\r\nHerz-Familie konnte er durch Affidavits retten; leider arbeitete das amerikanische\r\nImmigrations-Office zu langsam, so dass seine Eltern und seine Schwester Bessy\r\nkein Affidavit erhalten konnten.\r\nErwin (geboren 1903) wurde Journalist bei der Zeitschrift „Lyon“, er konnte\r\nebenfalls nach USA emigrieren.\r\nSophoni(geboren 1905), der spätere Verfasser der Bücher „Meine Erinnerung\r\nan Bad Homburg und seine 600jährige jüdische Gemeinde (1335 – 1942)“ von\r\n1971 und „The Herzens and Life in Germany“ 1977, konnte 1939 mit Hilfe einer\r\nirischen Hilfsorganisation nach Australien emigrieren und verzog später mit seiner\r\nFamilie nach Rechovot\u002FIsrael. Sein Sohn David der heute mit seiner Familie dort\r\nlebt, kam im Jahr 2014 mit seinem Bruder Shimon, der in New York wohnt, nach\r\nBad Homburg, um der Stadt die Neuauflage des zweiten väterlichen Buches zu\r\nüberreichen.\r\nBessy wurde am 14. Oktober 1899 in Bad Homburg geboren. Sie blieb wahrscheinlich\r\nbei den Eltern, um sie bei ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen, u.a.bei der Aufnahme und Bewirtung von durchreisenden Juden. Auf Bessys Einwohnermeldekarte\r\naus dem Stadtarchiv Bad Homburg ist vermerkt, dass sie ab Anfang 1940 in Berlin\u002FBadenschestr. 15 lebt und hin und wieder nach Bad Homburg zurückkehrt\r\nbzw. ab 2. Oktober 1940 für acht Wochen zu Besuch bei den Eltern in Bad  Homburg weilt. Am 26. Mai 1941 kehrt sie endgültig zu den Eltern zurück. Schon am\r\n10. Juni 1942 wird sie aus Bad Homburg nach Sobibor deportiert. Allerdings geben\r\ndie Akten dieses Konzentrationslagers keine Auskunft über ihr weiteres Schicksal.\r\nIhr Tod wird durch das Amtsgericht Bad Homburg am 15. Dezember 1954 für den 31. Dezember 1945 festgesetzt.\r\nDie erste Wohnung in Bad Homburg hatte die Herz-Familie in der Elisabethenstraße\r\n12, direkt neben der Synagoge.\r\nVon 1906 bis 1917 wohnte sie dann in der Louisenstr. 42, wo die Eltern versuchen mussten, mit einem bescheidenen Gehalt des Vaters ihr Leben zu meistern. Moses Herz war eine Art „Untergebener“ in einer traditionsreichen Kehillah (Gemeinde), der nach den Regeln einer streng orthodoxen Gemeinde seine Ämter versehen musste. Dazu\r\ngehörten die gewissenhafte Gestaltung der Gottesdienste und die Lehrtätigkeit\r\nin der Schul (Synagoge). 1917 kaufte das Ehepaar Herz ihr Haus in der Kisseleffstraße\r\n14.\r\nKantor Herz war ein tief religiöser Mensch, und so praktizierten er und seine\r\nFamilie die strengen Vorschriften des orthodoxen Judentums.\r\n1909 agierte er einmal politisch-religiös, indem er der 1. Konferenz der „Organisation\r\nder streng Orthodoxen Juden der Welt“ in seiner Wohnung Louisenstr. 42\r\neinen Tagungsort gewährte; 1912 wurde diese Organisation offiziell in Kattowitz\r\n(Polen) gegründet als Gegengruppierung zu Herzls Israel-Programm, das er 1897\r\nauf dem Baseler Zionisten-Kongress bekannt gemacht hatte.\r\nKantor Herz setzte sich ein für ein Israel, dessen staatliche Grundlagen rein religiös\r\ngeprägt sein sollten.\r\nMoses Herz nahm auch am öffentlichen Leben in seiner Stadt teil: Er gehörte z.B.\r\nzu der „Vereinigung deutscher Lehrer“ und er war Mitglied im „Cäcilien-Gesang-\r\nVerein Homburg“.\r\nDie antisemitischen Ausschreitungen gegen Juden fanden ihren Höhepunkt in\r\nHomburg in dem Pogrom vom 10. November 1938. Im sogenannten „Judenhaus“\r\nKisseleffstr.14 - hier mussten verschiedene Juden wohnen, die aus ihren\r\nWohnungen vertrieben worden waren - nahm der Zerstörungszug zahlreicher\r\nNazis aus Bad Homburg und Umgebung seinen Anfang. Die ganze Wohnung der\r\nFamilie Herz wurde zerstört und die Bewohner traumatisiert zurückgelassen.\r\nSophoni Herz beschreibt bei dem Abschied von seinen Eltern, etwa ein Jahr danach, dass sie auf dem nackten Boden schlafen mussten, weil ihnen nichts mehr von der Einrichtung ihrer Woh- Kisseleffstr. 14 nung geblieben war. Aber, so schreibt ihr\r\nSohn, ihr Glaube war nicht erschüttert. Am 28. August 1942 wurden Moses und\r\nSarah Sofie Herz zuerst nach Frankfurt, dann am 2. September mit dem Transport\r\nXII - 960 nach Theresienstadt und weiter in das Konzentrationslager Treblinka\r\ngebracht, wo sie am 29. September 1942 zu Tode kamen.\r\nSo teilten sie das gleiche Schicksal, den gewaltsamen Tod, mit ihrer Tochter Bessy.\r\n■ Margret Nebo",[],[],null,{"lat":11,"lng":12},50.226365,8.62146,[14,20,25],{"id":15,"firstname":16,"name":17,"portrait":9,"gender":18,"stadium":19},"3731","Moses","Herz","male","adault",{"id":21,"firstname":22,"name":23,"portrait":9,"gender":24,"stadium":19},"3732","Sarah Sofie","Herz geb. 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