[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-2085":3,"supporters":34,"nearby-2085":42},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":14,"audio":11,"coords":15,"stones":18,"town":25},"2085","Barbian, Jakob","Metzgerstr.72\r\n\r\nLeider haben wir bis jetzt kein Bild von Jakob Barbian.\r\nWie können wir uns Jakob Barbian vorstellen? In der Gefängnisakte des Vollzugsgefängnisses Ulm finden sich folgende Angaben:\r\n„180 cm groß, 65kg, kräftiger Körperbau, mittlerer Ernährungszustand, Gebiss: große Lücken“\r\n\r\nJakob Barbian wurde am 23. November 1900 in Neunkirchen an der Saar als Sohn eines Bergmanns geboren und evangelisch getauft.\r\nBereits im Alter von zehn Jahren verlor er seinen Vater und erlebte sicherlich eine Kindheit in materieller Not. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er – wie sein Vater- Bergmann.\r\n\r\nMit 17 Jahren meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und zog als Infanterist in den Ersten Weltkrieg. Angeblich erlitt er eine Gasvergiftung. 1918 wurde er durch einen Minensplitter bei Cambrai verwundet und verlor an seiner linken Hand den Daumen und Mittel- und Zeigefinger.\r\nIm Kriegsverlauf wurde er mit dem EK II und dem Bayerischen Verdienstkreuz ausgezeichnet.\r\n\r\nNach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er in einer Grube bei Dortmund als Lokomotivführer und heiratete 1921 Gertrud Wiederhorst. Im folgenden Jahr wurde der Sohn Jakob Bernhard geboren. Allerdings wurde diese Ehe in gegenseitigem Einvernehmen 1932 geschieden.\r\n\r\nAuch in beruflicher Hinsicht war er vom Pech verfolgt. Bei der Schlagwetterexplosion auf der Schachtanlage ‚Anna’ am 21.10. 1930, mindestens 262 Bergarbeiter verloren ihr Leben, zog sich Jakob Barbian eine Rückenverletzung zu. Seine letzte Schicht verfuhr er am 03. 02. 1932.\r\n\r\nDie kommenden Jahre waren geprägt von Arbeitslosigkeit, Diebstahl und Warenschiebereien nach Holland und Gefängnisstrafen.\r\n1937 lichtet sich wieder der Schleier über seinem Leben. Jakob Barbian wagte im Mai 1937 einen großen Ortswechsel. Er zog von Aachen nach Geislingen an der Steige und nahm eine Arbeitsstelle als Lokomotivführer in der Grube ‚Karl’, die zur ‚Guten Hoffnungshütte’ gehörte, an.\r\n\r\nDoch er wurde wieder vom Pech verfolgt. Bereits am zweiten Arbeitstag widerfuhr ihm ein Betriebsunfall und er kam stationär ins Göppinger Krankenhaus. Hier muss er seine zweite Ehefrau, die zwölf Jahre ältere und bereits zweimal verwitwete Katharina, geborene Kingeter, kennen gelernt haben. Sie heirateten am 18. September 1937 und Jakob Barbian zog zu ihr in die Wohnung in der Metzgerstraße 72. Frau Barbian bemerkte in einer Wiedergutmachungsakte: „Mein Mann brachte außer den Kleidern nichts in die Ehe.“ Zu den zwei angeheirateten Kindern baut Jakob Barbian ein gutes Verhältnis auf.\r\n\r\n\r\n    Metzgerstr. 72 Göppingen\r\n\r\nBeruflich ging es für ihn auch wieder bergauf. Er bekam bei der Firma Boehringer eine Stelle als Schreiner und Lackierer. Doch langfristig kehrte keine Ruhe in das Leben von Jakob Barbian ein. 1939 war er fünf Monate wegen Asthma krank, auch seine Ehefrau kränkelte und litt unter Bluthochdruck und Herzanfällen. Vielleicht war er deshalb an einem außerehelichen Abenteuer interessiert, als sich ihm die Gelegenheit dazu bot.\r\n\r\nEnde 1939 lernte er die „lebenslustige und Männerbekanntschaften zugeneigte“ Hausfrau Regine Kurz aus Göppingen über eine Bekannte kennen und nun nahm das Verhängnis seinen Lauf. Diese Hausfrau war schwanger von dem tschechischen Untermieter ihrer Schwiegermutter und bat Barbian um Hilfe. Anfangs lehnte er konsequent ab und verwies auf das hohe Strafmaß für Abtreibungen. Doch dann gab er ihr den Tipp, es mit zerdrückter Kernseife zu versuchen. Hoffte er auf ein Schäferstündchen?\r\nDer Ehemann von Frau Kurz, Karl Kurz, kam 1940 auf Heimaturlaub, erfuhr von der Beziehung seiner Frau zu Barbian und stellte gegen ihn einen Strafantrag wegen Beleidigung „…dass er die Ehefrau eines im Felde stehenden Volksgenossen zum Ehebruch verführte “ und wegen angeblicher Beihilfe zur Abtreibung.\r\nWarum er ausgerechnet Barbian anzeigte, obwohl seine Ehefrau verschiedene Liebschaften hatte, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden.\r\nAnmerken möchte ich aber, dass es sich bei diesem Karl Kurz um eine zwielichtige Person handelte. Er führte ein Doppelleben. In Düben an der Mulde in Sachsen hatte er ein Liebes- und später Eheverhältnis mit einer Frau.\r\nAus dieser Beziehung ging ein Sohn hervor und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Karl Kurz wegen Bigamie verurteilt.