[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-5037":3,"supporters":63,"nearby-5037":71},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":14,"audio":15,"coords":16,"stones":19,"town":54},"5037","Gottschalk Familie","Familie Gottschalk – Weinligstr. 11\r\n\r\nDer jüdische Justizrat Dr. jur. Hermann Salomon Gottschalk wurde am 29.10.1867 in Gröbzig geboren. Im Oktober 1909 heiratete er in Steglitz (Berlin) die nichtjüdische Lehrerin Gertrud Ritter, die am 14.3.1881 in Rostock geboren wurde. Zu dieser Zeit war Hermann Gottschalk bereits Rechtsanwalt am Leipziger Amts- und Landgericht. Im Jahr 1919 ernannte ihn das Sächsische Justizministerium zum Notar.\r\n\r\nSeit April 1910 wohnte die Familie in der Weinligstr. 11 in Gohlis. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, die alle in Leipzig zur Welt kamen: Hermann Gerson am 21.8.1910, Gabriele am 19.11.1911, Erika am 11.7.1914, Helga am 2.2.1917 und Gerda am 27.6.1919. Die Eltern konnten ihren Kindern eine gute schulische Ausbildung ermöglichen. \r\n\r\nSo soll Sohn Hermann als bester Abiturient seines Jahrgangs das König-Albert-Gymnasium am Zoo mit Auszeichnung abgeschlossen haben. Er studierte daraufhin von 1929 bis 1932 Jura in Leipzig, Rostock und Heidelberg. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen befand er sich im Rechtsreferendariat am Amtsgericht. Bereits seit 1929 war Hermann Mitglied in der Kommunistischen Partei (KPD) und in einer kommunistischen Studentengruppe aktiv. Diese wurden zwar im Frühjahr 1933 ebenfalls verboten, doch in kleinen illegalen Zirkeln verteilten sie Flugblätter. Zusammen mit seiner Schwester Erika, die eine Buchhändlerlehre absolvierte, nutze er den Kleingarten des Vaters für illegale Treffen. Hier wurde kommunistische Literatur gelesen und Flugblätter verteilt. Ein Spitzel verriet die Treffs und die Geschwister wurden von der Gestapo festgenommen, Hermann im November 1933 und Erika im Juli 1934. Die Familie unterlag daraufhin in der zweiten Jahreshälfte 1934 einer Postkontrolle, d.h. die Polizei las die gesamte Post bevor sie den Adressaten erreichte.\r\n\r\nHermann Gerson wurde zu 2 Jahren und drei Monaten wegen „gemeinschaftlicher Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Zwickau Ende März 1936 wurde er im KZ Sachsenburg erneut inhaftiert. Mit der Auflösung des Lagers brachte man ihn in das KZ Dachau. Hier kam Hermann Gerson Gottschalk (27 Jahre) am 20.10.1937 ums Leben.\r\n\r\nErika wurde zu 3 Jahren Zuchthaus wegen „Vorbereitung des Hochverrats“ verurteilt und kam in das Zuchthaus Waldheim. Damit ihr nicht dasselbe Schicksal wie ihrem Bruder nach dessen Entlassung bevorstehe, bemühte sich die Familie, eine Flucht nach Schweden zu ermöglichen. Als Erika Gottschalk am 1.8.1937 entlassen wurde, floh sie unmittelbar nach Göteborg.\r\n\r\nGabriele Gottschalk arbeitete bei einem Verlag. Ihr gelang im August 1936 die Flucht in die Niederlande und weiter in die USA.\r\n\r\nDie perfiden Regeln der NS-Rassenideologie trafen Helga und Gerda Gottschalk. Helga war Buchhalterin und Gerda arbeitete zu Beginn der 1940er Jahre als Sekretärin beim Kaplan des Leipziger Oratoriums Josef Gülden im Umfeld der katholischen Liebfrauenkirche in Lindenau, nachdem ihr ein Schauspielstudium verwehrt worden war. Als sog. „Mischlinge I. Grades“ sollten auch die Geschwister ab dem 1. September 1941 einen gelben Stern zur Stigmatisierung als Jüdinnen an ihrer Kleidung tragen.