[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-3093":3,"supporters":41,"nearby-3093":49},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":14,"audio":18,"coords":19,"stones":22,"town":32},"3093","Charlotte Rappold","Charlotte Rappold, geb. am 5.9.1865, protestantisch., Fabrikantenwitwe, ermordet in Kaufbeuren am 27.3.1945; ehem. wohnhaft in Augsburg, Kaiserstraße 25, Opfer der sog. „dezentralen Euthanasie“.\r\nCharlotte Christine Blatter ist am 5. September 1865 in Augsburg geboren. Ihre Eltern, der Privatier Josef und Magdalena Blatter geb. Schwarz stammen ebenfalls aus Augsburg. Über die schulische Laufbahn und berufliche Ausbildung Charlottes haben wir keine Kenntnisse. Allerdings muss man davon ausgehen, dass sie wie alle Frauen im 19.Jahrhundert dazu erzogen wird, den Haushalt zu führen und dem Ehemann beruflich „den Rücken freizuhalten“. Der Broterwerb wird noch bis ins 20. Jahrhundert als Männerdomäne angesehen. \r\nMit 26 Jahren, am 8. Juni 1891 heiratet Charlotte den um 12 Jahre älteren Prokuristen und späteren Essigfabrikanten Albert August Rappold.\r\nMit ihm gemeinsam hat sie fünf Kinder. August verstirbt noch am Tag seiner Geburt (30.7.1892), Alwine Pauline (geb. 7.11.1893, verst. 1957); Karl August (14.4.1895, verst. 15.7. 1899) stirbt im Kindesalter, Georg Herbert Egon (geb. 3.7.1897, verst. 1979) und Paula Marta Rappold (geb. 10.11.1903, verst. 1996) \r\nDie Essig- und Spirituosenfabrik und das Wohnhaus in der Kapuzinergasse 24-26 (B 150\u002F152) ist im Besitz der Familie Rappold, sie verfügen somit über einen überaus stattlichen Grundbesitz mitten in Augsburg. Die Familie ist nach Familienangaben bis ins 16. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar. August Albert, der Ehemann von Charlotte Rappold, verstirbt am 18. August 1914 im Alter von 61 Jahren, kurz nach Beginn des ersten Weltkrieges. Sein Bruder Julius Rappold, geb. am 9.2.1857, führt nach dem Tod seines Bruders die Geschäfte, verstirbt aber ebenfalls sehr früh am 11.4.1919.\r\nCharlotte erbt gemeinsam mit ihren Kindern Alwine, Marta und Egon die Anteile ihres verstorbenen Mannes an dem Anwesen in der Kapuzinergasse 24 und an dem Haus an der Kaiserstraße 25.  Von 1890 bis 1931 wohnt die Familie Rappold in dem riesigen Haus in der Kapuzinergasse, erst dann zieht Charlotte mit ihren Kindern in das repräsentative Haus in der Kaiserstraße, in dem auch die Erben von Julius Rappold wohnen. \r\nObwohl sie keine kauf-männische Erfahrung hat, führt sie nun als Familienoberhaupt und Fabrikantenwitwe eigen-verantwortlich die Ge-schäfte und trifft alle wesentlichen Entscheidungen. Dabei agiert sie nicht immer ganz glücklich.  Während des I. Weltkriegs zeichnet sie Kriegsanleihen und verliert dabei viel Geld.\r\nAls ihr Sohn Egon heiratet, zieht Charlotte gemeinsam mit ihrer ledigen Tochter Alwine vom 2. Stock ins Erdgeschoß in der Kaiserstraße 25, der heutigen Konrad-Adenauer-Allee 25. Das hochherrschaftliche Haus hatte August Albert gemeinsam mit seinem Bruder Julius im September 1890 für 100. 000 Mark erworben.  Alwine pflegt ihre Mutter hingebungsvoll, sie ist eine vorzügliche Köchin und dankbare Tochter. \r\nCharlotte Rappold ist fast 79 Jahre, als sie am 30 März 1944 vom Städtischen Krankenhaus in Augsburg in die Heil- und Pflegeanstalt überwiesen wird. Ausdrücklich hält der Befund des Städtischen Krankenhauses Augsburg fest, dass Charlotte nicht erbkrank sei, sondern an „seniler Demenz“ leide.\r\nSie ist mit einer Größe von 1,63 m und nur 40 kg eine sehr zierliche Person. Am Tag der Überstellung nach Kaufbeuren lässt sie sich willig baden und ins Bett bringen, lehnt aber jede Nahrungsaufnahme ab. \r\nDie Nacht über schläft sie sehr unruhig und tritt gegenüber den Pflegekräften überaus forsch und herrisch auf. Bei der Anamnese gibt sie an, nie ernsthaft krank gewesen zu sein. Die Ärzte stellen fest, sie sei geistig nicht zurechnungsfähig. Charlotte weigert sich, sich am Kopf untersuchen zu lassen.