\r\n\r\nNun zu Jakob Barbian und der Tragödie, die zu seinem Tod führt. Er wurde am 27. Februar von der Gestapo Stuttgart verhaftet und kam über das Untersuchungsgefängnis in Göppingen nach Welzheim ins KZ-Lager. Am 3. Mai 1940 wurde er vom Amtsrichter in Göppingen für die „Beleidigung“ und wegen Beihilfe zur Abtreibung zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten verurteilt. Außerdem hatte der Angeklagte die Kosten für das Verfahren zu bezahlen. Ausgeführt in der Urteilsverkündung lauteten die Gründe:\r\n„Beleidigung des im Feld stehenden Wehrmachtsangehörigen Karl Kurz, weil er geschlechtliche Beziehung zur Ehefrau Regina Kurz, geb. Oesterle, anknüpfte“\r\nUnd:\r\n„Beihilfe zur Abtreibung, weil er Regina Kurz, die ehebrecherisch mit Tschechen verkehrt hatte…Rat erteilte, mit Seifenzäpfchen Frucht abzutreiben.“\r\nNun war Barbian in den Klauen der Nazis. Es gab für ihn kein Entrinnen mehr. Zuerst wurde er in die Vollzugsanstalt Ulm verbracht. Nach Verbüßung seiner Haft wurde er sofort auf Anordnung der Gestapo Stuttgart am 3. August 1940 zur Prüfung der Schutzhaftfrage mittels Sammeltransport in das Polizeigefängnis II „zugeliefert“.\r\nEr wurde wegen Bandenschmuggels und der 3jährigen Gefängnisstrafe aus den 30er Jahren als Krimineller abgestempelt und wegen politischer Umtriebe in Schutzhaft genommen.\r\nAm 11. Oktober wurde er - nach der „Überprüfung“!- in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert und bekommt die Häftlingsnummer 20 494.\r\nVom 9. Mai bis zum 12. Mai befand er sich dort in Kommandanturarrest. Dies war eine besonders harte Bestrafung innerhalb des Konzentrationslagers.\r\n\r\n\r\n    Personalkarte - Jakob Barbian (KZ-Dachau)\r\n\r\n„Der Bunker war Teil des Strafsystems, das der Brechung der Persönlichkeit dienen sollte. Kommandanturarrest bedeutete in der Regel Einzelhaft, Dunkelhaft, Essensentzug. Sadisitsche Übergriffe des Wachpersonals waren an der Tagesordnung. Geringfügige ‚Vergehen‘ reichten für eine derartige Bestrafung aus. Stehzellen waren eine nochmals verstärkte Form des Arrests.\" (aus: Brief von Axel Braisz, isd-arolsen)\r\n\r\nAm 12. Juli 1941 wurde er dem Arbeitskommando des KZ-Buchenwald überstellt. Er erhielt die Häftlingsnummer 8300.\r\n\r\nPersonalakte Jakob Barbian - KZ Buchenwald Blatt 1\r\n    Personalakte Jakob Barbian - KZ Buchenwald\r\n\r\nkomplette KZ-Buchenwaldakte hier zum PDF-Download\r\n\r\nAm 18. März 1943 um 6.55 Uhr verstarb Jakob Barbian im Konzentrationslager Buchenwald. Angeblich war die Todesursache eine Nierenentzündung.\r\n\r\nSeine Witwe Käthe Barbian sagte später in einem fragwürdigen Wiedergutmachungsverfahren, das ihr keine Entschädigung zukommen ließ: „Als ich seine Kleider zurückbekam, fand ich einen Zettel eingenäht, in einer Jacke, den mein Mann geschrieben hat:\r\n‚Viel erlebt, u. viel gelitten, mitten durch den Dreck geschritten, ausgehalten bis zum Schluß.\r\nLazarus’“\r\n\r\n(03.02.2016 at)",[8],{"original":9,"thumb":10,"caption":11,"width":12,"height":13},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F4ca25351913ab8969b51a2255b994808.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F4ca25351913ab8969b51a2255b994808_thumb.jpg",null,1136,999,[],{"lat":16,"lng":17},48.70627,9.63747,[19],{"id":20,"firstname":21,"name":22,"portrait":11,"gender":23,"stadium":24},"4219","Jakob","Barbian","male","adault",{"id":26,"coords":27,"title":30,"association":31,"impressum":32,"association_url":33},"165",{"lat":28,"lng":29},48.703111,9.653222,"Göppingen","Stolperstein Initiative Göppingen e.V.","ViSdP:\r\nKlaus Maier-Rubner\r\n73033 Göppingen, Zeppelinstr. 13\r\n\r\n1. Inhalt des Onlineangebotes\r\nDer Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern,\r\nzu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen.\r\n\r\n2. 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Dabei handelt es sich um rassistisch Verfolgte, um politische GegnerInnen, um sozial Geächtete, um Euthanasie-Opfer sowie um Männer, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden.\r\n\r\nNach Abschluss der Recherche bitten wir den Kölner Künstler Gunter Demnig, Stolpersteine herzustellen und am ehemaligen Wohnort zu verlegen. Für die Verlege – Zeremonien suchen wir den Kontakt mit Schülerinnen und Schülern. Die Initiative kümmert sich auch um die Finanzierung der Stolpersteine und freut sich über Steine – Patenschaften. Nach der Verlegung eines Stolpersteins auf öffentlichem Grund, geht der Stein in das Eigentum der jeweiligen Gemeinde über.\r\n\r\nWir danken allen Privatpersonen, Kommunalverwaltungen und Firmen, die auch durch kostenfreie Leistungen oder mittels Spenden das Projekt Stolpersteine und unsere Initiative unterstützt haben und unterstützen. Als gemeinnütziger Verein können wir Spendenquittungen ausstellen. 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