[{"data":1,"prerenderedAt":-1},["ShallowReactive",2],{"place-1484":3,"supporters":62,"nearby-1484":70},{"id":4,"title":5,"text":6,"photos":7,"videos":24,"audio":25,"coords":26,"stones":29,"town":53},"1484","Familie Helft - Wohnhaus und Geschäft","Dieses arglose vierjährige Mädchen auf dem Foto ist Inge Helft. Sie war das einzige Kind von Hiltrud und Alfred Helft, einer alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie in Wurzen. Alfreds Eltern, Jenny und Ludwig Helft, hatten neben ihrem jüngsten Kind Alfred noch zwei Töchter, Gertrud und Alice. Alle drei Kinder wurden in Wurzen geboren. Nachdem die Mutter, Jenny Helft, gestorben war, heiratete Ludwig Helft 1896 in Breslau (heute Wroclaw\u002FPolen) seine 2.Ehefrau Rosa Cohn. Sie schenkte ihm 1898 eine weitere Tochter namens Jenny Fanny. Aber schon 1919 starb auch Rosa. Nun zog Ludwigs jüngste, ebenfalls verwitwete Schwester Johanne Finkenstein, geb. Helft, zu ihm nach Wurzen.\r\n\r\nDas Konfektionsgeschäft \"Louis Helft\", eine angesehene Adresse für feine Bekleidung und Textilien aller Art, war bereits seit 1884 in Wurzen ansässig, zuerst in der Liegenbank 2, später in der Wenceslaigasse 22, wo die Familie im gleichen Haus (Ecke Färbergasse 2) wohnte. Die Wurzener Bürgerschaft ging, so berichteten Zeitzeugen, gern bei \"Louis Helft\" einkaufen. Trotz der vielen Schicksalsschläge und der immer schlechter werdenden Lage für Juden in Deutschland verzagte Ludwig Helft nicht; es wurde ihm sogar ein goldiger Humor nachgesagt, womit er sich viele Freunde und eine gute Kundschaft erwarb.\r\n\r\nNach dem ersten Weltkrieg trat Ludwigs Sohn Alfred 1918 mit ins Geschäft ein und wurde nach dem Tod seines Vaters 1932 Alleininhaber. Doch schon 1936 starb auch er mit nur 43 Jahren. Er hinterließ seine Frau Hiltrud Helft, geb. Hartmann, und seine kleine Tochter Inge, die gerade erst zehn Jahre alt geworden war. Als Kind besuchte Inge den 1.Wurzener Kindergarten, einen Fröbel-Kindergarten, in der heutigen Theodor-Körner-Straße. Später ging sie in Wurzen in Grund- und Handelsschule. Während uns zunächst noch ein freundliches Kindergesicht anblickte, musste Inge später auf der Handelsschule viel Unrecht und Ausgrenzung durch Lehrer und Mitschüler ertragen. Der damalige Schuldirektor Lippold ordnete z.B. an, dass Inge nicht mehr mit den anderen Kindern gemeinsam frühstücken durfte. Jedoch waren nicht alle Schüler und Lehrer an den Demütigungen beteiligt, viele behandelten Inge auch weiterhin freundlich.\r\n\r\nIn der Reichsprogromnacht am 9.November 1938 musste auch Familie Helft miterleben, wie ihr Geschäft zerstört wurde, SA-Leute die Auslagen mit den Stiefeln zertraten und auf die Straße warfen. Eine Zeitzeugin, Frau R., musste am nächsten Morgen als Schulkind an dem geplünderten Geschäft vorbeigehen und erinnerte sich, wie entsetzt sie war und wie in der Klasse aus Angst nur geflüstert wurde. Inges Mutter Hiltrud musste das Geschäft bald schließen und versuchte, ihre Familie so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Zunächst nahm sie ihre 65-jährige Mutter Lina Hartmann zu sich. Diese wohnte bis dahin in der Wurzener Albertstraße 31 (heute August-Bebel-Straße) und betrieb dort ein Plättgeschäft.\r\n\r\nDa auch Helfts, wie alle jüdischen Einwohner der Stadt, immer mehr in Bedrängnis gerieten, sollte Inge ins Ausland gebracht werden. Als jüngstes jüdisches Kind aus Wurzen bekam sie im Juni 1939 einen der begehrten und viel zu wenigen Plätze auf einem der, von den Israelitischen Religionsgemeinschaften organisierten, Kindertransporte nach Belgien. Mit nur 13 Jahren wurde Inge von ihrer Familie getrennt.\r\n\r\nNach dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien im Mai 1940 flüchteten sie weiter nach Frankreich in ein kleines Dorf in den Pyrenäen. Dort lebte Inge für zwei Jahre relativ sicher mit ca. 100 weiteren jüdischen Kindern in einer Kinderkolonie im alten Schloss \"La Hille\", unterstützt vom Schweizerischen Roten Kreuz. Doch stets war Vorsicht geboten. So durften die Kinder z.B. nur französisch sprechen, damit niemand erfuhr, dass hier deutsche jüdische Kinder lebten. Ab 1942 wurde es vor allem für die älteren Kinder gefährlich, denn mit 15 Jahren drohte denen die Deportation. Auch Inge lebte mit der ständigen Angst, verhaftet zu werden und versteckte sich während der