[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-2784":3,"supporters":32,"nearby-2784":40},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":8,"audio":9,"coords":10,"stones":13,"town":24},"2784","Falkenhausenschule Kehl: Lazarus Mannheimer und Fritz Wertheimer","Falkenhausenschule: Fritz Wertheimer\r\nFritz Wertheimer wurde am 18. August 1928 als zweiter Sohn der Eheleute Julius und Elise Wertheimer geboren. Er war Schüler der Falkenhausenschule. Nach der Reichspogromnacht (9.\u002F10. November 1938) wurden alle jüdischen Kinder vom Besuch einer öffentlichen Schule ausgeschlossen. Davon war auch Fritz Wertheimer betroffen. Sein Vater, der eine Sackhandelsfirma betrieb, wurde im KZ Dachau in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Er konnte aber wieder nach Kehl zurückkehren.\r\nDa dem Vater die Arbeitserlaubnis entzogen worden war und somit die Existenzgrundlage vernichtet war, verließ die Familie am 15. März 1939 Kehl und konnte nach Argentinien auswandern. Hier gründete Fritz Wertheimer eine Familie. In späteren Jahren reiste er mehrmals nach Kehl und traf sich hier mit ehemaligen Schulfreunden und Bekannten. Er starb am 8. Juni 2009 in Buenos Aires.\r\n\r\nWohnsitz der Familie:  Kinzigstraße 21 \r\n\r\nFalkenhausenschule: Lehrer Lazarus Mannheimer\r\n\r\nLazarus Mannheimer wurde am 1886 in Eberbach am Neckar geboren. In der Zeit von 1907 bis 1912 war er Unterlehrer in Bodersweier. Hier lernte er seine Frau Regina Bensinger kennen. Am 29. Juli 1912 fand in Bodersweier die Hochzeit statt. Im gleichen Jahr begann der Ehemann seine sehr erfolgreiche Lehrer-Tätigkeit in Kehl. Er unterrichtete zunächst an der Wilhelmschule und dann an der Falkenhausenschule. Außerdem gehörte er dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde von Kehl an, war Kantor und leitete den Jüdischen Zentralverein Kehl. 1925 wurde er Mitglied des Bürgerausschusses, 1930 trat er der Deutschen Staatspartei bei. Die Mannheimers bewohnten zunächst eine städtische Dienstwohnung. Ihre Ehe blieb kinderlos.\r\nMit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 änderte sich alles. Vom 1. bis 8. April 1933 war Lazarus Mannheimer in „Schutzhaft“ im Kehler Gefängnis. Auf Grund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (§ 3 – „Arierparagrah“) verlor er seine berufliche Existenz als Lehrer und sein Amt im Bürgerausschuss. 1934 wohnte das Ehepaar in der Kinzigstraße 20. Das Haus gehörte der Israelitischen Kultusgemeinde Kehl. \r\nLazarus und Regina Mannheimer zogen in der zweiten Hälfte des Jahres 1939 nach Karlsruhe, wo der Ehemann eine Anstellung in der jüdischen Schule erhielt. Am 22. Oktober 1940 wurden Mannheimers in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Nach Aufenthalten in anderen französischen Internierungslagern wurde das Ehepaar am 7. August 1942 nach Auschwitz deportiert und vermutlich hier gleich nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet.\r\nVier Jahre vorher musste aber der Lehrer in der damaligen Kehler Stadthalle ganz in der Nähe seiner einstigen Wirkungsstätte (am Platz der jetzigen Schulturnhalle) die schweren Demütigungen und Misshandlungen erleiden, die den jüdischen Männern zwischen 16 und 60 Jahren am Morgen nach der Reichspogromnacht (9.\u002F10. November 1938) angetan wurden. \r\nDie Aktionen befehligte der Kehler Gestapo-Chef Julius Gehrum und wurden vom Kehler SS-Sturm, der Gestapo, österreichischer SS, SA, Parteiangehörigen und Sympathisanten durchgeführt. Kommandogruppen drangen in die jüdischen Wohnungen ein, führten gewaltsame „Hausdurchsuchungen“ durch, zerstörten die Einrichtungen und verhafteten alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren. Sie wurden in das Gestapohaus (Villa Fingado, Ludwig-Trick-Straße) gebracht, wo sie folterartig verhört wurden. Danach wurden sie durch die Hermann-Dietrich-Straße und die Jahnstraße unter Misshandlungen in die Stadthalle getrieben.\r\nAm Vormittag trafen die verhafteten Juden aus den Kreisgemeinden Bodersweier, Rheinbischofsheim, Freistett und Lichtenau ein. Auf ihrem Weg zum Gestapo-Haus mussten sie an jeder Straßenkreuzung rufen: „Wir haben das deutsche Volk betrogen“ und „Wir sind schuld am Mord in Paris“. Dann mussten sie sich gegenseitig anspucken und unter Schlägen bis zur nächsten Kreuzung weitermarschieren. Auch sie wurden nach entsprechenden Verhören zur Stadthalle getrieben.\r\nSchulklassen bekamen vormittags frei, um „das Ereignis miterleben zu können.“ Vor dem Stadthalleneingang versammelte sich eine Menschenmenge. Manche Kehler beteiligten sich mit Schlägen und Beinstellen an den Gewaltaktionen. \r\nIm Keller der Stadthalle waren die Opfer sehr bösartigen und demütigenden Behandlungen ausgesetzt, die Gehrum befohlen haben soll und vom Kehler SS-Sturm, österreichischen SS-Leuten und Gestapo-Beamten verübt wurden. \r\nAm Nachmittag fand die Schändung der Synagogen an allen 5 Orten statt. Wegen der Nachbarschaftsbebauung kam es nicht zur Inbrandsetzung.\r\nGegen Abend ließ man die jüdischen Männer zum Bahnhof marschieren, was einem Spießrutenlauf gleichkam. Sie wurden geschlagen, getrieben und gequält und sogar von Passanten durch Hohn und Gelächter gedemütigt. Per Bahn erfolgte die Deportation zum Konzen-trationslager Dachau. Hier erkannte man die Kehler und Hanauer Juden daran, dass sie schwer zugerichtet waren. Mehrere Wochen waren sie hier unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert. Die meisten konnten dann um die Jahreswende, zum Teil als gebrochene Menschen, wieder in ihre Familien zurückkehren. Zum Jahresende wurden ihre Gewerbebetriebe zwangsweise geschlossen.\r\nUnter der Überschrift „Der Volkszorn ruft nach Vergeltung“ erschien nach der Pogromnacht in der Kehler Zeitung ein Artikel, in dem behauptet wurde, man sei gezwungen gewesen, die Männer wegen des Volkszorns in „Schutzhaft“ abzuführen. Geschehen sei ihnen „weiter nichts.“ \r\nAn der Schulturnhalle erinnert heute ein Denkmal an die zwischen 1933 und 1945 vertriebenen und ermordeten jüdischen Kehler.",[],[],null,{"lat":11,"lng":12},48.57072141,7.810772897,[14,20],{"id":15,"firstname":16,"name":17,"portrait":9,"gender":18,"stadium":19},"5604","Lazarus","Mannheimer","male","adault",{"id":21,"firstname":22,"name":23,"portrait":9,"gender":18,"stadium":19},"5605","Fritz","Wertheimer",{"id":25,"coords":26,"title":29,"association":30,"impressum":31,"association_url":31},"197",{"lat":27,"lng":28},48.574859,7.81296,"Kehl","Arbeitskreis 27. 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