\r\nGerda Gottschalk erinnerte sich später: „Als die Sternkontrolle der Gestapoleute in unserer Wohnung stattfand, wurden Helga und ich aufgeschrieben: Wir hatten keine Sterne an unseren Kleidern, da wir ‚Mischlinge‘ nach dem Gesetz waren. Zwei Tage später erhielten wir telefonisch an unseren Arbeitsplätzen die Aufforderung, am selben Nachmittag in das Quartier der Geheimen Staatspolizei in der Hindenburgstraße zu kommen.“*\r\nDie beiden Schwestern wurden am 29.10.1941 verhaftet und kamen zunächst in das Polizeigefängnis in der Wächterstraße. Wegen Überfüllung inhaftierte man sie kurz vor Weihnachten 1941 in der Städtischen Arbeitsanstalt in der Riebeckstr. 63. \r\n\r\nDie erste Deportation jüdischer Menschen aus Leipzig fand am 21.1.1942 statt. Vom Thüringer Güterbahnhof (westlich des Hauptbahnhofes) führte der Transport mit 559 Erwachsenen und Kindern in das Ghetto Riga, darunter Helga und Gerda. Dieser Tag war mit Temperaturen von -20 Grad eiskalt. Die Menschen fuhren drei Tage in ausrangierten und unbeheizten Personenwagen. In Riga angekommen soll es noch einmal kälter gewesen sein (-30 Grad). Das Ghetto war hoffnungslos überfüllt. Wer nicht arbeiten konnte wurde ermordet. Hier mussten die beiden jungen Frauen Zwangsarbeit leisten. Als das Ghetto, durch den Kriegsverlauf bedingt, aufgelöst wurde, kamen beide im Sommer 1944 in das KZ Stutthof nahe Danzig. Hier kam Helga Gottschalk (27 Jahre) im Dezember 1944 ums Leben. \r\nAus einem der Außenlager konnte Gerda im November 1944 fliehen und sich mit Hilfe des katholischen Pfarrers der Leipziger Liebfrauenkirche Theo Gunkel nach Dänemark retten.\r\n\r\nDie Eltern mussten mit ansehen, wie die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ihre Familie und ihre soziale Stellung zerstörte. Hermann Salomon Gottschalk wurde 1933 seines Amtes als Notar enthoben und er verlor seine Zulassung als Rechtsanwalt. 71-jährig wurde er noch 1938 als sog. „Konsulent“ zur juristischen Beratung jüdischer Menschen zugelassen. \r\n\r\nHermann Gottschalk (75 Jahre) starb am 27.3.1943 im jüdischen Krankenhaus auf dem Gelände der Heil- und Pflegeanstalt in Leipzig – Dösen. Hier befanden sich seit 1939 die Reste eines Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde. Eine adäquate Versorgung der Patienten war nicht nur durch Medikamentenmangel kaum mehr möglich, sondern 1943 waren die meisten jüdischen Ärzte und das Pflegepersonal bereits deportiert. Hermann Gottschalk wurde auf dem Alten Israelitischen Friedhof begraben.\r\nAls seine Frau Gertrud 1968 in Markkleeberg starb, wurde sie an seiner Seite beerdigt. \r\n\r\n* Gottschalk, Gerda: Der letzte Weg, Konstanz: Südverlag 1991, S. 13\r\n\r\nPatenschaft: Dr. Helmut Müller (Großneffe von Gertrud Gottschalk), Oliver Ritthaler, Stephan Mitjagin, Riebeckstraße 63 e.V.",[8],{"original":9,"thumb":10,"caption":11,"width":12,"height":13},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fea0be1e21a3fa6f89b5dd4b8462806cf.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fea0be1e21a3fa6f89b5dd4b8462806cf_thumb.jpg","Verlegung am 7.3.2024 \u002F Quelle: AG Stolpersteine \u002F Silvia Hauptmann - Quelle Portraits: Sächs. 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