Hausdurchsuchungen vor der Gendarmerie. Viele der Jugendlichen versuchten zu fliehen, z.B. mit dem Schiff nach Amerika oder zu Fuß über die Grenzen nach Spanien oder die Schweiz. Inges Mutter war es 1939 gelungen, nach England zu fliehen und versuchte mehrmals verzeifelt ein Visum der USA für Inge zu bekommen, leider vergeblich. \r\n\r\nJohanne Finkenstein und Lina Hartmann musste sie in Wurzen zurücklassen. Hilfsbereite Nachbarn, wie die Bäckersfamilie Täschner, kümmerten sich um sie und brachten ihnen Essen. Aber bald wurden sie nach Leipzig in ein so genanntes Judenhaus gebracht. Lina Hartmann wurde im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt (heute Terezin\u002FTschechien) deportiert und kam dort ein Jahr später um. Der Name der schon 80jährigen Johanne Finkenstein findet sich auf einer Deportationsliste vom Februar 1943 nach Theresienstadt, wo sie allerdings nie eintraf. Vermutlich starb sie während des Transportes.\r\n\r\nNachdem es in La Hille immer gefährlicher wurde, plante Inge Helft gemeinsam mit vier weiteren Jugendlichen die Flucht über die Berge in die Schweiz, obwohl diese keine Flüchtlinge mehr aufnahm. Trotzdem gelang es ihnen dorthin zu entkommen. Kurz nach ihrer Ankunft wurden Inge und drei ihrer Begleiter von Schweizer Gendarmen gefasst und an die SS ausgeliefert. Vom berüchtigten Lager Drancy bei Paris wurde Inge mit hunderten anderen jüdischen Kindern in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 27.02.1943 als jüngstes Wurzener Holocaustopfer kurz vor ihrem 17.Geburtstag ermordet wurde.\r\n\r\nIhre Mutter Hiltrud Helft überlebte als Einzige ihrer Familie. Sie lebte in London und wurde über 90 Jahre alt. Nach Deutschland kehrte sie nie wieder zurück. \r\n\r\nDie Geschichte der Kinder von La Hille und ihrer Schicksale haben Vera Friedländer in dem Buch \"Die Kinder von La Hille\" und Sebastian Steiger in dem Buch \"Die Rettung der Kinder von La Hille\" geschildert.",[8,14,19],{"original":9,"thumb":10,"caption":11,"width":12,"height":13},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F05d990bf8270d1c4904afe5f2a05f1a5.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F05d990bf8270d1c4904afe5f2a05f1a5_thumb.jpg","Inge mit 4 Jahren",1008,1136,{"original":15,"thumb":16,"caption":17,"width":13,"height":18},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F977d8ac3dfeea8451c507520717926ac.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002F977d8ac3dfeea8451c507520717926ac_thumb.jpg","Erster Boykott des Geschäfts \"Louis Helft\" am 1.April 1933",645,{"original":20,"thumb":21,"caption":22,"width":13,"height":23},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fccb69a1c5b5a2ae0416247f1ec913d1f.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fmedien\u002Fccb69a1c5b5a2ae0416247f1ec913d1f_thumb.jpg","Inge Helft (1. von links) 1942 in La Hille",995,[],null,{"lat":27,"lng":28},51.3679988,12.7346673,[30,36,40,47],{"id":31,"firstname":32,"name":33,"portrait":25,"gender":34,"stadium":35},"2645","Lina","Hartmann","female","adault",{"id":37,"firstname":38,"name":39,"portrait":25,"gender":34,"stadium":35},"2693","Johanna","Finkenstein",{"id":41,"firstname":42,"name":43,"portrait":44,"gender":34,"stadium":35},"2694","Hiltrud","Helft",{"original":45,"thumb":46},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F6633b875d48c8341b56ee0450288cced.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002F6633b875d48c8341b56ee0450288cced_thumb.jpg",{"id":48,"firstname":49,"name":43,"portrait":50,"gender":34,"stadium":35},"2695","Ingeborg",{"original":51,"thumb":52},"https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002Fdfc0f0a57074e277fe24a4df589e96f4.jpg","https:\u002F\u002Fstolpersteine-guide.de:443\u002Fuploads\u002Fportraits\u002Fdfc0f0a57074e277fe24a4df589e96f4_thumb.jpg",{"id":54,"coords":55,"title":58,"association":59,"impressum":60,"association_url":61},"124",{"lat":56,"lng":57},51.369844,12.743619,"Wurzen","Netzwerk für demokratische Kultur e.V.","","http:\u002F\u002Fwww.ndk-wurzen.de\u002F",{"count":63,"anonymous":64,"names":65},10,6,[66,67,68,69],"Martin Schreyer","Claudia Körner","Anett Humboldt","Peter Hein",[71,95,112,126,141],{"place":72,"stone":93,"distance":94},{"id":73,"title":74,"coords":75,"stones":78},"1512","Familie Seligmann - 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