\r\nNach einigen Monaten hat sie sich in Kaufbeuren eingelebt. Als 79-jährige verbringt sie tagsüber viel Zeit im Bett, aber spricht sehr klar und geordnet. Sie kann sich vollkommen selbst versorgen. \r\nAb August 1944 verweigert sie die Nahrungsaufnahme wegen Appetitlosigkeit. Das Heimessen ästimiert sie ganz und gar nicht, sie ernährt sich vornehmlich von den Lebensmittelpäckchen, welche ihr ihre Töchter Alwine und Martha regelmäßig schicken. \r\nAm 5.September 1944, ihrem 79. Geburtstag, soll die Patientin wieder nach Augsburg entlassen werden. Aber es wird ihr übel, hat Schweißausbrüche, so dass sie erst mit dem nächsten aus Augsburg kommenden Transport zurück nach Hause geschickt wird. \r\nDr. Faltlhauser erwähnt in den Entlassungspapieren, dass Charlotte Rappold „in gebessertem Zustande“ zu ihren Angehörigen zurückgeschickt werden könne, allerdings mit der Diagnose „Senile Psychose“. \r\nSchon im Verlauf des Oktobers wird sie wiederum in Kaufbeuren eingewiesen. Sie verbringt wie bei ihrem früheren Aufenthalt viel Zeit im Bett und beschwert sich stets über das Essen. Vom guten Essen ihrer Tochter Alwine ist sie verwöhnt. Der behandelnde Arzt hingegen spricht allerdings davon, dass sie trotz aller Klagen ordentlich esse. \r\nIm März 1945 ist ihr Zustand unverändert. Nach den Beobachtungen der Ärzte bringt sie fast täglich die gleichen Klagen vor. Es bleibt den Ärzten nicht verborgen, dass sie an „Gelbsucht“ leidet. Die Ärzte unternehmen aber nichts und verordnen ihr lediglich eine „Diätkost“. \r\n3 Wochen später wird ihre Gelbsucht immer noch nicht therapiert, sie ist zitronengelb und „geht körperlich sehr zurück“, eine Standard-formulierung in Kaufbeuren für die Patienten, die durch Hungerkost bzw. eine Überdosis an Medikamenten zu Tode gebracht werden. \r\nTatsächlich verstirbt Charlotte Rappold am 27. März 1945 morgens um 3 Uhr. Der Arzt konstatiert eine doppelseitige Lungenentzündung bei akuter Leberatrophie. \r\nCharlotte Rappold litt an Gelbsucht. Sie hatte keine Leberzirrhose, sondern Gallensteine. Die Ärzte verabreichten ihr eine Überdosis von Medikamenten und führen so bewusst ihren beschleunigten Tod herbei.\r\nCharlotte Rappold wird in Kaufbeuren eingeäschert, ihre Urne wird im protestantischen Friedhof in Augsburg beigesetzt. Das Grab ist mittlerweile aufgelöst. \r\nSie wurde ein Mordopfer des nationalsozialistischen Sozialdarwinismus und der Krankenmorde.\r\n\r\nBiographie erstellt: \r\nDr. Bernhard Lehmann, StD a.D., Gegen Vergessen-Für Demokratie RAG Augsburg-Schwaben, 86368 Gersthofen, Haydnstr. 53, bernhard.lehmann@gmx.de,\r\n\r\nzusammengestellt durch die Stolpersteininitiative Augsburg  \r\nhttp:\u002F\u002Fwww.stolpersteine-augsburg.de",[8],{"original":9,"thumb":10,"caption":11,"width":12,"height":13},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fa220f3e4eeb8bc1b564d6bd0aa780d8d.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fa220f3e4eeb8bc1b564d6bd0aa780d8d_thumb.jpg","Verlegung der Stolpersteine am 14.07.2020",950,1136,[15],{"youtube_id":16,"thumb":17},"E7eguHD2sjs","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F37383f372e84317efb8a2c81dfeae8a35a686f95.jpg",null,{"lat":20,"lng":21},48.36379484,10.89585916,[23],{"id":24,"firstname":25,"name":26,"portrait":27,"gender":30,"stadium":31},"6299","Charlotte","Rappold",{"original":28,"thumb":29},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F2923f49f237c957c2e02f8c2ab2f624f.png","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F2923f49f237c957c2e02f8c2ab2f624f_thumb.png","female","adault",{"id":33,"coords":34,"title":37,"association":38,"impressum":39,"association_url":40},"105",{"lat":35,"lng":36},48.372171,10.896931,"Augsburg","Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg und Umgebung","Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg und Umgebung\r\nc\u002Fo Thomas Hacker\r\nGutenbergstr. 15\r\n86356 Neusäß\r\n\r\nEmail: info@stolpersteine-augsburg.de","http:\u002F\u002Fstolpersteine-augsburg.de",{"count":42,"anonymous":43,"names":44},10,6,[45,46,47,48],"Martin Schreyer","Claudia Körner","Anett Humboldt","Peter Hein",[50,68,99,123,137,155],{"place":51,"stone":66,"distance":67},{"id":52,"title":53,"coords":54,"stones":57},"2934","Rudolf und Rosa Hirschmann",{"lat":55,"lng":56},48.36512099,10.89595364,[58,62],{"id":59,"firstname":60,"name":61,"portrait":18,"gender":30,"stadium":31},"5968","Rosa","Hirschmann",{"id":63,"firstname":64,"name":61,"portrait":18,"gender":65,"stadium":31},"5969","Rudolf","male",{"id":59,"firstname":60,"name":61,"portrait":18,"gender":30,"stadium":31},148,{"place":69,"stone":96,"distance":98},{"id":70,"title":71,"coords":72,"stones":75},"1958","Ludwig und Selma Friedmann - 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