[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-4071":3,"supporters":46,"nearby-4071":54},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":8,"audio":9,"coords":10,"stones":13,"town":37},"4071","Familie SCHER \u002F SKULSKA","Gitla Scher und ihre Familie\r\n\r\nGitla Skulska wurde 1876 in Machnowka in Russland geboren.\r\nSie verheiratete sich 1899 mit Mania Leyb Scher. Das Paar zog zunächst nach Dresden, wo 1901 ihr ältester Sohn Hans Sander geboren wurde. Nur wenige Jahre später kamen die Kinder Moritz (1904) und Samuel (1905) zur Welt.\r\nIm Jahr 1906 kam die vierköpfige Familie dann nach Stuttgart. Als jüngstes Familienmitglied wurde 1908 Tochter Ida geboren.\r\n\r\nÜber den genauen Zeitpunkt der Eröffnung ihres Geschäftes in der Markthalle gehen die Quellenangeben auseinander. So gibt es Hinweise, sie habe ihren Markstand in der Markthalle bereits von Anfang an betrieben, andere Quellen sprechen vom Betrieb eines Gemüsestandes dort erst in den Zwanziger Jahren.\r\n\r\nCilly Wittendörfer, die Nichte von Mania Leyb Scher, betont nach dem Krieg: \"Ich weiß, dass Frau Gitla Scher in der Markthalle in Stuttgart einen Verkaufsstand gehabt hat, nämlich in der Nähe des Eingangs von der Breunigerseite her. Ich könnte die Stelle des Standes heute noch genau zeigen. Was Frau Scher aus dieser Erwerbstätigkeit verdient hat, ist mir begreiflicherweise nicht genau bekannt. So viel weiß ich aber gewiss, dass sie und ihre Familie davon gelebt haben und zwar bestand diese Familie aus 4 Köpfen, nämlich dem Ehemann Manuel Scher, der nicht mehr arbeitsfähig war, dem lungenkranken Sohn Samuel Scher und der Tochter Ida Scher. Die Familie lebte in ordentlichen Verhältnissen, es ging keineswegs ärmlich bei ihnen zu.\"\r\n\r\nDies änderte sich schlagartig nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Sehr bald danach musste Gitla an ihrem Stand ein Schild mit der Aufschrift „Jude“ anbringen. \r\nWie sich einige innerhalb der Händlerschaft in der Markthalle die rassische Diskriminierung zum eigenen Vorteil zunutze gemacht haben, schildern die Angaben von Cilly Wittendörfer: \"Übrigens sind schon in den ersten Jahren nach der Machtübernahme 1933 Kunden weg geblieben, weil die Konkurrenz, die benachbarten Stände gegen meine Tante Gitla Scher gehetzt haben und darauf aufmerksam gemacht haben, dass sie eine Jüdin sei. Dadurch hat sie schon seit 1933 einen empfindlichen Verdienstausfall erlitten.\"\r\n\r\n1936 musste Gitla Scher ihren Stand „aus rassischen Gründen“ schließen. Zuvor war schon ihr Sohn Samuel verhaftet worden. Damit verlor die Familie ihre Existenz-grundlage. \r\n\r\nDer Schließung des Marktstandes und der Verhaftung von Samuel ging folgende im NS-Kurier vom 23.8.1935 in Seite 3 veröffentlichte anonyme Anzeige voraus: \"Jüdische Kupplerin und Händlerin aus der Markthalle entfernt. Die Jüdin [ Gitla Scher] hat sich nämlich nicht gescheut, das Konkubinat, das ihr Sohn, ein staatenloser Ostjude in ihrer Wohnung mit seiner arischen Freundin führte, bis in die letzte Zeit zu dulden. Jahrelang hat sie das schamlose und rassenschänderische Treiben ihres Sohnes unterstützt. Nach diesen Vorgängen war es für die Stadtverwaltung, auch mit Rücksicht auf die übrigen Standinhaber, eine selbstverständliche Pflicht, diese jüdische Händlerin aus der Markthalle zu entfernen. .....\"\r\n\r\nIm Jahr 1938 starb Mania Leyb Scher.\r\n\r\nIn der späteren Auseinandersetzung in Entschädigungsverfahren widerspricht Cilly Wittendörfer entschieden der Darstellung des Stuttgarter Marktamtes, Gitla Scher sei ausgewandert: \"Wenn ihnen das Marktamt geschrieben hat, meine Tante Gitla Scher sei etwa 1937 oder 1938 zu ihrem verheirateten Sohn nach Amerika ausgewandert, so ist diese Angabe falsch. Meine Tante Gitla ist niemals nach Amerika gereist, auch nicht besuchsweise. Ausgewandert ist sie schon überhaupt nicht. Bekanntlich ist sie am 1.12.1941von Stuttgart nach Riga deportiert worden.\"\r\n\r\nDie Wohnung in der Stöckachstraße 1 war nicht der letzte Wohnsitz von Gitla Scher und ihrer Tochter Ida. Sie wurden wie viele andere Juden aus ihren Wohnungen vertrieben und in sog. Judenhäusern untergebracht. Bis zu ihrer Deportation lebten Gitla und Ida Scher in der Hauptstätterstraße 96.\r\n\r\nSeit ihrer Deportation ist nichts mehr von Mutter und Tochter Scher bekannt. Beide wurden mit Kriegsende am 8. 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